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16.05.2021 | 12:38 | Vitaminpräparate 

Vitamin D nicht eigenmächtig hoch dosieren!

Berlin - Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor den gesundheitlichen Risiken einer eigenständigen Einnahme von Vitamin-D-Präparaten.

Nahrungsergänzungsmittel
Sich mit dem Schlucken von Vitamin-D-Mitteln vor Corona schützen - das klingt verlockend. Doch wie so oft gilt: Was in kleinen Dosen nützen mag, kann in großen Dosen schaden. Bei hochdosierten Vitamin-D-Mitteln drohen schwere Gesundheitsschäden, warnen Experten. (c) proplanta

«Höhere Dosierungen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und unter Berücksichtigung des individuellen Vitamin-D-Status erfolgen», heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Instituts. Wer eigenmächtig Vitamin D einnehmen wolle, solle nur auf Präparate mit einer Tagesdosis von bis zu 20 Mikrogramm (800 Internationale Einheiten) zurückgreifen. «Bei dieser Menge sind gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu erwarten.»

Bei einer - nicht medizinisch begründeten - regelmäßigen täglichen Aufnahme von Vitamin D über hochdosierte Präparate steigt dem BfR zufolge das Risiko für Gesundheitsschäden wie die Bildung von Nierensteinen oder Nierenverkalkung. Es gebe auch Fälle von akutem Nierenversagen in Folge einer unkontrollierten Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in Eigenregie.

Im Internet machen schon seit längerem Empfehlungen für die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten die Runde, aktuell auch begründet mit Hinweisen, eine Infektion mit dem Coronavirus oder ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Erkrankung könnten damit verhindert werden.

Es gebe zwar Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin-D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht, hieß es nun vom BfR. Bei Covid-19 sei die Datenlage dazu aber aktuell noch unsicher.

Insbesondere habe bisher nicht gezeigt werden können, dass gut mit Vitamin D versorgte Menschen von einer zusätzlichen Vitamin-D-Gabe profitieren. «Eine generelle Empfehlung zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten zur Vorbeugung einer Sars-CoV-2-Infektion oder eines schweren Verlaufs einer Covid-19-Erkrankung ist daher derzeit nicht begründbar.»

Eine gute Vitamin-D-Versorgung könne man am besten durch die Eigensynthese der Haut erreichen, riet das Institut. «Körperliche Bewegung und Aktivität im Freien stärken außerdem Muskeln und Knochen.» Darüber hinaus sei zu empfehlen, ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Hering oder Lachs zu essen.

Eine generelle Vitamin-D-Einnahme von bis zu 20 Mikrogramm pro Tag ist aus Sicht des BfR lediglich für Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner zu erwägen. «Denn Vitamin D wird unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Viele ältere Menschen bewegen sich jedoch kaum im Freien.» Zudem nehme die Vitamin-D-Bildung im Alter deutlich ab.

Zu den Risikogruppen für eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung gehören demnach auch Menschen, die sich kaum oder gar nicht im Freien aufhalten oder - aus kulturellen oder religiösen Gründen - stets nur mit gänzlich bedecktem Körper nach draußen gehen.

Vitamin D ist der übergeordnete Begriff für eine Gruppe fettlöslicher Vitamine, die Calciferole. Anders als andere Vitamine kann der Körper Vitamin D selbst bilden - durch Sonnenlicht, genauer UV-B-Strahlung bestimmter Wellenlängen. Diese UV-B-Anteile können nicht durch Fensterscheiben dringen.

Bedingt durch die geografische Lage ist die Vitamin-D-Bildung im Freien in Mitteleuropa laut Robert Koch-Institut (RKI) nur im Sommerhalbjahr (März bis Oktober) möglich. Der Körper sei aber in der Lage, Vitamin-D-Reserven im Fett- und Muskelgewebe anzulegen. Diese Speicherfähigkeit bedingt zugleich die Gefahren, die mit einer unbedachten Einnahme von Vitamin-D-Ergänzungsmitteln einhergehen.

Allgemein sei eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen wichtig für die Immunfunktion des Menschen, hieß es vom BfR. «In Zeiten erhöhter Aktivität von viralen Erkältungs- und Atemwegserkrankungen ist daher eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel vitamin- und mineralstoffreichem Obst und Gemüse besonders wichtig.» Eine zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzungsmittel sei hierzulande in der Regel nicht nötig.
dpa
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