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12.04.2013 | 05:20 | Wisent-Herde 

Wildrinder sollen wieder heimisch werden

   Bad Berleburg - Der «König der Wälder» ist zurück: Zum ersten Mal seit Jahrhunderten leben Wisente wieder frei in einem deutschen Wald.

Wisent-Auswilderung
(c) proplanta

Doch Bulle Egnar, Leitkuh Araneta und den Rest der achtköpfigen Herde lässt der Rummel um ihre Auswilderung ziemlich kalt. Sie grasen friedlich nahe Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen) und ziehen sich gelassen zurück, als die Kolonne mit Kameraleuten vorbeifährt. Am Donnerstag haben Ranger das erste Stück des vier Kilometer langen Gehegezauns entfernt - der Weg ins Rothaargebirge steht den mächtigen Wildrindern damit offen.

«Sie haben alles richtig gemacht und sind einfach weggegangen. Genau das haben wir ihnen in den letzten drei Jahren beigebracht», freut sich Wisent-Ranger Jochen Born. «Sie sollen sich verhalten wie andere Wildtiere auch - und sich einfach zurückziehen, wenn etwas Fremdes kommt», ergänzt er. Denn künftig könnte es in dem mehr als 3.000 Hektar großen Waldgebiet passieren, dass die Herde auf Waldarbeiter oder Wanderer trifft.

Gefährlich sei das nicht, betonen die Experten. Da Wisente einen überaus guten Geruchssinn hätten, würden sie Menschen früh bemerken und verschwinden. «Der Bulle steht nicht hinter einem Baum und wartet darauf, dass er einen Kurgast auf die Hörner nehmen kann», sagt Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der vor zehn Jahren das Artenschutz-Projekt angestoßen hat. Die friedliebenden Wisente dürfen nun durch seinen Wald streifen. Zur weiteren Beruhigung: Sie sind Pflanzenfresser.

Nach Jahrhunderten sind Egnar, Araneta und ihre Herde nun die ersten freilebenden Wisente in Deutschland. «Eigentlich haben wir nur einen Zaun durchgeschnitten. Aber das ist ein großer Moment für den Artenschutz und ein großer Moment für diese bedrohte Tierart», sagt Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann (parteilos).

«Das ist ein spannendes und mutiges Experiment», sagt auch Michael Brombacher von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Er lobt die Organisatoren für ihre langfristige Vorbereitung. «Jetzt kommen die großen Pflanzenfresser in unsere Wälder zurück. Dabei kann der Wisent sicherlich auch Botschafter für andere Wildtiere wie Luchs oder Wolf werden.»

Es könne allerdings noch einige Zeit dauern, bis die Tiere merkten, dass der Zaun weg ist, ergänzt Ranger Born. Dann würden sie sich langsam ihren neuen Lebensraum erschließen. Die Ranger gehen davon aus, dass sich die Herde auch weiter in der Nähe des Auswilderungsgeheges aufhalten wird. «Hier werden sie im Winter gefüttert, schon allein deshalb kommen sie wieder», sagt Born.

Anfangs hatte es viele Widerstände gegen die Wisent-Ansiedlung im Rothaargebirge gegeben. Im benachbarten Sauerland fürchteten viele, dass Touristen aus Angst vor den Wildrindern wegbleiben könnten. Doch das Gegenteil scheint der Fall. «Wir werden auch mit den Wisenten werben», sagt der Chef des Sauerland-Tourismus, Thomas Weber. Und auch die Angst, dass die Wisente große Schäden anrichten, sei unbegründet, sagt Uwe Riecken vom Bundesamt für Naturschutz. Bei einer maximalen Herdengröße von 25 Tieren seien im Vergleich zu anderen Wildtierarten kaum große Schäden zu erwarten.

Drei der Wisente sind mit einem GPS-Sender ausgestattet. Damit können Ranger und Wissenschaftler die Herde immer ausfindig machen. Nun könne man erfahren, wie sich die Wisente in eine Kulturlandschaft einfügten, sagt Riecken. «Denn der Wald wird ja auch weiterhin bewirtschaftet.»

Außerdem werden die Experten weiter die Herdenstruktur bestimmen. Denn wenn Egnars Töchter geschlechtsreif werden, muss der Bulle seinen Platz abtreten, um Inzucht zu vermeiden. «Der enge genetische Pool von zwölf Tieren ist immer noch die größte Bedrohung für diese Tierart», sagt Projektleiter Johannes Röhl vom Trägerverein «Wisent-Welt-Wittgenstein».

Bis zum Herbst wird das Projekt noch von Bund und Land NRW gefördert. Danach müssen auch einige Artgenossen der freigelassenen Herde zur Finanzierung des Artenschutz-Programms beitragen. Sie leben nur einige Kilometer entfernt in einem Schaugehege, das seit September schon fast 20.000 Menschen besucht haben. Ein Teil der Eintrittsgelder fließt in das Auswilderungsprojekt.
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