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01.08.2011 | 09:09 | Streuobst in Thüringen 

Reinholz: Streuobstwiesen wichtig für Naherholung, kulturelle Identität und biologische Vielfalt

Erfurt - Thüringen verfügt aktuell über mehr als 11.600 Hektar Streuobstwiesen. "Wir fördern die Erhaltung von Streuobstwiesen, weil sie einen wesentlichen Beitrag zur Naherholung, kulturellen Identität und zur biologischen Vielfalt leisten"“, sagte Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz.

Streuobstwiese
Als geschützte Biotope werden sie bei der aktuell laufenden Biotopkartierung Thüringens erfasst. Sie sind geprägt durch hochstämmige Obstbäume. In Thüringen sind dies vor allem Äpfel, Pflaumen und Zwetschgen, Süßkirschen und Birnen.

Streuobstwiesen kommen in allen Naturräumen Thüringens vor, werden mit zunehmender Höhenlage in den Mittelgebirgen Thüringens aber seltener und fehlen in den Kammlagen. In den Niederungen der reliefarmen, oftmals ausgeräumten Bereiche des Ackerhügellandes sind sie zwar selten, dort aber um so wichtiger als ästhetische Bereicherung der Landschaft mit einem hohen Erlebniswert. In einigen Orten, wie z. B. in Tiefengruben im Weimarer Land, finden alljährliche Obstmärkte oder Obstfeste statt, bei denen das Obst oder daraus erzeugte Produkte wie Obstweine, Gelees oder Obstkuchen angeboten werden. 

Die Hauptvorkommen der Streuobstwiesen liegt in den mittleren Lagen reich strukturierter Hügelländer, so im Grabfeld, im Umfeld des Kyffhäuser oder in der Rhön. Streuobstwiesen befinden sich meist in unmittelbarer Ortsrandlage. Sie stellen deshalb insbesondere in überwiegend ackerbaulich genutzten Landschaften meist die ortsnächsten Räume dar, die zur Erholung besonders geeignet sind.

Streuobstwiesen sind ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Blüten und Früchte ziehen viele Insekten an und die oft höhlenreichen Bäume bieten Nistmöglichkeiten für viele Vogelarten. Auch der Gartenrotschwanz, der Vogel des Jahres 2011, kommt schwerpunktmäßig in hochstämmigen Obstgärten vor. Solche Bestände sind damit wichtige Elemente zur Erhaltung unserer biologischen Vielfalt. Je nach Größe und Zustand können die Streuobstwiesen von lokaler oder sogar landesweiter Bedeutung sein.

Da die Nutzung von Streuobstwiesen unter den derzeitigen agronomischen Rahmenbedingungen wenig attraktiv ist, sind sie vielerorts von der Nutzungsaufgabe bedroht. In der Roten Liste Thüringens werden sie daher in der Kategorie "stark gefährdet" geführt.

Um diesen Trend zu begegnen, bietet der Freistaat Thüringen zur Erhaltung und Pflege der Streuobstwiesen Vertragsnaturschutzprogramme an: Die entsprechende KULAP-Maßnahme richtet sich dabei an Landwirte, während mit NALAP Verbände, Vereine, Kommunen und Privatpersonen gefördert werden können. Im Jahr 2010 wurden über diese beiden Programme knapp 1 Mio. Euro an Fördermitteln für die Pflege von 2.584 Hektar Streuobstwiesen ausgereicht. Damit leisten die Teilnehmer am Vertragsnaturschutz einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand dieses einzigartigen Lebensraumes. Weiterhin werden insbesondere über das Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL) auch Projekte zur Erhaltung von Streuobstwiesen gefördert, so im Thüringer Grabfeld oder im Weimarer Land. Mit Hilfe dieser Projekte werden auch Vermarktungswege für Streuobst aufgebaut und so das Interesse an der Nutzung der Streuobstwiesen wiederbelebt. Andere Projekte widmen sich schwerpunktmäßig der Erhaltung alter, regionaltypischer Obstsorten. (PD)
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