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23.11.2011 | 14:55 | Waldzustandsbericht 2011 

Remmel: Wald in NRW hat zunehmend mit Folgen des Klimawandels zu kämpfen

Düsseldorf - Der Zustand des Waldes in Nordrhein-Westfalen hat sich 2011 im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlechtert.

Waldzustand

Das ist das Ergebnis des aktuellen Waldzustandsberichts, den NRW-Umweltminister Johannes Remmel heute (22.11.) gemeinsam mit dem Leiter des Landesbetriebes Wald und Holz NRW, Andreas Wiebe, in Düsseldorf vorgelegt hat. Demnach hat der Kronen- und Benadelungszustand aller relevanten Hauptbaumarten, also von Buche, Eiche, Kiefer und Fichte, ein historisches Tief seit Beginn der regelmäßigen Untersuchung im Jahr 1984 erreicht.

„Weniger als ein Viertel aller Waldbäume kann nur noch als gesund bezeichnet werden. Gleichzeitig steigen die deutlichen Schäden an. Diese Entwicklung ist sehr beunruhigend", sagte Minister Remmel. „Denn der Wald ist ein Stück unschätzbares Naturerbe, das es zu bewahren und zu schützen gilt."

Der Anteil der ungeschädigten Bäume hat sich im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf nur noch 24 Prozent verschlechtert. Seit Beginn der Erhebung im Jahre 1984 ist der Wert sogar um 35 Prozentpunkte gesunken.

Der Anteil deutlich geschädigter Bäume hat um zehn Prozentpunkte auf 33 Prozent zugenommen. Der Bestand der schwach geschädigten Bäume ist um zwei Prozentpunkte auf 43 Prozent gesunken.

Wald bedeckt fast ein Drittel der Landesfläche von NRW. Damit stehen jeder Einwohnerin und jedem Einwohner im Schnitt rund 500 m2 Wald zur Verfügung (Bundesdurchschnitt: 1.200 m2). Im Juli und August 2011 haben Fachleute aus der Forstwirtschaft den Kronenzustand von rund 10.000 Einzelbäumen nach einem vorgegebenen Stichprobenverfahren begutachtet.

Unter Einbeziehung von Wetterdaten und der Entwicklung von Schadorganismen wurden die Ergebnisse von Fachleuten ausgewertet und im Waldzustandsbericht zusammengefasst.

„Die Folgen des Klimawandels haben offensichtlich stärkere Auswirkungen als wir uns das bisher vorstellen konnten", erklärte Minister Remmel. Andreas Wiebe, Leiter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW ergänzte: „Die Haupt-Vegetationszeiten werden immer trockener und die Abstände zwischen Mastjahren immer kürzer. Das setzt unseren Wald unter starken Stress.

Um unser Waldnaturerbe zu bewahren, müssen wir den Wald zu einem klimaplastischen Ökosystem umbauen, das den Folgen des Klimawandels widerstehen kann. Dazu gehört auch, im Privatwald auf Monokulturen zu verzichten."

„Wir müssen mehr Waldschadensforschung betreiben, um den Ursachen für die schlechten Ergebnisse auf den Grund zu gehen", so Remmel „Die Wälder leiden noch immer unter den Schadstoffeinträgen der vergangenen Jahrzehnte, die sich in den Waldböden abgelagert haben. Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels, die den Wald zusätzlich unter Stress setzen.

Die Frage muss also lauten: Gibt es eine Wechselwirkung zwischen den beiden Aspekten? Hier müssen wir für Klarheit sorgen. Ich habe den Landesbetrieb Wald und Holz NRW angewiesen, die Waldschadensforschung wieder zu intensivieren."

Als Modell für die Zukunft dient der NRW-Staatswald. Anpassungsstrategien werden hier erprobt und der Umbau zu einem nachhaltigen Mischwald mit starkem Laubholzanteil hat begonnen. Als Beleg für die Strategie der nachhaltigen Bewirtschaftung wurde der Landesbetrieb Wald und Holz NRW im September dieses Jahres erneut mit dem FSC-Siegel zertifiziert.

„Das Siegel dokumentiert unseren Vorbildcharakter in punkto Ökologie, Ökonomie und Soziales bei der Bewirtschaftung unserer Wälder. Unsere Wälder haben nur dann eine Zukunft, wenn wir in unserem Handeln stets alle drei Aspekte berücksichtigen", erläuterte der Minister. „Verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung ist aktiver Klima- und Umweltschutz bei gleichzeitiger Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz."

Für Minister Remmel ist der Zustand des Waldes auch eine emotionale Angelegenheit: „Unsere nordrhein-westfälischen Wälder sind ein besonders knappes und wertvolles Gut, vor allem für die Nutzung durch unsere Bürgerinnen und Bürger. Unser Wald ist ein Ort der Erholung und ist wichtig für unsere Gesundheit. Er dient als Sport- und Fitnessarena. Er ist ein Wirtschaftsgut, gleichzeitig aber auch ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Er ist die grüne Lunge für unsere Atmosphäre. Umso mehr erfüllt mich der Gesundheitszustand unserer Wälder mit Sorge. Wir reden also nicht über etwas rein Materielles, sondern über unser Waldnaturerbe, das bedroht ist - und zwar wie nie zuvor."

Im Einzelnen betrachtet schaut das Ergebnis der vier nordrhein-westfälischen Hauptbaumarten folgendermaßen aus:

  • Die Eiche ist die einzige Baumart, die sich in diesem Jahr leicht erholen konnte. Die deutlichen Schäden sind um neun Prozentpunkte gesunken auf ein allerdings immer noch sehr hohes Niveau von 45 Prozent. Bei den Eichen ohne Schadmerkmale konnte eine Zunahme um zwei Prozentpunkte auf 18 Prozent verzeichnet werden. Der Eiche kam die geringe Fruktifikation zu Gute. Hier spielt sie ebenfalls eine Sonderrolle, da alle anderen Baumarten ein starkes Mastjahr durchlebten.

  • Die Buche hat ein sehr schweres Jahr hinter sich. Die deutlichen Schäden sind sehr stark von 36 Prozent auf 55 Prozent gestiegen. Die Verschlechterungsrate beträgt 19 Prozentpunkte. Auch die gesunden Bäume haben deutliche Anteile verloren, um sechs Prozentpunkte ist der Wert auf nunmehr 22 Prozent gefallen. Vor allem das trockene Frühjahr in Verbindung mit dem starken Mastjahr sind hauptursächlich für den schlechten Belaubungszustand der Buche.

  • Die Fichte hat nun schon im zweiten Jahr hintereinander einen stark verschlechterten Benadelungsstatus. Die deutlichen Schäden sind um acht Prozentpunkte angestiegen und liegen bei 26 Prozent. Gleichzeitig haben sich die Bäume ohne Schaden markant verringert. Mit 31 Prozent ergibt sich eine Veränderung um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Keine Rolle gespielt hat in diesem Jahr der Borkenkäferbefall. Vor allem das trockene Frühjahr setzte den Fichten stark zu.

  • Die Kiefer ist auch in diesem Jahr der Baum mit dem höchsten Anteil von mittleren Schäden mit 58 Prozent. Zugenommen in diesem Jahr haben die deutlichen Schäden um drei Prozentpunkte auf 18 Prozent. Der Anteil an gesunden Bäumen hat um fünf Prozentpunkte auf nur noch 24 Prozent abgenommen. Insgesamt haben sich die Werte der Kiefer nur geringfügig geändert, der hohe Anteil an mittleren Schäden ist aber ein unübersehbares Warnsignal. (PD)
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