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23.12.2015 | 00:06 | Wetterrückblick 2015 

Österreich: Zweitwärmstes Jahr der Messgeschichte

Wien - Vorläufige Jahresbilanz der ZAMG: 2015 liegt voraussichtlich 1,5 °C über dem vieljährigen Mittel und ist damit in Österreich das zweitwärmste Jahr der 247-jährigen Messgeschichte.

Wetterrückblick Österreich 2015
(c) proplanta

Es war außerdem das fünftsonnigste Jahr der Messgeschichte (Sonnenstunden 10 Prozent über dem Mittel) und eines der zwanzig trockensten Jahre (Niederschlag 10 Prozent unter dem Mittel).

Das Ungewöhnliche am Wetterjahr 2015 waren nicht kurzfristige, spektakuläre Extremereignisse wie Hochwasser oder zahlreiche schwerer Gewitter.

Das Besondere an diesem Jahr war das sehr konstante warme, trockene und sonnige Wetter, sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): „Zehn Monate waren heuer wärmer als im vieljährigen Mittel. Zum Teil sogar deutlich. So lagen Juni, Juli, August, November und Dezember unter den zehn wärmsten Monaten der jeweiligen Messreihen.

Das Jahr 2015 liegt damit in Österreich auf dem zweiten Platz in der Liste der wärmsten Jahre seit 1768, mit Abweichung von +1,5 °C über dem vieljährigen Mittel. Wärmstes Jahr bleibt 2014 mit +1,7 °C über dem Mittel und auf dem dritten Platz liegt 1994 mit +1,2 °C."

Viele Tage mit extremer Hitze



Ungewöhnlich waren in diesem Jahr auch die vielen extrem heißen Tage. Bei der Zahl der Tage mit mindestens 35 °C gab es neue Rekorde in Wien-Innere Stadt (18 Tage mit mindestens 35 °C), Eisenstadt (11 Tage), Bregenz (3 Tage), Linz (9 Tage), und St. Pölten (14 Tage).

Die 40 °C-Marke wurde heuer im Unterschied zu 2013 aber nicht erreicht. Der Höchstwert 2015 wurde mit 38,3 °C am 19. Juli in Krems (N) und Langenlebarn (N) erreicht.

Wärmstes Jahr auf den Bergen



Betrachtet man nur die hochalpinen Regionen Österreichs, zeichnet sich das wärmste Jahr der Messgeschichte ab, gemeinsam mit den Jahren 2011 und 2014. Im Sommer gab es auf den Bergen außerdem ungewöhnlich wenige Tage mit Frost. Am Sonnblick-Observatorium der ZAMG, in 3.109 Meter Seehöhe, wurden im Sommer 2015 nur 27 Frosttage registriert. Das ist der zweitniedrigste Wert nach dem Sommer 2003 (18 Frosttage) und 16 Tage weniger als im vieljährigen Mittel.

Ein sehr sonniges Jahr



Auch in der seit 1925 bestehenden Messreihe der Sonnenscheindauer wird das Jahr 2015 einen Spitzenplatz einnehmen, sagt ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik: „Österreichweit gesehen gab es heuer 10 Prozent mehr Sonnenstunden als im vieljährigen Mittel. Damit zeichnet sich ein Platz unter den fünf sonnigsten Jahren der Messgeschichte ab. Die sonnigsten Jahre sind weiterhin 2003, 2011, 2007 und 2012."

Extrem trocken stellenweise im Norden und Osten



Die Trockenheit über weite Strecken des Jahres führte in der Landwirtschaft immer wieder zu Problemen. Österreichweit gesehen brachte 2015 um 10 Prozent weniger Niederschlag als im vieljährigen Mittel und ist damit eines der zwanzig trockensten Jahre seit Beginn der flächendeckenden Niederschlagsaufzeichnung im Jahr 1858.

„Die trockensten Regionen waren dabei Teile von Oberösterreich und Niederösterreich mit 22 bis 40 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel", sagt Klimatologe Orlik, „in etwa durchschnittliche Niederschlagsmengen gab es nur im Rheintal, im Tiroler Oberland, entlang der Hohen Tauern, in Teilen Kärntens und im oberen Murtal."

Größtenteils wenige Blitze



Im Großteil Österreichs gab es heuer relativ wenige Gewitter. Das österreichische Blitzortungssystem ALDIS registrierte im Jahr 2015 rund 135.000 Wolke-Erde Blitze. Damit liegt dieses Jahr knapp unter dem vieljährigen Durchschnitt von 170.00 Blitzen pro Jahr.

„Interessant ist, dass sich 2015 die Blitztätigkeit stark in den Westen Österreichs verlagerte", sagt Gerhard Diendorfer von ALDIS, „in Vorarlberg und Tirol blitzte es deutlich öfter als in einem durchschnittlichen Jahr. Während in den drei östlichsten Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland die bisher geringste Zahl an Blitzen in einem Jahr seit Bestehen des ALDIS Ortungssystems registriert wurde."

Das Jahr 2015 im Detail Temperatur



 Das Jahr 2015 ist mit einer Abweichung vom Mittel 1981-2010 von +1,5 °C nach 2014 das zweitwärmste in Österreich seit dem Beginn der instrumentellen Aufzeichnung im Jahr 1768. Damit ist das Jahr 2015 österreichweit um 0,2 °C kälter als das Jahr 2014 und um 0,3 °C wärmer als das nun drittwärmste Jahr 1994.

Die größten Beiträge zu diesem extrem warmen Jahr lieferten die Monate Jänner (Abw. +2,8 °C), Juni (+1,4 °C), Juli (+3,1 °C), August (+2,7 °C), November (+2,6 °C) und Dezember (voraussichtlich +3,5 bis 3,8 °C). Die ungewöhnlichsten Monate waren in diesem Jahr Juli, August, November und Dezember. Der Juli war der wärmste, der August der viertwärmste, der November der siebentwärmste der Messgeschichte. Der Dezember 2015 wird aller Voraussicht nach einer der drei wärmsten der Messgeschichte werden.

Von Oberösterreich bis ins Nordburgenland ist es sehr wahrscheinlich, dass es hier das wärmste Jahr seit Messbeginn wird. Im Kremsmünster, der längsten Temperaturmessreihe Österreichs, war es mit einem Jahresmittel von 10,9 °C sogar um 0,3 °C wärmer als im Jahr 2014. Neue Rekorde der Jahresmitteltemperatur traten unter anderem auch in Wien, Retz, St. Pölten und in Ried im Innkreis auf.

In hochalpinen Lagen zeichnet sich mit einer Abweichung zum klimatologischen Mittel von +1,3 °C, gemeinsam mit den Jahren 2011 und 2014 das wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn ab. Hier waren es vor allem die Monate Juni (Abw. +1,4 °C), Juli (+3,2 °C), November (+3,8 °C) und Dezember (voraussichtlich +4,5 bis +5,1 °C) die ungewöhnlich warm verlaufen sind.

Niederschlag



Es war nicht nur besonders warm in diesem Jahr sondern über weite Strecken auch niederschlagsarm. Österreichweit fiel im Vergleich zum vieljährigen Mittel um 10 Prozent weniger Niederschlag. Damit ist das Jahr 2015 das niederschlagsärmste seit dem Jahr 2011 und eines der zwanzig trockensten seit Beginn der flächendeckenden Niederschlagsaufzeichnung im Jahr 1858.

Um 22 bis 40 Prozent weniger Niederschlag summierte sich in weiten Teilen Oberösterreichs, im westlichen Niederösterreich und im Industrieviertel. In weiten Teilen des Landes fiel um 7 bis 22 Prozent weniger Niederschlag. Ausgeglichene Niederschlagsmengen kamen im Rheintal, Tiroler Oberland, entlang der Hohen Tauern, in Teilen Kärntens und im oberen Murtal zusammen. Besonders die drei Sommermonate Juni bis August, die im Allgemeinen die niederschlagsreichsten Monate des Jahres sind, verliefen mit Defiziten von 18 bis 34 Prozent, sehr trocken.

Sonne



Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1925 war 2015 das fünftsonnigste Jahr in Österreich. Im Flächenmittel schien die Sonne bundesweit um 10 Prozent länger als im vieljährige Mittel. Sonniger waren nur die Jahre 2003 (+19 %), 2011 (+17 %), 2007 (+13 %) und 2012 (+11 %). Hauptbeitragend waren die Monate April (+31 %), Juni (+14 %), Juli (+23 %), August (+27 %) und November (+70 %). Der November 2015 war in Österreich noch dazu der sonnigste November der Messgeschichte.

Jahr 2015: Übersicht Bundesländer



Vorarlberg



Niederschlagsabweichung -11 %
Temperaturabweichung +1.2 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 11 %
Temperaturhöchstwert Bludenz (565 m) 36.4 °C am 7.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Lech (1.442 m) -18.8 °C am 4.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Schoppernau (839 m) -16.8 °C am 4.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Bregenz (424 m) 10.8 °C, Abw. +1.2 °C
höchste Sonnenscheindauer Sulzberg (1.018 m) 2.085 h, Abw. k.A.

Tirol



Niederschlagsabweichung -5 %
Temperaturabweichung +1.3 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 7 %
Temperaturhöchstwert Innsbruck-Uni. (578 m) 38.2 °C am 7.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Brunnenkogel (3.437 m) -25.4 °C am 9.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Ehrwald (982 m) -18.1 °C am 4.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Innsbruck-Uni. (578 m) 10.8 °C, Abw. +1.4 °C
höchste Sonnenscheindauer Brunnenkogel (3.437 m) 2.269 h, Abw. k.A.

Salzburg



Niederschlagsabweichung -13 %
Temperaturabweichung +1.3 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 7 %
Temperaturhöchstwert Salzburg/Freis. (418 m) 36.9 °C am 7.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Sonnblick (3.109 m) -24.1 °C am 9.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Rauris (934 m) -15.7 °C am 4.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Salzburg/Freis. (418 m) 10.7 °C, Abw. +1.3 °C
höchste Sonnenscheindauer Schmittenhöhe (1.956 m) 2.045 h, Abw. +9 %

Oberösterreich



Niederschlagsabweichung -22 %
Temperaturabweichung +1.7 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 8 %
Temperaturhöchstwert Schärding (307 m) 38.2 °C am 22.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Feuerkogel (1.618 m) -13.2 °C am 7.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Waizenkirchen (400 m) -13.7 °C am 4.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Linz (262 m) 11.6 °C, Abw. +1.7 °C
höchste Sonnenscheindauer Aspach (427 m) 1.969 h, Abw. +13 %

Niederösterreich



Niederschlagsabweichung -22 %
Temperaturabweichung +1.7 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 9 %
Temperaturhöchstwert Krems (203 m) 38.3 °C am 19.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Rax/Seilbahn (1.547 m) -13.2 °C am 7.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Lunz/See (612 m) -13.2 °C am 4.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Gumpoldskirchen (219 m) 12.1 °C, Abw. +1.8 °C
öchste Sonnenscheindauer Zwerndorf (144 m) 2.167 h, Abw. k.A.

Wien



Niederschlagsabweichung -19 %
Temperaturabweichung +1.5 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 7 %
Temperaturhöchstwert Wien-Innere Stadt (177 m) 38.1 °C am 19.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Wien-Jubiläumsw. (450 m) -6.8 °C am 7.1.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Wien-Mariabrunn (225 m) -8.0 °C am 25.11.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Wien-Innere Stadt (177 m) 13.2 °C, Abw. +1.5 °C
höchste Sonnenscheindauer Wien-Innere Stadt (177 m) 2.092 h, Abw. +6 %

Burgenland



Niederschlagsabweichung -17 %
Temperaturabweichung +1.6 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 9 %
Temperaturhöchstwert Andau (118 m) 37.8 °C am 12.8.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Kleinzicken (265 m) -12.5 °C am 1.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Neusiedl/See (148 m) 12.2 °C, Abw. +1.5 °C
höchste Sonnenscheindauer Andau (118 m) 2.266 h, Abw. k.A.

Steiermark



Niederschlagsabweichung -15 %
Temperaturabweichung +1.5 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 9 %
Temperaturhöchstwert Leoben (544 m) 36.5 °C am 7.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Schöckl (1.443 m) -11.9 °C am 9.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m B. Mitterndorf (814 m) -17.3 °C am 4.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Graz Uni. (367 m) 11.4 °C, Abw. +1.6 °C
höchste Sonnenscheindauer Wagna/Leibn. (268 m) 2.190 h, Abw. k.A.

Kärnten



Niederschlagsabweichung -11 %
Temperaturabweichung +1.4 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer 10 %
Temperaturhöchstwert Villach (493 m) 36.4 °C am 7.7.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin) Villacher Alpe (2.117 m) -16.3 °C am 9.2.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m Weitensfeld (704 m) -16.1 °C am 3.2.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur Villach (493 m) 10.2 °C, Abw. +1.4 °C
höchste Sonnenscheindauer Kanzelhöhe (1.520 m) 2.400 h, Abw. +25 %

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