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09.08.2022 | 15:50 | Voll bis unters Dach 

Opfer des Haustier-Booms: Corona-Tiere bevölkern Tierheime

Nürnberg - Als sich die Tür zu den Zwingern öffnet, ertönt ohrenbetäubendes Gebell. Etliche Hunde laufen hinter den Gittern aufgeregt auf und ab. Romeo verschwindet dagegen sofort durch eine Klappe ins Innere des Hundetrakts.

Corona-Hund?
Ein tapsiger Welpe ist einfach niedlich - und war eine Bereicherung in der einsamen Pandemie-Zeit. Doch jetzt ist der Alltag zurück und der Hund groß. Die Folgen bekommen die Tierheime zu spüren. (c) proplanta

«Er ist sehr ängstlich», sagt Tanja Schnabel, die das Nürnberger Tierheim leitet. Was der dreijährige Mischling erlebt hat, kann sie nur raten. Der Hund ist ein Fundtier: Er saß drei Stunden in einem Wohngebiet angebunden herum, bis ihn jemand ins Tierheim brachte. Und Romeo ist kein Einzelfall.

Um die 60 Hunde, etwa 120 Katzen und noch mehr Kleintiere beherbergt das Nürnberger Tierheim zurzeit. «Wir sind voll bis unters Dach», sagt Schnabel. Deshalb kann das Tierheim inzwischen keine weiteren Tiere mehr aufnehmen. Auch in anderen Tierheimen in Deutschland sieht es nach Angaben des Deutschen Tierschutzbunds ähnlich aus. «Die vielen Tiere in Betreuung bringen das Personal an seine Grenzen», sagt Präsident Thomas Schröder. Vor allem, weil viele der Hunde schwierig im Umgang seien und viel Betreuung bräuchten.

Mit Romeo wird deshalb später eine Pflegerin spazieren gehen. Denn den Freiwilligen, die sonst die Hunde in Nürnberg ausführen, kann man so ein Tier nicht anvertrauen. «Die Vermutung liegt nahe, dass das die Nachwirkungen von Corona sind», sagt Schnabel.

Das denkt auch Beate Kaminski vom Berliner Tierheim, in dem im vergangenen Jahr auffällig viele junge Hunde größerer und anspruchsvollerer Rassen abgegeben worden seien. «Da hatten sich die Leute vermutlich unbedarft im Zuge des Corona-Haustierbooms kleine Welpen ins Haus geholt, aber nicht die notwendige Erziehungsarbeit geleistet. Spätestens mit dem Beginn der Pubertät waren sie dann völlig überfordert mit dem Junghund», meint sie. Das Tierheim hat inzwischen einen Aufnahmestopp verhängt. Auf der Warteliste stehen allein mehr als 80 Hunde, die die Besitzerinnen und Besitzer gerne abgeben möchten.

Auch im Saarbrücker Tierheim sitzen zurzeit nicht nur sehr viele Hunde, sondern auch besonders viele junge. Sonst würden eher ältere Tiere abgegeben, sagt Frederick Guldner. Viele der Hunde verhielten sich auffällig. «Sie wissen nicht, wie sie kommunizieren sollen. Sie reagieren aggressiv und bellen bei Unbekannten.» Andere hätten Erkrankungen an den Muskeln und am Skelett. «Das macht es schwierig, die Tiere zu vermitteln», sagt Guldner. Niemand nimmt einen Schäferhund, der mit einem Jahr schon Hüftprobleme hat.»

Dass die Corona-Zeit Spuren bei jungen Hunden hinterlassen hat, stellt auch Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) fest. «Die Hunde haben schon ein Defizit. Sie sind in eine Zeit reingewachsen, wo man sich in einem Kokon bewegt hat», sagt er. Sie seien daran gewöhnt worden, rund um die Uhr betreut zu werden und hatten wenig Kontakt zu anderen Hunden und Menschen. Als die Besitzerinnen und Besitzer nach Monaten im Homeoffice wieder zur Arbeit mussten, seien die Probleme aufgetaucht, weil sie den Hund nicht mitnehmen konnten, dieser aber nicht allein sein oder von anderen betreut werden wollte.

Ein weiteres Problem ist der illegale Welpenhandel, den die große Nachfrage nach Hunden in der Corona-Krise aufblühen lassen hat. Allein im Nürnberger Tierheim landeten vergangenes Jahr 170 Hundebabys, die die Polizei aus illegalen Transporten befreit hatte. Viele der Welpen seien viel zu jung, um von ihrer Mutter und den Geschwistern getrennt zu werden, sagt Kopernik. «Im Welpenalter fällt nicht auf, dass ihnen ein entscheidender Schritt in der Sozialisierung fehlt. Das tritt mit dem Erreichen der Pubertät aber zutage. Die Hunde werden aggressiv, es kommt zu Beißvorfällen in der Familie.»

Auch die Erkrankungen bei jungen Hunden, von denen das Saarbrücker Tierheim berichtet, können Kopernik zufolge auf unseriöse Züchter zurückgehen, die keine vernünftigen Gesundheitsprüfungen bei den Elterntieren machten. «Da geht es einfach um Masse und darum, schnell Geld zu verdienen.»

Die Tierheime finden für solche Hunde oft nur schwer ein neues Zuhause - vor allem jetzt, wo der Corona-Haustierboom abgeebbt ist. «Im Moment gibt es kaum Anfragen für unsere Tiere. Vielleicht liegt es daran, dass die Leute jetzt keine Tiere mehr haben möchten», heißt es vom Tierheim im niedersächsischen Salzgitter.
dpa
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