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16.07.2021 | 10:57 | Überschwemmungen  

Zahl der Toten bei Hochwasserkatastrophe auf über 100 gestiegen

Mainz/Köln - Bei der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands wird die Zahl der Opfer immer größer: Bis Freitagnachmittag wurden 103 Tote gezählt - in Rheinland-Pfalz kamen nach offiziellen Angaben mindestens 60 Menschen ums Leben, in Nordrhein-Westfalen waren es 43.

Hochwasserkatastrophe
Nach den Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der Toten weiter. Außerdem werden noch viele Menschen vermisst. In Erftstadt stürzen unterspülte Häuser ein. (c) proplanta

Und in beiden Bundesländern wurden noch viele Menschen vermisst. Ihre Zahl war unklar, in Rheinland-Pfalz waren es am Freitagmorgen noch knapp 100 Personen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer Tragödie. «Das macht mich fassungslos», sagte er am Freitag in Berlin. In Gedanken sei er bei den Hinterbliebenen der Opfer. «Ihr Schicksal trifft mich ins Herz.»

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte nach einer Sitzung des Landeskabinetts, es stehe zu befürchten, dass sich die Opferzahlen weiter erhöhen. Seine Amtskollegin aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), nannte die Lage «weiterhin extrem angespannt in unserem Bundesland». Sie fügte in Trier hinzu: «Das Leid nimmt auch gar kein Ende.»

In Erftstadt-Blessem südwestlich von Köln führten gewaltige Erdrutsche am Freitag zu einer dramatischen Lage. Es bildeten sich Krater im Erdreich. Nach jüngstem Stand stürzten drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg ein. «Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. «Aber das ist noch nicht die ganze Stadt.»

Der zuständige Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock, sagte im Fernsehsender ntv, 50 Menschen seien mit Booten gerettet worden. Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen.

Das Verteidigungsministerium löste wegen der Notlage einen militärischen Katastrophenalarm aus. Damit könnten Entscheidungen von den Verantwortlichen am Ort schneller getroffen werden, etwa über den Einsatz eines Bergepanzers oder Stromaggregats, erläuterte ein Ministeriumssprecher. Es seien bereits mehr als 850 Soldaten im Einsatz, Tendenz steigend. In NRW waren 120 Bundeswehrfahrzeuge im Einsatz, darunter Räumpanzer.

In den Überschwemmungsgebieten gingen die Bergungs- und Aufräumarbeiten am Freitag weiter. Zugleich deutete sich bei sinkenden Pegelständen an einigen Orten etwas Entspannung an.

Rheinland-Pfalz stellte als kurzfristige Unterstützung 50 Millionen Euro bereit, um etwa Schäden an Straßen, Brücken und anderen Bauwerken zu beheben. Ministerpräsidentin Dreyer sagte im ZDF, für den Aufbau der betroffenen Landstriche sei auch die Hilfe des Bundes nötig. Die Bundesregierung will nach Auskunft des Finanzministeriums nächste Woche über Aufbauhilfen für Bürger und Kommunen entscheiden.

Laschet kündigte ein mehrstufiges Hilfsprogramm für die Opfer der Unwetterkatastrophe in NRW an. «Wir werden große finanzielle Kraftanstrengungen brauchen», sagte der Ministerpräsident und Unions-Kanzlerkandidat nach der Sondersitzung des Kabinetts. Die bisher für Soforthilfen bei Starkregen-Ereignissen zur Verfügung stehenden Mittel würden «bei weitem nicht ausreichen».

Das Land werde den Menschen, die nach der Regenkatastrophe «ohne alles auf der Straße stehen», schnell helfen, sagte Laschet. Daneben seien Hilfen für Unternehmen und Kommunen nötig. Gespräche über eine Beteiligung des Bundes liefen bereits. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihn angerufen und Hilfe zugesagt, Finanzminister Olaf Scholz (SPD) ebenso. Das sei ein wichtiges Signal, sagte Laschet.

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerung und Katastrophenschutz (BBK) in Bonn 23 Städte und Landkreise von Überschwemmungen betroffen. In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe.

Allein im Örtchen Schuld an der Ahr mit 700 Einwohnern wurden mehrere Häuser von den Wassermassen mitgerissen und zahlreiche weitere Gebäude teils schwer beschädigt. Erhebliche Schäden gab es auch in weiteren Regionen der Eifel sowie im Landkreis Trier-Saarburg.

An den Flüssen und Seen in Baden-Württemberg erwarteten die Experten für Freitag steigende Wasserstände. In einigen Regionen wurden erneut Straßen gesperrt, im Allgäu stand ein Wohngebiet unter Wasser. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Starkregen und Gewittern etwa in Oberschwaben. Vor allem in kleineren Gewässern könne der Wasserstand schnell ansteigen.

Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz meldete in seinem Frühwarnsystem bis Samstagmorgen zwar für fast das ganze Bundesland eine geringe Hochwassergefährdung. In der Region rund um Altenahr sowie in Teilen der Eifel seien aber noch immer vereinzelte Überflutungen möglich.

In Nordrhein-Westfalen wird mit fallenden Wasserständen gerechnet, dies werde aber teils nur langsam geschehen. Die Pegelstände bewegten sich oft noch oberhalb der Warnschwellen, etwa an Erft, Ruhr, Rur, Sieg und Weser, so das Landesumweltamt.

Am Oberrhein wird das anhaltend starke Hochwasser die Schiffe nach Einschätzung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) in Freiburg noch mehrere Tage lang ausbremsen. «Nach derzeitiger Lage ist mit einer Freigabe für die Schifffahrt erst ab Anfang nächster Woche zu rechnen», teilte die Behörde am Freitag mit. Sie betreut die Wasserstraße zwischen Weil am Rhein an der Grenze zur Schweiz und dem Bereich zwischen Mainz und Ginsheim (Hessen).

Der Zugverkehr in NRW und Rheinland-Pfalz ist noch immer stark beeinträchtigt. Zahlreiche Strecken seien komplett gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar, teilte die Deutsche Bahn am Freitag mit. «Die Wassermassen haben Gleise, Weichen Signaltechnik, Bahnhöfe und Stellwerke in vielen Landesteilen von NRW und Rheinland-Pfalz stark beschädigt.»

Allein in Nordrhein-Westfalen seien Gleise auf einer Länge von rund 600 Kilometern betroffen. Im Fernverkehr ist unter anderem der Abschnitt Köln-Wuppertal-Hagen-Dortmund derzeit den Angaben zufolge nicht befahrbar.

Mit Hochwasser zu kämpfen haben auch Nachbarländer Deutschlands. In Belgien kamen durch das Unwetter 14 Menschen ums Leben, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Mehr als 20.000 Menschen hatten zeitweise keinen Strom.

In der Schweiz stiegen Flusspegel nach starken Regenfällen stark an. Im Kanton Schaffhausen überschwemmten laut Nachrichtenagentur Keystone-sda angeschwollene Bäche die Dörfer Schleitheim und Beggingen. Wassermassen flossen durch Straßen, in Keller, rissen Fahrzeuge mit und zerstörten kleinere Brücken.
dpa
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