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10.10.2018 | 15:13 | Pilzwissen 

Pilzberatung hilft Speisepilze von Giftpilzen zu unterscheiden

München - Der Hunger trieb die Menschen in den Wald. Als während des Ersten Weltkriegs die Lebensmittel knapp wurden und der Hunger immer größer, fingen viele Münchner an, nach Pilzen zu suchen.

Pilzberatung
In Bayern gibt es mehr als 7500 Pilzarten. Damit man als Laie die Essbaren erkennt, gibt es die Pilzberatung. Dort lernt man, auf was man beim Schwammerlsuchen achten muss. (c) proplanta

Den Hunger stillte das nicht, häufig verwechselten sie essbare mit giftigen Pilzen. Dagegen musste die Stadt etwas tun und fing an, kostenlose Pilzberatungen anzubieten. Die gibt es bis heute: jeden Montag im Rathaus am Münchner Marienplatz.

Mehr als 7.500 Pilzarten gibt es in Bayern. «Aber nur ungefähr 200 davon sind essbar», sagt Helmut Grünert. Grund genug, dass die Pilzberatung bis heute existiert. Grünert ist ehrenamtlicher Berater und Vorsitzender des «Vereins für Pilzkunde München». Er wurde 1916 gegründet. Heute führt Grünert mit seiner Frau Renate die Beratungen im Rathaus durch. Im Halbkreis drängen sich die Schwammerlsucher um die Experten, an diesem Montag werden fast 40 vorbeischauen.

Phikria Biebrich ist das erste Mal hier. Mit im Gepäck hat die 32-Jährige den Goldfarbenen Glimmerschüppling, mehrere Ziegenlippen und Rotfußröhrlinge. Biebrich und ihr Mann sind seit zwei Jahren im Verein für Pilzkunde. «Die Pilze, die wir nicht kennen, lassen wir hier bestimmen», sagt sie. Renate Grünert gerät beim Anblick des Glimmerschüpplings ins Schwärmen: «Ein wunderschöner Pilz».

Die anderen Pilzsammler legen nach: Semmelbrauner Schleimkopf, Flockenstieliger Hexenröhrling. Lecker klingt anders. Wenn man Renate und Helmut Grünert aber glaubt, gehören die Pilze zu den besten Speisepilzen überhaupt. Die beiden müssen's wissen, schließlich sind sie seit mehr als 40 Jahren Pilzberater.

In Bayern gibt es laut Bayerischer Mykologischer Gesellschaft 30 Pilzberater wie Renate und Helmut Grünert. Auch in Würzburg, Straubing und Landshut findet man Sachverständige. Die Experten helfen bei der Artenbestimmung und arbeiten mit Krankenhäusern bei der Analyse von Giften zusammen. Am Klinikum rechts der Isar in München wird man bei Verdacht auf Pilzvergiftung rund um die Uhr telefonisch beraten. Im vergangenen Jahr klingelte dort fast 750 Mal das Telefon, seit Beginn des Jahres gingen mehr als 400 Anrufe ein.

Allerdings stellen sich die Verdachte oft als unbegründet heraus: 2016 wurden laut Statistischem Bundesamt 63 Menschen in Bayern wegen einer Pilzvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt. «Eine Faustregel für das Sammeln von Pilzen gibt es nicht», sagt Renate Grünert. Die weit verbreitete Annahme, Röhrlinge sind ungiftig und Lamellenpilze sollte man stehen lassen, hält sie für Quatsch. «Es gibt in allen Gattungen Pilze, die giftig sind», sagt Grünert. Stattdessen sollte man vor dem Sammeln in Fachbüchern lesen und im Zweifel bei einem Pilzberater nachfragen.

Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz gibt es in Deutschland etwa 14.000 Pilzarten. Diese Zahl steigt zwar, da ständig neue Arten entdeckt werden, doch gleichzeitig sterben viele Pilze aus. «Wenn Wälder abgeholzt werden oder Pestizide in die Umwelt kommen, schadet das den Pilzen», sagt Helmut Grünert. Die Situation sei in den vergangenen 60 bis 70 Jahren schlechter geworden, bestätigt Peter Karasch von der Deutschen Mykologischen Gesellschaft. Er spricht von einem gigantischen Artensterben, da der Stickstoffgehalt in den Böden zunimmt. «Dort wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, also zum Beispiel Gülle gespritzt wird, findet man deutlich weniger Pilze», sagt Karasch.

Falls man auf seiner Schwammerlsuche nun doch Pilze finden sollte, gibt es spezielle Regelungen. «Zwischen ein bis zwei Kilo pro Person und Tag darf man je nach Region und Landkreis für den Eigenbedarf sammeln», sagt Karasch. Davon ausgenommen sind besonders schützenswerte Pilze, die in der Bundesartenschutzverordnung stehen, wie zum Beispiel Trüffel, der Kaiserling oder Grünling. Steinpilze, Pfifferlinge und Morcheln darf man hingegen sammeln - solange man die zulässige Menge nicht überschreitet. Die Strafen sind hoch: «100 Euro pro zu viel gesammeltem Kilo», sagt Karasch.

Zurück im Rathaus. Die Schwammerlsammler packen ihre Beute wieder in ihre Körbe, die Beratungsstunde geht zu Ende. Statt Pilz wird Renate Grünert ein Buch unter die Nase gehalten. Mit ihrem Mann hat sie einen Ratgeber geschrieben, die Dame mit Buch möchte eine Widmung. Stolz zeigt sie ihren Fund, den Violetten Schleierling. «Der riecht nach Zigarrenkiste», sagt Renate Grünert. Zigarrenkiste und Leder. Auf die Frage, wie sie den Pilz zubereiten würde, weiten sich ihre Augen: «Der ist zu schön! Das wäre ja so, als würde ich eine Rose essen. Also das geht nicht.»
dpa/lby
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