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31.10.2020 | 10:59 | Wetterrückblick Oktober 2020 

Wetter in der Schweiz im Oktober 2020: Sehr kühl und nass

Zürich - Der Oktober zeigte sich in der Schweiz verbreitet ausgesprochen kühl und sehr niederschlagsreich. Mehrmals fiel Neuschnee bis in mittlere Lagen.

Oktoberwetter in der Schweiz
Kühler und nasser Oktober in der Schweiz. (c) proplanta

Die Sonnenscheindauer blieb in vielen Gebieten unter der Norm. Zum Monatsbeginn fielen auf der Alpensüdseite und in den angrenzenden Gebieten massive Starkniederschläge, lokal in Rekordmengen. Gegen Monatsende brachte ein kräftiger Wintereinbruch in mittleren Lagen der Ostalpen lokal mehr als einen halben Meter Neuschnee.

Kalt in den Bergen



Die Oktobertemperatur lag im landesweiten Mittel 1,3 °C unter der Norm 1981−2010. In den tieferen Lagen nördlich und südlich der Alpen blieb der Monat 0,3 bis 0,7 °C unter der Norm, während er am Föhnstandort Altdorf die Norm erreichte.

Kalt war der Oktober in Berglagen. Vom Säntis über die Grimsel bis zum Grossen Sankt Bernhard bewegte sich die Monatstemperatur 2 bis 2,5 °C unter der Norm 1981−2010. Auch mittlere Lagen wie Arosa im Bündnerland, Grächen und Montana im Wallis oder Robièi im Tessin verzeichneten rund 2 °C unter der Norm 1981−2010.

Der Oktober 2020 ist seit knapp eineinhalb Jahren der erste Monat mit landesweit unterdurchschnittlicher Temperatur. Letztmals lag der Mai 2019 unter der Norm 1981−2010.

Anhaltender Tiefdruck



Der Oktober war in der Schweiz vom 1. bis zum 16. vorwiegend tiefdruckbestimmt. Täglich fiel Niederschlag, oft verbreitet und zum Monatsbeginn regional ungewöhnlich kräftig. Mehrmals gab es Neuschnee bis in mittlere Lagen. Einzig am 8. und 9. Oktober brachte ein Ausläufer des Azorenhochs in vielen Gebieten der Schweiz ziemlich sonnige Verhältnisse. Auf der Alpensüdseite war es Dank Nordföhn auch vom 10. bis am 13. Oktober mehrheitlich sonnig.

Extreme Niederschläge



Ein Sturmtief vor der Bretagne löste am 2. Oktober über dem Alpenraum eine kräftige Südwestströmung aus. Sie führte vom feuchte Mittelmeerluft zur Alpensüdseite. Beim Überqueren der Alpen ergossen sich daraus gebietsweise enorme Niederschlagsmengen.

Die kräftigsten Niederschläge fielen auf der Alpensüdseite sowie am westlichen und zentralen Alpenhauptkamm. Der zum Teil orkanartige Südwind trug die Niederschläge aber auch ins Berner Oberland und in die Zentralschweiz, wo ebenfalls beachtliche Mengen registriert wurden.

Auf der Alpensüdseite und in den angrenzenden Gebieten vom Wallis über das Gotthardgebiet bis nach Nordbünden erreichten die 1-Tagessummen verbreitet 100 bis 250 mm. Im westlichen Tessin gab es sogar um 400 mm. Den höchsten Wert meldete Camèdo mit 421 mm.

Rekordsummen



An zwei Messstationen mit mehr als 100-jährigen Messreihen gab es neue Rekorde bei den 1-Tagessummen. Mehrere Messstationen mit mehr als 100-jährigen Messreihen registrierten zudem rekordnahe 1-Tagessummen.

Seltenes Ereignis



Derart hohe Niederschlagssummen innerhalb eines Tages werden nur selten registriert. In den hauptsächlich betroffenen Gebieten sind die gefallenen Mengen über lange Zeit betrachtet nur alle 10 bis 30 Jahre, im Dreieck Simplon–Gotthard–Locarno sogar seltener als alle 50 Jahre zu erwarten.

Südsturm / Scirocco



Neben den gebietsweise enormen Niederschlägen entwickelte sich in der kräftigen Südwestströmung über den Alpen auch ein Südsturm. Als heftiger Scirocco fegte er vom 2. auf den 3. Oktober mit Böenspitzen zwischen 70 und 100 km/h über die Niederungen der Alpensüdseite.

Deutlich höhere Böenspitzen lieferte der Südsturm in Berglagen und in den Föhntälern der Alpennordseite mit verbreitet 120 bis 160 km/h. Am höchsten stiegen die Werte auf dem Gütsch (2286 m) mit 169 km/h und auf dem Matro (2171 m) mit 181 km/h. Hier war es die zweithöchste Böenspitze in der seit 1993 verfügbaren Messreihe. Die höchste Böenspitze in den Föhntälern der Alpennordseite verzeichnete Elm mit 159 km/h. Es war zugleich der höchste Wert in der seit 1997 verfügbaren Messreihe.

Auch wenn die Böenspitzen lokal orkanartig ausfielen, waren sie grossräumig betrachtet weit weniger aussergewöhnlich als die Niederschlagsmengen. In den meisten betroffenen Gebieten sind die gemessenen Werte alle 1 bis 3 Jahre, regional auch alle 3 bis 10 Jahre zu erwarten.

Südwestströmungen mit Föhn



Nach einer dreitägigen schwachen Hochdrucklage vom 17. bis am 19. Oktober mit nur teilweise sonnigem Wetter, lag die Schweiz vom 20. bis am 23. Oktober erneut in einer Südwestströmung. Über den Alpen blies der Föhn. Er brachte am 21. in den Föhntälern der Alpennordseite Tageshöchstwerte von 20 bis 24 °C.

Während der ersten beiden Föhntage fiel in der ganzen Schweiz kein Regen. Er setzte erst am 22. Oktober ein, am Nachmittag in der Westschweiz und am Abend auf der Alpensüdseite. In der Ostschweiz blieb es bis am Abend des 23. Oktobers vielerorts niederschlagsfrei.

Am 24. Oktober dehnte sich aus Südwesten ein Hochdruckkeil bis zu den Alpen aus. Schon tags darauf brachte jedoch die nächste Südwestströmung den Föhn zurück, diesmal klassisch mit Niederschlägen auf der Alpensüdseite.

Wintereinbruch



Am 26. Oktober wurde die Schweiz von einer aktiven Kaltfront aus Westen erfasst. Die Schneefallgrenze sank auf der Alpennordseite rasch auf 1500 bis 1000 m, mit Niederschlagsabkühlung in den Alpentälern auf 800 bis 500 m.

In den Ostalpen fielen vom 26. auf den 27. Oktober oberhalb von 1100 m gebietsweise 30 bis 60 cm Neuschnee. Chur auf 556 m meldete am Morgen des 27. Oktobers 3 cm Neuschnee. In den Zentralalpen erreichten die Schneehöhen 10 bis 20 cm, in den Westalpen blieben sie meist unter 10 cm. Im Süden lag die Schneefallgrenze längere Zeit höher als im Norden. Die Neuschneemengen waren deshalb geringer und erreichten auf 2000 m etwa 10 bis 30 cm.

Am 28. Oktober stieg die Schneefallgrenze mit dem Durchzug weiterer Störungszonen aus Westen in der ganzen Schweiz wieder auf 1800 bis 2200 m. Die Erwärmung setzte sich am 29. und 30. Oktober fort, und die Nullgradgrenze stieg im ganzen Land auf 3500 bis 3700 m. Schliesslich verabschiedete sich der kalte und nasse Oktober mit zwei sonnigen und überdurchschnittlich milden Tagen, vor allem in den Bergen.

Herbstliche Blattverfärbung auf allen Höhenstufen fast gleichzeitig



Ab Anfang Oktober verfärbten sich die Wälder sehr schnell, nachdem im September erst wenige farbige Blätter beobachtet werden konnten. Bei der Buche trafen ab dem 3. Oktober phänologischen Meldungen der Blattverfärbung aus allen Höhenstufen von 400 bis 1200 m ü. M. ein.

Ab dem 10. Oktober intensivierte sich die Blattverfärbung vor allem in Höhenlagen unterhalb von 800 m.  In den tieferen Lagen liegt dieser Zeitpunkt der Blattverfärbung der Buche ziemlich genau im Mittel der Vergleichsperiode 1981–2010. In den höheren Lagen fand die Blattverfärbung jedoch um einige Tage verspätet statt.

Dasselbe lässt sich auch für andere Laubbäume wie z.B. die Birken und Linden beobachten. Sehr deutlich war es für den Bergahorn, bei dem sich die Blätter auf allen Höhenstufen etwa gleichzeitig ab Anfang Oktober verfärbten. In tiefen Lagen liegt dieser Termin ungefähr im Mittel der Vergleichsperiode (seit Beobachtungsbeginn 1996).

In Lagen oberhalb von rund 900 m trat die Blattverfärbung rund 10 Tage später auf. Bei der Vogelbeere, die ihre Blattverfärbung immer schon im September beginnt, liess sich in diesem Jahr eine Verspätung auf allen Höhenstufen beobachten: in tieferen Lagen um 4 bis 6 Tage, in höheren Lagen um rund 10 Tage.

In den Bergen waren die gelb verfärbten Lärchen seit etwa Mitte Oktober zu bewundern, während sie im Flachland meist noch grün waren.

Normalerweise beginnt die Blattverfärbung in den Bergen und setzt sich dann in tiefen Lagen fort. Im aktuellen Herbst profitierten vor allem die höher gelegenen Wälder von den hohen Temperaturen im September, so dass sie länger als normal ihre grünen Blätter behielten. Mit den tieferen Temperaturen ab Ende September gab es bei den Bäumen im Flachland keine solche Verzögerung der Blattverfärbung.

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