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21.05.2013 | 14:52 | Buchsbaumzünsler-Bekämpfung 
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Buchsbaumzünsler in Deutschlands Gärten weiter auf dem Vormarsch

Stuttgart/Hohenheim - Der Buchsbaumzünsler hat sich in diesem Jahr auch in Deutschland weiter ausgebreitet. Seine gefräßigen Raupen verwandeln Buchsbäume in Gärten, Parks und auf Friedhöfen binnen kürzester Zeit in kahle Skelette, warnt das Agrar-Informationszentrum Proplanta.

Buchsbaumzünsler bekämpfen

Der Kleinschmetterling stammt ursprünglich aus Ostasien (China, Japan und Korea). In Deutschland trat er 2007 erstmals auf, zunächst in der Gegend um die Rheinhäfen Kehl und Weil am Rhein, wo er vermutlich über Handelswaren eingeschleppt wurde. Seitdem hat er sich als Neozoon über die Rheinebene bis in die Schweiz, Österreich, die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und weitere europäische Länder rasch ausgebreitet.


Biologie und Lebensweise

Der Buchsbaumzünsler (Diaphania perspectalis oder Cydalima perspectalis) ist ein hübscher weißer Falter mit langen Fühlern und meist mit braunem Rand an den Flügeln. Auch eine komplett braune Form mit weißen Punkten ist bekannt. Er kann eine Flügelspannweite von rund 40 bis 45 Millimetern erreichen. Sie sind in der Regel auf der Unterseite von Blättern zu finden, selten jedoch auf Buchsbäumen. Diese werden von den nur etwa acht Tage lebenden Weibchen erst zur Eiablage gezielt aufgesucht, wo sie ihre Gelege auf der Unterseite der äußeren Blätter platzieren.

Nach wenigen Tagen schlüpfen die Raupen und suchen das Innere des Buchsbaums auf. Sie sind gelb bis dunkelgrün mit schwarzer Kopfkapsel und weisen eine charakteristische Zeichnung an der Längsseite mit hellen, feinen Härchen auf. Die Raupen können bis fünf Zentimeter Länge erreichen und durchlaufen 6 - 7 Larvenstadien. Nach vier Wochen verpuppen sie sich für eine Woche, geschützt in dichten Gespinnsten. In Deutschland ist mit zwei, in wärmeren Regionen auch drei Generationen zu rechnen.

Die Raupen überwintern in Kokons, die durch Verkleben von Blättern entstanden sind, an oder in der Nähe von Buchsbäumen. Im Frühjahr, je nach Witterung Mitte März bis Mitte Mai, beginnen die Raupen wieder mit dem Fraß.


Schadbild

Eine Buchsbaumzünsler-Raupe vertilgt während ihrer Entwicklung etwa 45 Blätter und verschont auch die Rinde nicht. Im Extremfall können über 300 Raupen einen Buchsbaum befallen. Das Schadbild äußert sich zunächst in einer hellbeigen Verfärbung.

Die jungen Raupen verursachen Schabefraß, wobei nur die oberste Blattschicht aufgenommen wird. Im fortgeschrittenen Larvenstadium ernähren sie sich vom gesamten Blatt. Dann ist die Pflanze meist schon von Gespinsten übersät, und Kotkrümel werden auch für das Auge deutlich sichtbar.

Die Raupen können den Buchs z.T. so stark schädigen, dass dieser nach dem Befall abstirbt. Tückisch ist jedoch, dass die Schäden meist erst relativ spät bemerkt werden. Im Inneren der Pflanzen sind die Raupen durch die dichte Verzweigung des Buchsbaumes gut geschützt und fallen kaum auf. Erst wenn sie die Peripherie erreichen, sind die Schäden nicht mehr zu übersehen. Es kommt zum Kahlfraß.

2010 vernichteten die Raupen in Grenzach-Whylen sogar einen der letzten natürlichen Buchsbaum-Wälder in Deutschland. Aufgrund des gleichzeitigen Befalls durch einen Schadpilz wurden rund zwei Drittel des 150 Hektar großen Areals zerstört.

Das Problem, um dem monophagen Neubürger Einhalt zu gebieten, ist das vieler Neobiota: Es mangelt an natürlichen Gegenspielern. Bislang sind auch beim Buchsbaumzünsler keine Antagonisten bekannt. Die Raupe ist nämlich in der Lage, die giftigen pflanzlichen Abwehrstoffe (wasserlöslichen Alkaloide) zu ertragen bzw. selbst zum Fraßschutz einzulagern. Hierauf ist vermutlich die Beobachtung zurückzuführen, dass Vögel, die eine Raupe fressen, diese gleich wieder auswürgen. Auch Parasiten des Buchsbaumzünslers sind bislang unbekannt.


Tipps zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers

Ganz machtlos stehen Gärtner dem gefräßigen Schädling nicht gegenüber. Proplanta hat Tipps zusammengestellt, um das Schadinsekt in Schach zu halten:

- Die Frage, ob einige Buchsbaum-Sorten anfälliger sind als andere, ist noch nicht grundlegend geklärt. Untersuchungen geben jedoch Hinweise darauf, dass die Buchs-Sorte Rotundifolia von den Zünslern bevorzugt wird, was man bereits bei der Sortenwahl bei Neupflanzungen berücksichtigen kann.

- Elementar ist die frühzeitige und regelmäßige Kontrolle, um einen möglichen Befall sofort zu entdecken. Spätestens bis zur Verpuppung sollten man die Raupen gefunden haben, um die nächste Generation zu dezimieren. Täglich sollten die Buchspflanzen bereits im zeitigen Frühjahr auf Raupenpopulationen untersucht werden. Dabei sollte man vor allem die inneren Bereiche der dichten Pflanzen ins Visier nehmen.

- Bei schwachem Befall im Hobbygarten-Bereich können die Tiere abgesammelt werden, was zumindest den Befallsdruck reduziert. Dies erfolgt am besten vorsichtig mit einer Pinzette, da sie leicht auf Erschütterungen reagieren und sich schnell ins Innere der Buchs-Pflanze zurückziehen.

- Die Raupen gelten als recht störungsanfällig, weshalb sie durch Abklopfen mit einem Stock oft vom Baum herunterfallen bzw. sich an einem Spinn-Faden abseilen. Bei größeren Pflanzen kann man eventuell auch versuchen, sie vorsichtig mit einem Hochdruckreiniger abzuspritzen, ohne die Pflanzen zu beschädigen. Um das anschließende Aufsammeln zu erleichtern, sollte im Vorfeld eine Folie oder Decke unter den Buchsbaum ausgebreitet werden.

- Die Entsorgung der Raupen bzw. der geschädigten Pflanzen und Pflanzenteile wurde bisher in geschlossenen Säcken über den Hausmüll empfohlen, um ein weiteres Ausbreiten des Schädlings zu bremsen. Da jedoch mittlerweile der Buchsbaumzünsler fast flächendeckend verbreitet ist, brauchen für die Entsorgung jetzt keine besonderen Vorkehrungen mehr getroffen werden. Allerdings sollte man sich überlegen, ob die geschädigten Pflanzen wirklich gleich ausgegraben und entsorgt werden müssen. Es kann sich lohnen, ihnen die Chance eines Neuaustriebs zu geben.

- Bei starkem Befall und größeren Buchs-Beständen bleibt prinzipiell auch noch die Möglichkeit, Pflanzenschutzmittel einzusetzen. “In den letzten zwei Wochen liefen bei uns die Telefone heiß“, berichtet Tilo Lehneis vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) im Gespräch mit Proplanta. Doch spezifisch gegen den Buchsbaumzünsler ist derzeit kein biologisches oder chemisches Bekämpfungsmittel zugelassen.

Eingesetzt würden aber in der Praxis vor allem Bacillus thuringiensis-Präparate, deren Wirkung Lehneis als „recht gut“ einschätzt. Auch ein chemisches Mittel wird bisweilen verwendet. Das Problem besteht jedoch darin, dass von den Pflanzenschutzmitteln nur sehr junge Larven erfasst werden. Ab etwa 3 cm Größe erfolgt eine Notverpuppung, bevor die Tiere genügend Wirkstoff aufgenommen haben. Da jedoch der Befall meist erst spät erkannt wird und zudem mehrere Larvenstadien parallel auftreten können, ist eine biologische oder chemische Bekämpfung in der Praxis selten wirklich zufriedenstellend.

Will man dennoch einen Versuch wagen, weist Proplanta darauf hin, dass bei der Anwendung auch das innere Geäst der Pflanzen gut benetzt werden muss. Wegen der Gespinstbildung würden sonst zu wenig Tiere erfasst.

Was außerdem noch bleibt, ist die Hoffnung auf die Forschung, dass möglichst bald wirksame Gegenspieler wie Schlupfwespen oder ähnliches gefunden werden. Für eine Ausrottung des Buchsbaumzünslers in Europa ist es zu spät, doch seine Ausbreitung kann man verlangsamen - und ansonsten seinen früher so pflegeleichten Buchsbäumen in Zukunft einfach erheblich mehr Aufmerksamkeit schenken. (proplanta)

Dipel ES - Mittel zur Bekämpfung des Buchsbaumzünslers

BuchsbaumzünslerBild vergrößern
Nahaufnahme: Larve des Buchsbaumzünslers
Buchsbaumzünsler SchadsymptomeBild vergrößern
Meist erkennt man den Schädling erst, wenn es schon zu spät ist.
Buchsbaumzünsler SchadbildBild vergrößern
Bei extremem Befall können Pflanzen sogar absterben.
Buchsbaumzünsler BekämpfungBild vergrößern
Mühsam aber effektiv: das Absammeln der Larven per Hand
Kommentieren Kommentare lesen ( 1 )
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Kommentare 
Alex schrieb am 25.04.2014 19:35 Uhrzustimmen(111) widersprechen(137)
sehr guter Artikel ... Die Plage ist mittlerweile auch in Wiesbaden angekommen.
  Kommentierte Artikel

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