Dienstag, 18.01.2022 | 20:02:08
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
20.11.2021 | 04:13 | Infektionsgeschehen 

Hospitalisierungsinzidenz als kritischer Wert geeignet?

Berlin - «Ganz Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch», sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Freitag in Berlin - und forderte schärfere Maßnahmen.

Hospitalisierungsinzidenz
Braucht ein Bundesland härtere Corona-Regeln? Das soll künftig anhand einer Kennzahl entschieden werden, bei dem es um die Belastung von Kliniken geht. Doch der Wert ist mit Vorsicht zu genießen. (c) william87 - fotolia.com
Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, legten Bund und Länder am Donnerstag unter anderem neue Alarmwerte für Beschränkungen fest, die auf der sogenannten Hospitalisierungsinzidenz auf Bundeslandebene beruhen. Aber ist dieser Wert der richtige im Kampf gegen Corona?

Was genau wurde beschlossen?

Bund und Länder vereinbarten einen neuen Krisenmechanismus. Beim Überschreiten bestimmter Belastungsschwellen der Kliniken in einem Bundesland sollen dort schärfere Corona-Maßnahmen greifen - nach bundesweit einheitlichen Regeln. Dafür soll es künftig drei Stufen geben. Stufe 1 bedeutet flächendeckende Zugangsregeln nur für Geimpfte und Genesene (2G) etwa zu Veranstaltungen, der Gastronomie, beim Friseur oder in Hotels - sofern das nicht schon gilt.

Bei Stufe 2 sollen auch für Geimpfte und Genesene zusätzlich Testnachweise oder andere Maßnahmen gelten (2G plus), etwa in Discos und Bars. Stufe 3 heißt, dass - nach einem Landtagsbeschluss - weitere rigide Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Veranstaltungsverbote kommen sollen.

Auf welche Zahl soll geschaut werden?

Orientierungsgröße ist die Hospitalisierungsinzidenz, die das RKI laufend für jedes Land ausweist. Erfasst werden die gemeldeten Krankenhausaufnahmen von Corona-Patienten pro 100.000 Einwohner in einem Sieben-Tage-Zeitraum - auf allen Stationen. Die Daten beziehen sich auf den Wohnort der Patienten.

Als wesentliche Lage-Messlatte gilt der Wert schon seit September, da die reinen Fallzahlen wegen der Impfungen als nicht mehr so aussagekräftig gelten. Nur war bisher offen, wann es kritisch wird: «ein zahnloser Tiger», wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) monierte. Bund und Länder legten nun fest, welche Schwellen die drei Reaktionsstufen auslösen - nämlich das Überschreiten der Hospitalisierungswerte von 3, 6 und 9.

Wie funktioniert das vor Ort?

Die genaue Umsetzung liegt jetzt bei den Landesregierungen. Sie können Detailregelungen treffen und laut Infektionsschutzgesetz etwa auch innerhalb des Landes regional differenzieren. Noch als Rahmen festgelegt wurde aber, dass Verschärfungen aufgehoben werden können, «sofern der Schwellenwert an fünf Tagen in Folge unterschritten wird».

Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) riet auch mit Blick auf gewissen Zeitverzug bei Klinikmeldungen im Zweifel zu einem Vorab-Puffer beim Gegensteuern: «Deswegen empfehle ich auch nicht, wenn man bei 2,89 ist, zu warten bis es 3,01 ist.»

Welche Tücken hat die Zahl?

Das größte Problem bei der Beurteilung der aktuell angegebenen Hospitalisierungsinzidenz ist der Meldeverzug. Der ist deutlich größer als etwa bei den täglich gemeldeten Neuinfektionen. Das heißt: Kommt ein Corona-Patient neu in eine Klinik, kann es dauern, bis das zuständige Gesundheitsamt und nachfolgend das RKI davon erfahren. Dieser Tatsache ist sich das RKI durchaus bewusst: Die Behörde betrachtet den aktuellen Hospitalisierungswert deshalb 14 Tage lang unter Vorbehalt.

Die Hospitalisierungsrate sei weder eine aktuelle Zahl, noch spiegele der Wert die tatsächliche Belastung der Krankenhäuser wider, kritisierte Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz mit Blick auf die Einführung der neuen Grenzwerte.

Auch eine Expertengruppe vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung urteilte Ende Oktober in einem Positionspapier, dass sich die Hospitalisierungsrate nicht als Entscheidungsgrundlage für ein angemessenes Pandemie-Management eigne. Ihren Berechnungen zufolge habe die Abweichung zwischen der ausgewiesenen und der tatsächlichen Hospitalisierungsinzidenz - mit Nachmeldungen - in den vergangenen Monaten bei rund 48 Prozent gelegen.

Als problematisch erachten Experten auch die Tatsache, dass das Geschehen in den den einzelnen Bundesländern aufgrund der Unterschiede beim Melden kaum miteinander vergleichbar ist.

Theoretisch ist es möglich, dass bei einer eigentlich gleichen Rate an Krankenhauseinweisungen die offizielle Inzidenz in einem Bundesland noch im grünen Bereich liegt, während sie in einem anderen bereits deutlich darüber liegt - nur weil ein Land langsamer meldet als ein anderes.

Wie kommt es zu dem Meldeverzug?

Hauptursache ist nach Ansicht der Deutsche Krankenhausgesellschaft ein Defizit in der Erfassung der Daten. «Bis heute gibt es kein digitales Meldeverfahren, in dem die Krankenhäuser täglich über eine Software an die Gesundheitsämter melden», sagt Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß.

«Das passiert auf Papier, per Fax, und ist der Grund für die teils hohen Unterschiede. Die Realität wird hier nicht immer abgebildet.» Die Defizite müssten dringend beseitigt werden, um ein einheitliches Meldeverfahren und vergleichbare Hospitalisierungsraten zu bekommen.

Was bedeutet das für die Beurteilung des Infektionsgeschehens?

Als alleinige Grundlage für die Einführung von strengeren Maßnahmen - also etwa 2G Plus ab einem Wert von 6 - ist die Hospitalisierungsinzidenz vielen Experten zufolge nicht ausreichend.

Die Inzidenz der Neuinfektionen müsse ebenso wie die aktuelle Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten und Patientinnen weiterhin als Informationskriterium genutzt werden, um vorausschauend zu planen, sagt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen.

Patientenschützer Brysch fordert ein «Covid-19-Radar» für die Kliniken, der tagesaktuelle Parameter in den Blick nehme. Dazu gehörten Corona-Infizierte, Covid-19-Erkrankte, Corona-Verstorbene und die Auslastung aller Stationen.

RKI-Präsident Lothar Wieler betonte, dass die Inzidenzen und die Auslastung der Intensivstation weiterhin entscheidende Kriterien bei der Beurteilung des Infektionsgeschehens blieben. «Es gibt drei wichtige Faktoren: Die Inzidenzen reflektieren die Infektionsdynamik, das ist der früheste.

Das zweite ist die Hospitalisierung, die reflektiert die Schwere des Krankheitsgeschehens. Das dritte dann ist die Rate auf der ITS (Intensivstation) - die ist ein Indikator für die Belastung des Gesundheitssystems und natürlich haben die Leute das alles im Blick, ganz sicher.»

dpa
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Flucht aus angestammten Berufen: Ein globaler Corona-Trend?

Zugang zu Wirtschaftshilfen für Schweinehalter anpassen

Energie- und Wasserwirtschaft fordert Zusagen für Fall von Engpässen

Wegen Corona fällt die Treibjagd häufig aus

Lauterbach setzt auf Verlangsamen der Omikron-Welle

  Kommentierte Artikel

Ministerin Lemke stimmt Bauern auf Kurswechsel in deutscher Agrarpolitik ein

Tempolimit: Für Wissing ein ganz kleines Thema?

Zugang zu Wirtschaftshilfen für Schweinehalter anpassen

Trinkmilchpreise steigen kaum

Landvolk kritisiert Bürokratie bei Schlachtung im Herkunftsbetrieb

Farbstoff Titandioxid künftig im Essen verboten

Bauern sollen weniger Gift auf Felder spritzen

Sind die EU-Pläne für grünes Atom-Label überhaupt haltbar?

Humus als CO2-Speicher erhalten!

Demonstration zur Agrarpolitik: Protest fällt Corona-bedingt kleiner aus

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt