Donnerstag, 26.05.2022 | 23:02:15
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
21.01.2022 | 16:17 | Nierentransplantation 

Hirntoter Patient in den USA erhält Schweinenieren

Birmingham, Alabama - Rund zwei Wochen nach der Transplantation eines Schweineherzens auf einen herzkranken Patienten berichten US-Mediziner von der Übertragung von Schweinenieren auf einen Menschen.

Transplantation?
Erst vor Kurzem machte die Transplantation eines Schweineherzens auf einen schwerkranken Menschen Schlagzeilen. Nun berichten Mediziner von einer weiteren erfolgreichen Transplantation eines Tierorgans auf einen Menschen. Bis so ein Eingriff hilft, den Mangel an Spenderorganen zu bekämpfen, wird es noch einige Zeit dauern. (c) proplatna
Bei dem Eingriff ging es allerdings nicht darum, das Leben des Patienten zu retten, sondern um eine grundsätzliche Erprobung des Verfahrens - der Mann war zum Zeitpunkt der Transplantation bereits hirntot.

Für einen deutschen Experten zeigt die Studie, wie weit die Xenotransplantation, also die Übertragung von tierischen Organen auf den Menschen, mittlerweile gekommen ist. Bis zur tatsächlichen Anwendung müssten jedoch noch einige Fragen beantwortet werden.

Die Ärzte der University of Alabama at Birmingham (UAB) hatten die Nieren eines genetisch veränderten Schweins auf den 57-jährigen, hirntoten Mann übertragen, wie sie im «American Journal of Transplantation» berichten. Sie simulierten dazu so weit wie möglich jeden Schritt einer herkömmlichen Organspende zwischen zwei Menschen.

«Mit dieser Transplantation konnten wir zeigen, dass man eine Niere von einem gentechnisch veränderten Schwein in einen erwachsenen, hirntoten Menschen implantieren kann und dass sie ihre Integrität behält, also normal durchblutet wird», sagte die leitende Chirurgin Jayme Locke laut einer Mitteilung.

Tatsächlich begannen die Nieren, Urin zu produzieren, bis das Experiment nach 77 Stunden beendet wurde. Dabei beobachteten die Mediziner keine lebensbedrohliche, hyperakute Abstoßungsreaktion. So eine Reaktion kann innerhalb von Minuten nach einer Transplantation auftreten - bei Xenotransplantationen und auch bei Transplantationen von Mensch zu Mensch.

Um das Risiko einer solchen Abstoßungsreaktion zu mindern, hatten die Mediziner ein gentechnisch verändertes Schwein als Organspender genutzt. Zehn genetische Veränderungen machten seine Nieren demnach menschenähnlicher: Vier betrafen Schweinegene, die deaktiviert wurden.

Diese «Knock-outs» sollten vereinfacht gesagt nicht nur eine Abstoßungsreaktion verhindern, sondern auch ein zu großes Wachstum der Spendernieren. Sechs weitere Veränderungen betrafen menschliche Gene, die in das Tier hineingebracht wurden. Diese «Knock-Ins» sollten unter anderem dazu beitragen, Blutgerinnsel und Entzündungsreaktionen zu vermeiden.

Das Experiment war nicht die erste derartige Transplantation. Ende Oktober vergangenen Jahres berichteten US-amerikanische Zeitungen darüber, dass ein Team um Robert Montgomery vom N.Y.U. Langone Transplantations-Institut eine Schweineniere erfolgreich an den Blutkreislauf einer ebenfalls hirntoten Frau angeschlossen hatte, allerdings über eine Beinvene außerhalb des Körpers.

Im Gegensatz dazu simulierten die Chirurgen nun einen kompletten klinischen Transplantationseingriff: von der Prüfung der Organverträglichkeit bis zur Entfernung der Empfängernieren und deren Ersatz durch die Xenotransplantate.

Die einzigen Unterschiede waren die Quelle der Spenderorgane sowie eine spezielle Behandlung, die zur Aufrechterhaltung des Stoffwechselgleichgewichts beim verstorbenen Empfänger erforderlich war. Dass es sich um einen hirntoten Patienten handelte, begründet auch das enge Zeitfenster des Versuchs: Nach drei Tagen begann dessen Leber zu versagen, so dass das Experiment beendet wurde.

Für Konrad Fischer, Leiter des Forschungsbereichs Xenotransplantation an der Technischen Universität München (TUM), stellt der Zustand des Organempfängers eine wesentliche Schwäche dar: «Das Experiment hätte einen sehr großen Vorteil gebracht, wenn das Organ für einen längeren Zeitraum transplantiert worden wäre.» Dass der Patient beim Eingriff bereits fünf Tage hirntot war, habe sehr schlechte Ausgangsbedingungen geschaffen. «Umso beachtlicher ist es, dass der Versuch überhaupt über drei Tage funktionierte», so Fischer.

Wesentliche Fragen, die sich das UAB-Team stellte, sind nach Ansicht von Fischer bereits durch Primatenversuche der vergangenen Jahre beantwortet worden. So sei beispielsweise schon belegt gewesen, dass die Organe genetisch veränderter Tiere keine hyperakute Abstoßungsreaktion hervorrufen.

«Der wirklich große Pluspunkt ist hingegen, dass hier jemand den ersten Schritt gemacht hat», unterstreicht Fischer. «Wir haben jahrzehntelang umfangreiche vorklinische Versuche durchgeführt, nun zeigt diese Arbeit die Übertragbarkeit auf den Menschen und macht der Welt deutlich, wie weit wir in der Xenotransplantation schon gekommen sind.» Insofern stelle die Studie einen Teil der Vorarbeit dar, die nötig sei, um erste klinische Versuche an Menschen durchführen zu können.

Allerdings habe die linke Niere im Versuch nicht sehr gut funktioniert, so der TUM-Forscher: «Die Urinproduktion setzte erst nach eineinhalb Tagen und auch nur sehr gering ein.» Obwohl die rechte Niere wie gewünscht gearbeitet habe, sei der Kreatinin-Wert im Serum des Patienten fortlaufend angestiegen, was darauf schließen lasse, dass beide Nieren nicht voll funktionell gewesen seien.

Zudem fanden die Mediziner nach einem Tag mikroskopisch kleine Blutgerinnsel in den transplantierten Organen, deren Ursache und Bedeutung bislang unklar ist. Sowohl der Kreatinin-Wert als auch die Thrombosen könnten laut Fischer mit dem Hirntod des Patienten zusammenhängen. «Die Transplantation voll funktionsfähiger Organe in einen Körper, der bereits runterfährt, macht eine Abschätzung schwierig», fasst er zusammen.

Um abschätzen zu können, wann eine klinische Anwendung des Verfahrens möglich werden könnte, seien Studien mit nicht-hirntoten Patienten nötig. Verliefen diese erfolgreich, könnten Xenotransplantationen in den kommenden Jahren Realität werden.

Der potenzielle Bedarf wäre immens: Weltweit herrscht ein Mangel an Spenderorganen, mit Abstand am größten ist er bei Nieren. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) warteten im Jahr 2020 in Deutschland 7.338 Menschen auf eine Spenderniere. 1.909 Nierentransplantationen wurden vorgenommen.
dpa
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Patient mit Schweineherz tot - Ärzte sehen dennoch Erfolg

Schweineherz schlägt seit einem Monat in Männerbrust

  Kommentierte Artikel

Habeck warnt vor globaler Rezession

Affenpocken: Sind weitere Fälle in Deutschland zu erwarten?

EU: Teurer Supermarkt statt Kornkammer der Welt?

Energieminister Günther sieht Energiewende durch Verzicht auf russisches Gas nicht gefährdet

Scholz plant Zusammenarbeit mit Senegal und verspricht Ernährungshilfe für Afrika

Edeka-Chef hält Preiserhöhungen der Markenhersteller für überzogen

Besonders früh besonders heiß: Bereits 41 Grad in Spanien erreicht

Diskussion um Aus für Biokraftstoffe lässt Rapspreise fallen

Scholz macht Russland für drohende Ernährungskrise verantwortlich

Über 260 Salmonellen-Fälle in Europa durch Schokoladenprodukte

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt