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27.08.2013 | 09:17 | Holverarbeitung 2013 

Säge- und Holzindustrie kann Probleme der Vorjahre nicht hinter sich lassen

Berlin - Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) blickt in seiner Halbjahresbilanz für Nadelholz besorgt auf die zurückliegenden Monate.

Holzverarbeitende Industrie 2013
(c) proplanta

Eine mangelhafte Rohstoffversorgung, hohe Rundholzpreise und ein harter internationaler Wettbewerb machen den Sägebetrieben auch 2013 zu schaffen. Der Markt hat sich zur Jahresmitte zwar gebessert, der Rückstand konnte jedoch bei weitem noch nicht aufgeholt werden. Die Prognosen für die zweite Jahreshälfte sind entsprechend zurückhaltend.

Nach wie vor stehe der Markt unter dem Druck hoher Nadelrundholzpreise, erklärt der Branchenverband in seinem Bericht. Diese konnten aufgrund des harten internationalen Wettbewerbs beim Nadelschnittholz nicht im notwendigen Umfang weitergegeben werden.

Die Schere entlang der Wertstoffkette Forst und Holz bestehe somit weiter und gefährde auf Dauer die Zukunftsfähigkeit des gesamten Clusters. Zusätzlich drückten die angehobenen Preise für Rohware und Leimbinderlamellen auf die Margen der Finalprodukte Brettschichtholz (BSH) und Konstruktionsvollholz (KVH). Die Preise für diese veredelten Holzprodukte konnten nicht im selben Verhältnis erhöht werden.

Die Erzeugerpreise beim baulich besonders relevanten Nadelschnittholz liegen derzeit mit +2,8 Prozent nur knapp über dem Vorjahr. Dies kann die Diskrepanz zwischen Rohstoff- und Schnittholzpreis nicht annähernd ausgleichen. Demzufolge blieb die Ertragslage der heimischen Betriebe in der ersten Jahreshälfte weiter angespannt: Der Umsatz der Branche lag bis Ende Juni noch immer um ‑2,4 Prozent unter dem Vorjahr. Im Inland um ‑1,6 Prozent, im Export um  -3,9 Prozent.

Sehr schwieriges 1. Quartal



Im Inland korrelierte der Absatzmarkt mit der gesamtwirtschaftlichen Stimmungslage. Wichtige Abnehmer wie die Bau- und Verpackungsindustrie fielen aufgrund des langen Winters und rückläufiger Exportzahlen konjunkturbedingt zurück. Die Inlandsnachfrage sank im 1. Quartal 2013 beim Nadelschnittholz um 7,2 Prozent. Bereits im Jahr 2012 war der Inlandsverbrauch um 5,7 Prozent zurückgegangen.

Entsprechend ging auch die Inlandsproduktion von Nadelschnittholz im 1. Quartal 2013 weiter zurück. Laut Statistischem Bundesamt sank diese um 6,3 Prozent. Im Jahr 2012 war die Inlandsproduktion bereits um 7,3 Prozent auf 20 Millionen Kubikmeter gesunken.

Deutschland in Europa gut aufgestellt



Auch der europäische Holzmarkt leidet nach wie vor unter den Folgen der Finanzkrise. Die wichtigen Auslandsmärkte  ̶  insbesondere in den Nachbarländern  ̶  nahmen 2013 deutlich weniger Nadelholz ab. Zunahmen waren lediglich aus Nahost und den Mittelmeeranrainern zu verzeichnen. Insgesamt ging der Export in 2012 um 10,3 Prozent auf nunmehr 6,4 Millionen Kubikmeter zurück, in den ersten fünf Monaten 2013 um weitere 6,2 Prozent.

„Dass die deutsche Sägeindustrie die schwierige Lage in Europa seit dem Krisenjahr 2009 durchsteht, zeigt, dass die Branche in Deutschland grundsätzlich gut aufgestellt ist und auf hohem fachlichen und technischen Niveau arbeitet“, sagt Lars Schmidt, Generalsekretär der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DeSH).

Deutschland erzielt seit 2004 immer einen positiven Außenhandelssaldo beim Nadelschnittholz. Der Export hat sich allerdings in den letzten Jahren wieder abgeschwächt: Zwar bleibt Deutschland auch 2013 größter Schnittholzproduzent in Europa. Aufgrund der hohen inländischen Rohstoffpreise können die hiesigen Firmen im globalen Wettbewerb jedoch kaum konkurrieren. Im Vergleich zum internationalen Nadelstammholzpreis liegen die deutschen Rundholzpreise um die Hälfte höher, erklärt der Verband.

Ungleiche Renditesituation



Doch nicht nur am Absatzmarkt haben die Säger zu kämpfen. Auch die Rohstoffversorgung bleibt angespannt. Vielfach erhalten die Betriebe nicht die benötigten Stammholzmengen. Insbesondere aus dem Privatwald wird deutlich weniger Nadelrundholz bereitgestellt. Reduzierter Einschlag, Nutzungsverzicht und Bewirtschaftungsauflagen sowie der Waldumbau weg vom Nadelholz  würden die Situation zusätzlich verschärfen.

Die Abläufe entlang der Wertschöpfungskette Forst und Holz gestalten sich seit geraumer Zeit uneinheitlich. Während das knappe Holzangebot für Rekordmargen bei den Waldbesitzern sorgt, gehen nachgelagerte Bereiche leer aus. Von Seiten der Sägeindustrie heißt es hierzu, die ungleichmäßige Renditesituation könne angesichts des internationalen Preisdrucks im Schnittholzsegment nur von der Kostenseite gelöst werden.

Von den Waldbesitzern wünsche man sich daher einen zukunftsorientierten und verlässlichen Umgang mit den essentiellen Marktpartnern. Der Rohholzpreis müsse sich daher an die internationalen Märkte  anpassen, um die Wettbewerbsfähigkeit und somit heimische Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Eine zukunftsfähige und breite Abnehmerstruktur läge auch im Interesse der Waldbesitzer.

Säger fürchten um Wettbewerbsfähigkeit



Nach Angaben des Verbandes mussten im zurückliegenden Halbjahr bereits viele Betriebe die Produktion reduzieren. Weitere Schließungen seien bei einer anhaltend schlechten Rohholzversorgung nicht auszuschließen. Das deutlich abgeschwächte Marktvolumen erfordere strukturelle Anpassungen, doch nur die wenigsten Betriebe könnten adäquat auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren.

„Es ist wichtig, dass die Betriebe die Marktmöglichkeiten richtig einschätzen und den Markt nicht überfordern. Mittlerweile fehlt vielen aber schlicht die Kraft sich zukunftsfähig aufzustellen“, erklärt Schmidt. Dringend notwendige Reinvestitionen sowie die Entwicklung innovativer und höherwertiger Produkte könnten gegenwärtig nicht geleistet werden. Perspektivisch würde sich dies negativ auf das gesamte Cluster Forst und Holz auswirken.

Doch nicht nur am heimischen Markt, auch in der Politik müssten Veränderungen stattfinden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern. Vor allem bei den im europäischen Vergleich zu strengen deutschen Vorgaben bei den Transportgewichten für Langholzfahrzeuge und den vergleichsweise hohen Energiekosten mahnen die Verbandsvertreter Verbesserungsbedarf an.

Verhalten optimistische Prognose



Die Hoffnung der Branche richtet sich nach dem schlechten Start in das Jahr 2013 nunmehr auf die zweite Jahreshälfte. Ob die derzeit zu verzeichnende saisonale Belebung des Marktes am Ende für ein ausgeglichenes Jahresergebnis sorgt, bleibt jedoch fraglich.

Nicht zuletzt ist die Branche auch abhängig von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Die Jahresprognose in Deutschland wurde von den Instituten jüngst jedoch erneut reduziert: Das ifo-Institut geht von einer Zunahme des BIP von nur noch 0,6 Prozent für das Gesamtjahr 2013 aus.

Die Säger blicken dennoch leicht zuversichtlich in die Zukunft: Die proklamierte Nadelschnittholzproduktion von 20 Millionen Kubikmeter erscheine nach den Produktionsdaten des ersten Halbjahres zwar optimistisch. Die zu erwartende Nachfrage aus dem Baugewerbe aufgrund des Nachholbedarfs im Wohnungsbau und des anhaltend niedrigen Zinsniveaus lasse aber zumindest einen konstanten bis leicht gebesserten Holzmarkt erwarten. (sägeindustrie)
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