Freitag, 21.01.2022 | 02:26:41
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
24.12.2019 | 04:20 | Lebensmittelverschwendung 

Nur kleinen Teil ungenutzter Lebensmittel erreicht die Tafeln

München - Nur ein Bruchteil vermeintlich verschwendeter Lebensmittel in Bayern wird an die Tafeln gespendet.

Abgelaufene Lebensmittel
1,31 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr gehen in Bayern verloren - das entspricht einer Menge von 73.000 voll beladenen Lastwagen. Doch nur ein kleiner Teil davon findet den Weg zu Bedürftigen. Es soll aber gar nicht so viel mehr werden. (c) proplanta
Jährlich würden rund 33.000 Tonnen Lebensmittelspenden von den Tafeln entgegengenommen, heißt es in einer Antwort des Sozialministeriums in München auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion. Dies entspreche einem Anteil von 2,4 Prozent an rund 1,3 Millionen Tonnen Lebensmittelverlusten in Bayern, die vermieden werden könnten.

Trotzdem wollen weder die Regierung noch die Tafeln eine gesetzliche Pflicht zur Weitergabe von Lebensmitteln an gemeinnützige Organisationen, wie die Landtags-SPD sie wiederum fordert.

Das sogenannte Vermeidungspotenzial für Lebensmittelverluste in Bayern entspricht laut dem Kompetenzzentrum Ernährung 73.000 voll beladenen Lastwagen. Die Summe setzt sich unter anderem aus Verlusten in der Landwirtschaft von rund 290.000 Tonnen etwa durch Schädlingsbefall und verfrühte Keimung, rund 222.000 Tonnen bei der Lebensmittelverarbeitung etwa infolge von Produktionsfehlern sowie 99.000 Tonnen im Lebensmitteleinzelhandel und Großhandel zusammen.

Zum Handel heißt es in der Studie des Zentrums: «Gut ein Drittel der als Verlust erfassten Mengen wird in Form von Spenden weitergegeben.» Hinzu kämen Privathaushalte mit 544.000 Tonnen Lebensmittelabfällen. Das heißt: Pro Kopf könnten 43 Kilogramm pro Jahr vermieden werden.

Beim Verband Tafel Bayern heißt es, sie sammelten «beispielsweise Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, Backwaren vom Vortag, beschädigte oder eingedrückte Verpackungen oder Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern». Bei Herstellern könnten etwa falsch bedruckte Verpackungen, Produkte aus Sonderaktionen und Saisonware anfallen, die bedürftige Menschen gut brauchen könnten.

Oft würden aber etwa ganze Paletten Obst entsorgt, weil es sich finanziell nicht lohne, einzelne Früchte mit Druckstellen auszusortieren. Auch könnten viele Lebensmittel weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus bedenkenlos verzehrt werden.

Allerdings hält auch der Vorsitzende Peter Zilles nichts von einer Pflicht: «Wir haben weder die Manpower noch die Logistik», sagte der der Deutschen Presse-Agentur. «Bei einer Ad-hoc-Gesetzesänderung würde unsere komplette Infrastruktur zusammenbrechen.» Mit freiwilligen Abgaben würden die Tafeln deutlich besser fahren - und das laufe mit dem Handel auch sehr gut, befand Zilles. 

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern sagte, wichtig sei der Zustand der Lebensmittel. «Die müssen noch genießbar sein.» Auch der Handel sei interessiert daran, dass keine Lebensmittel weggeschmissen würden. Allerdings machte er auch auf ein Problem aufmerksam angesichts aktueller Debatten um Müllvermeidung: «Es ist eine Illusion, vom plastikfreien Supermarkt zu träumen, weil sonst noch mehr Abfälle anfallen.» Eine nicht eingeschweißte Gurke sei weniger lange haltbar, sagte Ohlmann. «Wenn wir weniger Plastik und weniger Lebensmittelverschwendung wollen, ist das die Quadratur des Kreises.»

Die Staatsregierung findet eine gesetzliche Pflicht für den Handel zur Lebensmittelweitergabe nicht zielführend. Die Spendenbereitschaft des Handels sei hoch - rund 90 Prozent der Einzelhändler spendeten unverkaufte, noch genießbare Produkte an karitative Einrichtungen.

«Zudem setzt eine gesetzliche Abgabeverpflichtung von noch genießbaren Lebensmitteln auf Ebene des Lebensmitteleinzelhandels an der Stelle an, die entlang der Wertschöpfungskette den niedrigsten Anteil an Lebensmittelverschwendung aufweist.»

Für die SPD-Abgeordnete Ruth Müller ist das nicht akzeptabel: «In Bayern werden einfach zu viele genießbare Lebensmittel vom Einzelhandel weggeworfen, längst nicht alle unverkäuflichen Lebensmittel kommen den Tafeln zugute. Der Tisch bei den Tafeln könnte also viel reicher gedeckt sein. Ich finde das beschämend, wir brauchen hier dringend eine Kurskorrektur.»

Müller will, dass Händler dazu verpflichtet werden, abgelaufene Waren an gemeinnützige Organisationen weiterzugeben. Dazu hätten die Firmen bisher zu wenig Motivation, da in den Müll entsorgte Waren - im Gegensatz zu gespendeten - steuerlich geltend gemacht werden könnten.

Aus Sicht der Staatsregierung besteht keine Notwendigkeit, die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für unverkäufliche Lebensmittel zu überarbeiten. «Die bestehenden steuerrechtlichen Regeln tragen nicht zur Lebensmittelverschwendung bei», heißt es.

In Bayern gibt es 169 Tafeln. Die meisten in Oberbayern (65), gefolgt von Schwaben (29), Niederbayern (22), Mittelfranken (18), Unterfranken (14), Oberfranken (13) und der Oberpfalz (8). Der Landesverband der Tafeln versorgt nach eigenen Angaben bayernweit rund 200.000 Personen - in Bayern sind aber nicht alle Tafeln hier organisiert - darunter auch die größte Tafel in München.
dpa/lby
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Kommt ein neuer Hinweis zu Haltbarkeit von Lebensmitteln?

Özdemir plant Erleichterung für Lebensmittel-Spenden im Einzelhandel

Weihnachten geht auch klimafreundlich

Weihnachtsmärkte abgesagt - Tonnenweise Lebensmittelmüll?

Tafelverband: Probleme mit Lebensmittelrettung nehmen zu

  Kommentierte Artikel

Ministerin Lemke stimmt Bauern auf Kurswechsel in deutscher Agrarpolitik ein

Tempolimit: Für Wissing ein ganz kleines Thema?

Zugang zu Wirtschaftshilfen für Schweinehalter anpassen

Trinkmilchpreise steigen kaum

Landvolk kritisiert Bürokratie bei Schlachtung im Herkunftsbetrieb

Farbstoff Titandioxid künftig im Essen verboten

Bauern sollen weniger Gift auf Felder spritzen

Sind die EU-Pläne für grünes Atom-Label überhaupt haltbar?

Humus als CO2-Speicher erhalten!

Demonstration zur Agrarpolitik: Protest fällt Corona-bedingt kleiner aus

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt