Samstag, 26.11.2022 | 19:56:07
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
20.12.2021 | 15:48 | Holzmarkt 

Forstleute kritisieren Holzindustrie

Berlin - Mit Blick auf verschiedene Rechtsstreitigkeiten um Schadenersatz im Zusammenhang mit der Rundholzvermarktung hat der Bund Deutscher Forstleute (BDF) Kritik an der Holzindustrie geübt.

Holzverarbeitung
BDF-Bundesvorsitzender Dohle warnt vor Glaubwürdigkeitsverlust für die Branche - Kritik an Schadenersatzklagen - Wertmaßstäbe der Holzindustrie „aus dem Ruder gelaufen“ - BDF fordert Kurswechsel - Urteil des Bundesgerichtshofs zu Holzlieferstreit begrüßt - Steuergelder für den Waldumbau einsetzen. (c) proplanta

„Während uns seit drei Jahren unsere Wälder förmlich unter den Fingern wegsterben, hat die Holzindustrie nichts Besseres zu tun, als mit höchst fragwürdigen Modellen aus Abtretungen plus Prozessfinanzierern und einem Heer von Anwälten eine Prozesslawine loszutreten“, beklagte der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle am vergangenen Mittwoch (15.12.).

Er warnte vor den Folgen: Die „Auswüchse einer wildgewordenen US-Klageindustrie“ könnten dem Wald und der Forstwirtschaft „den Rest geben“. Wenn die Holzindustrie weiterhin die Forstwirtschaft in langjährigen Mammutprozessen vor Gerichte ziehe, werde die gesamte Branche das Verständnis der Politik und Gesellschaft verlieren.

Eine auf Vertrauen und Glaubwürdigkeit angewiesene Branche, die auf dem Weg der Transformation zur Bioökonomie eine ganz entscheidende Rolle spielen könne, sollte sich nach Ansicht des BDF-Bundesvorsitzenden „anders verhalten“. „Angesichts der gigantischen Herausforderungen zum Erhalt unserer Wälder bräuchten wir definitiv mehr Forstpersonal und weniger Rechtsanwälte“, so Dohle. Nach Einschätzung des BDF sind die Orientierung und die Wertmaßstäbe der Holzindustrie, die eigentlich ein „verlässlicher Markpartner“ in einem auf Nachhaltigkeit setzenden Cluster der Forst- und Holzwirtschaft sein sollte, „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Die handelnden Akteure und die dahinterstehenden Initiatoren müssten die Situation sowohl juristisch als auch politisch neu beurteilen. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes im Holzlieferstreit zwischen der nordrhein-westfälischen Landesregierung und der österreichischen Klausner-Gruppe begrüßte der BDF ausdrücklich.

Der Verband sieht einen Zusammenhang zu weiteren noch anstehenden zivilrechtlichen Klageverfahren zwischen der Holzindustrie und bisher fünf Bundesländern im Nachgang zum Kartellverfahren zur gebündelten Rundholzvermarktung.

Kartellrechtlich bereits gescheitert



Wie der BDF hervorhebt, ist die Holzindustrie kartellrechtlich bereits im Jahre 2018 mit ihrer Klage vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Im Nachgang dazu hätten namhafte Vertreter der Holzindustrie fünf Ausgleichsgesellschaften gegründet, die nun angebliche Schadenersatzforderungen in Höhe von 1,5 Mrd Euro gegen die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen auf zivilrechtlichem Wege durchsetzen wollten. Diese Forderungen entsprächen den im Zusammenhang mit der Waldklimakrise ausgereichten Fördermitteln des Bundes von ebenfalls 1,5 Mrd Euro. Diese sollten hauptsächlich zum dringend notwendigen klimaangepassten Waldumbau eingesetzt werden, betonte der BDF.

Klage holt Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz ein



In der vorvergangenen Woche hatte der Bundesgerichtshof eine Nichtzulassungsbeschwerde der Klausner-Gruppe zurückgewiesen und damit einen jahrelangen Rechtsstreit mit Nordrhein-Westfalen beendet. Das Unternehmen hatte auf Basis eines Liefervertrags von 2007 Schadenersatz in Höhe von 54 Mio Euro geltend gemacht und die Nachlieferung von etwa 2,5 Mio Fm Fichtenstammholz gefordert.

In derselben Woche hatte die rheinland-pfälzische Landesregierung angekündigt, rund 1.100 privaten und kommunalen Waldbesitzern den Streit zu verkünden. Diese werden dadurch an den Ausgang des Prozesses gebunden, den das Land mit der durch einen internationalen Prozessfinanzierer gestützten ASG 3 - Ausgleichsgesellschaft für die Sägeindustrie Rheinland-Pfalz GmbH führt.

Laut der Mainzer Landesregierung hat Burford Capital die Forderungen von 18 Sägewerken aufgekauft und in der GmbH gebündelt. Geltend gemacht werden rund 121 Mio Euro als Schadenersatz für zu hohe Rundholzpreise in den Jahren 2005 bis 2020.

Kritik von der AfD



Der Sprecher der AfD-Fraktion im Mainzer Landtag, Ralf Schönborn, kritisierte das Verhalten der Landesregierung. Es sei „besonders perfide“, die privaten Eigentümer in die millionenschwere Klage hineinzuziehen, um sie dadurch später an möglichen Regresszahlungen beteiligen zu können. Laut Schönborn sind die Waldbesitzer mit der Zusicherung der Kartellrechtskonformität gelockt worden. Anschließend sei das Land 2019 aus dem Kartell ausgestiegen, „nachdem man heiße Füße bekommen hat“.

Der politische Flurschaden dadurch sei groß, so der AfD-Politiker. Die Zerstrittenheit schaffe tiefes Misstrauen und könne dem deutschen Wald bei allen vorliegenden Problemen nicht guttun.
AgE
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

 Rheinland-Pfalz: Klage wegen Holzvermarktung vor Landgericht abgewiesen

 FAO erwartet weltweit deutlich steigenden Holzbedarf

 Forst BW: Heimisches Holz nutzen - Klima schützen

 Kanadier übernimmt Torgauer Sägewerk

 Preise für Holz und Holzpellets steigen im August rasant

  Kommentierte Artikel

 Grippewelle 2022/23: So früh und stark wie selten

 Bayernweites Verbot von Geflügelschauen nach Vogelgrippe-Ausbruch

 Rheinland-Pfalz: Kein Agrarland-Verkauf in größerem Stil an Investoren

 Reduzierung der Waschbären: Appelle und Aufklärung statt Gewehre?

 Deutschland im Rennen um besten Klimaschutz leicht zurückgefallen

 Özdemir lobt Ausbau von Transportwegen in die Ukraine

 Schaffung landwirtschaftlicher Flächen Hauptgrund für Artenschwund

 Bundesregierung setzt beim Moorschutz auf Freiwilligkeit und Kooperation

 Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Trinkwassergebieten verbieten

 Geflügelpestrisiko für Deutschland hochgestuft

Proplanta online mit Werbung und Cookies nutzen

Wir und unsere Partner nutzen Tracking (insb. Cookies), um unsere Webseiten für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern, sowie zur Ausspielung von News, Artikeln, Informationen und Anzeigen.

  • Informationen auf einem Gerät speichern und/oder abrufen
    • Für die Ihnen angezeigten Verarbeitungszwecke können Cookies, Geräte-Kennungen oder andere Informationen auf Ihrem Gerät gespeichert oder abgerufen werden.
  • Datenübermittlung an Partner in den USA (Drittstaatentransfer)
    • Durch das Klicken des „Zustimmen“-Buttons willigen Sie gem. Art. 49 Abs. 1 DSGVO ein, dass auch Anbieter in den USA Ihre Daten verarbeiten. In diesem Fall ist es möglich, dass die übermittelten Daten durch lokale Behörden verarbeitet werden.
  • Einbindung von externen Multimedia-Inhalten
    • Für eine umfassendere Informationsdarstellung nutzen wir auf unseren Websites Inhalte von Dritten, wie z.B. Social Media- oder Video-Plattformen, angezeigt. Dabei werden durch diese Dritten, die auch zu den oben genannten Partnern zählen, Daten verarbeitet.
  • Personalisierte Anzeigen und Inhalte, Anzeigen- und Inhaltsmessungen, Erkenntnisse über Zielgruppen und Produktentwicklungen
    • Anzeigen und Inhalte können basierend auf einem Profil personalisiert werden. Es können mehr Daten hinzugefügt werden, um Anzeigen und Inhalte besser zu personalisieren. Die Performance von Anzeigen und Inhalten kann gemessen werden. Erkenntnisse über Zielgruppen, die die Anzeigen und Inhalte betrachtet haben, können abgeleitet werden. Daten können verwendet werden, um Benutzerfreundlichkeit, Systeme und Software aufzubauen oder zu verbessern.
  • Genaue Standortdaten verwenden
    • Ihre genauen Standortdaten können für einen oder mehrere Verarbeitungszwecke genutzt werden. Das bedeutet, dass Ihr Standort bis auf wenige Meter präzise bestimmt werden kann.
Mit Abo nutzen Nutzen Sie proplanta.de ohne Tracking, externe Banner- und Videowerbung für 4,95 € / Monat. Informationen zur Datenverarbeitung im Abo finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und in den FAQ.