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06.10.2019 | 12:48 | Extremereignisse 

Sachsen-Anhalt muss Lehren aus Waldschäden ziehen

Magdeburg - Stürme, wenig Regen und eine ausgewachsene Borkenkäferplage: Der Wald in Sachsen-Anhalt hat seit zwei Jahren gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen.

Wald in Sachsen-Anhalt
Zu wenig Wasser und zu viele Schädlinge haben dem Wald in Sachsen-Anhalt merklich zugesetzt. Aber wie ist die Situation im landeseigenen Forst genau - und kommt der Borkenkäfer nächstes Jahr zurück? (c) proplanta

Das betrifft auch das Land als Eigentümer: Mit 137.000 Hektar gehört ein Viertel der gesamten Waldfläche dem Land. Die rund 260 Förster und Waldarbeiter des Landesforstes sind gut beschäftigt und versuchen, Lehren aus den Extremereignissen zu ziehen. Ein Überblick:

Das Problem: Vier schwere Stürme fegten in den vergangenen zweieinhalb Jahren über Sachsen-Anhalt hinweg. Dazu kamen zwei Jahre extremer Trockenheit, sagte der Chef des Landesforstbetriebs, Bernd Dost. In vielen Regionen sei der Waldboden bis in 1,5 Meter Tiefe ausgetrocknet. Gerade jüngere Bäume und flachwurzelnde Nadelbäume fanden kaum Wasser. Dafür hatte der Borkenkäfer leichtes Spiel.

Die Folgen: «Das Trockenjahr hat uns mehr reingerissen als alle Stürme zusammen», fasst der Chef des Landesforsts zusammen. Bäume hätten ein langes Gedächtnis. Noch in den nächsten zwei bis drei Jahren könnten sie massenhaft an den Folgen der Dürre sterben, selbst wenn es jetzt wieder normal regne. «Der gesamte Wald hat gelitten.»

Auch die Fichten seien durch die Trockenheit nicht nur wehrlos gegen den Borkenkäfer gewesen - viele seien am Wassermangel selbst eingegangen. «Es heißt immer, das sei alles der Borkenkäfer gewesen, aber 60 Prozent der toten Fichten sind einfach vertrocknet.»

Da Borkenkäfer und Trockenheit seit vorigem Jahr zu Problemen wurden, rauschten die Preise für das eigentlich beliebte Fichtenholz parallel zum rasant wachsenden Angebot in den Keller. Statt 100 Euro je Festmeter gebe es aktuell noch 45, sagte Dost. Der Landesbetrieb versuche zu bunkern, um den Preis nicht weiter zu drücken. Allein im Harz lagerten 400.000 Festmeter Fichte - das sei zwei Drittel der Jahresernte, die sonst im gesamten Landesforstgebiet gefällt werden.

Die Reaktion: Schätzungsweise 25 Millionen Bäume müssen im Landeswald nachgezogen werden, um die Schäden auszugleichen. Konkret geht es um mehr als 5.000 Hektar. Nicht alle Flächen seien kahl, so Dost. Aber überall stehen weniger als 40 Prozent der Bäume, die für einen Waldbestand normal wären. Pro Jahr könnten etwa 1.000 Hektar aufgeforstet werden. Je nach Baumart und Standort brauche es dafür im Schnitt 5.000 Bäume je Hektar.

Im relativ feuchten Mai seien bereits 630 Hektar neu bepflanzt worden. Die Witterung habe geholfen, sagte Dost. «Soweit ich weiß, sind die alle noch da.» Aktuell stehe die zweite Pflanzwelle an.

Dabei setzen die Experten auf mehrere Baumarten - und mehrere Methoden. Ahorn, Linde, Birke, Fichte und Kiefer verbreiteten sich gut von allein. Bei der als besonders wetterrobust geltenden Eiche müsse hingegen nachgeholfen werden. «Dann komplettieren wir die Bestände mit Bäumen, die noch nicht da sind.»

Im Schnitt sollen fünf verschiedene Arten auf einem Gebiet wachsen. In der nährstoffarmen Altmark sollen es drei sein, an besonders günstigen Standorten - wie im Burgenlandkreis - eher sieben.

Die Lehre: Nicht nur das Credo Mischwald statt Monokultur soll die Wälder besser vor künftigen Wetterkapriolen schützen. Stürme etwa richten besonders große Schäden an, wenn am Waldrand direkt hohe Baumreihen stehen, sagte Dost. Jetzt sollen die Ränder umgestaltet werden. Das heißt: Wo der Wald beginnt, gibt es erst Kräutergewächse, auf zehn Meter Breite Sträucher, dann 15 Meter niedrige Bäume, die wirtschaftlich weniger interessant sind: Eberesche, Wildobst.

Erst danach beginne der Wirtschaftswald. 28 Kilometer Waldrand wurden bereits entsprechend umgestaltet, so Dost. In zwei Jahren sollen 100 Kilometer geschafft sein. Zu sehen sei das etwa am Stadtrand von Gommern bei Magdeburg. Damit verzichtet das Land auf Fläche, auf denen die Bäume wachsen, mit deren Holz es Geld verdient. «Das ist aber Vermögensschutz und Schadensbegrenzung», sagte Dost.

Der Ausblick: Auch wenn der Wald in diesem Jahr wieder mit langanhaltender Trockenheit klarkommen musste, rechnet Dost nicht damit, dass sich die Borkenkäferplage wiederholt. «Jetzt fliegen sie nicht mehr, sondern bohren sich ein.» Es gelte, bis zum Frühjahr möglichst alle befallenen Fichten zu erkennen und wegzubringen. Dafür sei Fachkenntnis wichtig.

Das sei ein Grund, dass das Land im eigenen Wald auf die Hilfe der Bundeswehr verzichtet und auf eigenes Personal setzt. Knapp die Hälfte der Waldflächen im Land ist im Privatbesitz, auch Kommunen besitzen einiges. Dort helfen Soldatinnen und Soldaten derzeit im Kampf gegen den Käfer.

Die Teams des Landesforsts hätten in zahlreichen Gebieten extra schon gefällte Stämme zu Fangpoldern aufgestapelt, sagte Dost. Diese werden im Winter zu Lagern fern von Fichtenwäldern transportiert - und mit ihnen alle darin überwinternden Borkenkäfer. «Wir gehen davon aus, dass wir es schaffen, bis zum Frühjahr den größten Teil wegzuhaben.» Von Alarmismus hält er wenig. «Es ist Unfug, wenn jetzt mancher den Untergang des Waldes herbeiredet, die Natur kann Vieles.»
dpa/sa
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