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01.02.2020 | 05:22 | Biologische Vielfalt 
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Artenkenner - eine bedrohte Art

Stuttgart - Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie Sie früher mal einen Frosch gefangen und mit nach Hause genommen haben, um ihn im Einmachglas zu beobachten.

Artbestimmung im Feld
Schmetterlinge, Frösche, Spinnen, Gräser und Bienen: alles Lebewesen, die wichtig sind für den Naturkreislauf. Doch mit Tier- und Pflanzenarten kennen sich immer weniger Menschen wirklich aus. Was tun? (c) proplanta

Eventuell hatten Ihre Eltern ja auch einmal eine eingerahmte Schmetterlingssammlung an der Wand, gefüllt mit Exemplaren, die sie zuvor gesammelt, bestimmt und dokumentiert hatten. Heute untersagt das Artenschutzgesetz solche Ausflüge zur Erforschung der Natur.

Das könnte allerdings nach Ansicht mancher Wissenschaftler mit ein Grund sein, warum immer weniger Menschen Ahnung haben von der Artenvielfalt und einen Distelfalter von einem Bläuling unterscheiden können. Was klingen mag wie eine Lappalie, ist zumindest nach Ansicht des baden-württembergischen Landesnaturschutzverbandes (LNV) ein gewaltiges Problem.

«Die Lehre der Arten ist das Einmaleins der gesamten Biologie», erklärt der Dachverband von 33 Umwelt- und Naturschutzgruppen. Der Zustand der Natur könne ohne fundierte Artenkenntnis nicht beurteilt werden. «Nur was man kennt, kann man wertschätzen und schützen», mahnt der LNV.

Doch detailliertes Wissen um Vögel und Amphibien, Insekten und Pflanzen haben nur noch wenige. «Artenkenner stehen heute auf der «Roten Liste» aussterbender Berufe», beklagt Albert Reif, ehemaliger Experte für Standort- und Vegetationskunde der Universität Freiburg.

Bei Kindern und Jugendlichen werde eine frühe Begeisterung oft im Keim erstickt, es gebe viel zu wenige Förderer und Angebote, bemängelt der Karlsruher Schmetterlingsforscher Robert Trusch.

Außerdem fehlten Erlebnisräume zum Entdecken. In den Schulen und Universitäten werde der speziellen Kenntnis von Pflanzen und Tieren immer weniger Bedeutung beigemessen.

Trusch klagt vor allem über das Artenschutzgesetz des Bundes, das die Entnahme besonders geschützter Arten ohne Behördenerlaubnis verbietet. Kinder und Jugendliche könnten sich heute nicht mehr unbeschwert mit freilebenden Tieren befassen und sie mit nach Hause nehmen. Eltern machten sich strafbar, wenn sie dies bei ihren Kindern zuließen.

Eine Veranlagung zum Artenspezialisten müsse aber wie eine musische Begabung früh entdeckt und gefördert werden. «Sonst gehen solche Begabungen Einzelner für die Gesellschaft verloren», ist Trusch überzeugt. «Und deshalb haben wir seit Jahrzehnten kaum noch Nachwuchs an Artenkennern.»

Der Mangel hat Folgen - selbst für die Wirtschaft: Bei großen Bauprojekten wie Stuttgart 21 und bei der Entwicklung von Schutzgebieten sind Fachleute mit Artenkenntnis wichtig. «Behörden und Gutachterbüros suchen händeringend nach Spezialisten, die in der Lage sind, artenreiche Tiergruppen zum Beispiel für ein Insekten-Monitoring zu bearbeiten», sagt der Stuttgarter Insektenkundler Lars Krogmann.

Er nennt den Verlust an Artenkenntnis «eine normale gesellschaftliche Entwicklung, die man als Entfernung oder Entfremdung von der Natur bezeichnen kann». Es gebe nicht zuletzt auch wegen des Internets immer weniger Menschen, die sich in der Freizeit in der Natur aufhielten, es würden auch immer weniger Bestimmungskurse angeboten, Kindergärten verzichteten aus Personalnot auf Exkursionen.

Wenn sich die Gesellschaft so weit von diesen Themen entfernt, wird es ihr schwerfallen, Probleme wie die Klimakrise und das Artensterben zu lösen», ist Krogmann überzeugt. Mit dem Wissen um die Arten verschwinde auch die Sensibilisierung dafür.

Lehrer müssten besser fortgebildet und es müssten mehr Angebote geschaffen werden, um Artenkenner zu fördern, heißt es vom Deutschen Naturschutzring. An diesem Punkt setzt ein Förderprojekt des LNV an:

Mit Schulgärten und Exkursionen, Lehrerfortbildungen und im Dialog mit Hochschulen wollen die Naturschützer das Wissen um die Artenvielfalt verbessern. In fünf Jahren soll geschaut werden, ob sich die Lage verändert hat.
dpa
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Kommentare 
Karin schrieb am 02.02.2020 22:19 Uhrzustimmen(9) widersprechen(0)
Seit 1998 ist dieses Problem bekannt.
Wir "Alten" lernten noch in Heimatkunde als Stadtkinder die Straßennamen
unseres Bezirks. Die Lehrer gingen noch mit uns ins Grüne.
Meine Rettung war mein Onkel, ein Landwirt. So wurde mir verschiedenes Wissen vermittelt.
Es ist so beschämend, wie den Kindern, unserer nachfolgenden Generation, die Zusammenhänge vermittelt werden. Nicht ausreichend genug, sondern mit Werbung und nicht rausgehen in die Natur.
Mir fehlt die Zeit um mich hier ausführlich auszulassen.
Ich kann nur sagen, die Jugend muss in der Schule sensibilisiert werden.
Als verbindliches Pflichtprogramm für die Lehrer.
Es steht doch alles in einem Zusammenhang.
Mfg
Karin
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