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22.08.2021 | 16:13 | Taxonomie 

Biologie verzieht sich ins Labor - Artenkenner sind Mangelware

Karlsruhe - Bei Nachtfaltern sieht es schwierig aus. Hier gebe es deutlich weniger Experten als etwa für die schillernden, tagaktiven Schmetterlinge, sagt der Direktor des Naturkundemuseums Karlsruhe, Norbert Lenz.

Artenbestimmung
Oft sind es Senioren, die noch allerhand Arten von Laufkäfern oder Stechmücken voneinander unterscheiden können. An Nachwuchs fehlt es. Sind Politik und Universitäten falsche Pfade gegangen? (c) proplanta

Auch bei Käfern und Vögeln sehe es noch ganz gut aus, bei Fliegen und Wespen eher nicht. Die Faustformel lautet in etwa: Je kleiner und weniger attraktiv die Tiere werden, desto größer der Mangel an fachkundigen Artenbestimmern, sogenannten Taxonomen.

Ein Problem, wie Lenz deutlich macht: «Wir haben nicht nur das Zeitalter der Klimakrise, sondern auch der Biodiversitätskrise.» Für eine Einschätzung des damit einhergehenden Massensterbens von Arten müsse erst mal bekannt sein, welche Spezies es gibt.

Lenz' Kollege Matthias Glaubrecht, Direktor des Centrums für Naturkunde an der Universität Hamburg, liefert in seinem neuen Buch «Eskapaden der Evolution» weitere Gründe, aus denen Artbestimmung und Grundlagenforschung wichtig sind. So seien im Gift von Kegelschnecken Wirkstoffe, die Patienten bei einer Schmerztherapie noch hälfen, wenn kein anderes Mittel mehr etwas nütze.

Das Problem: Die Artenbestimmer sind selbst eine ausstrebende Art. Glaubrecht macht dafür eine «verfehlte Wissenschaftspolitik» verantwortlich. Universitäten und Naturkundemuseen als «Hort der Vielfalt und Ort systematischer Biodiversitätsforschung» seien über Jahrzehnte «ausgehungert» worden. Der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBio) spricht von einer «Krise der Taxonomie».

Am Naturkundemuseum Karlsruhe arbeiten laut Lenz regelmäßig Experten für bestimmte Arten, die zum Beispiel aus der Ukraine kommen. «Das spricht doch Bände, wenn man keine Fachleute im Inland hat.» Wichtig wäre die Expertise aus Sicht des VBio unter anderem, um auf invasive Arten reagieren zu können, die aus dem Ausland einwandern und hierzulande keine natürlichen Feinde haben.

Lenz sieht das Hauptproblem an den Universitäten: «Das Fach Biologie hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr vom Freiland ins Labor verkrümelt.» Die Währung in der Wissenschaft sei, zitiert zu werden - und das gelinge eher mit neuen Erkenntnissen in der Genforschung als mit der Bestimmung einer neuen Art.

Betroffen sei auch die Ausbildung von Lehrpersonal, das das Artenwissen wiederum an Kinder weitergebe. Der Museumsdirektor verweist auf eine Studie, nach der auch die Zahl der in Schulbüchern vorgestellten Arten in den vergangenen Jahren geschrumpft ist.

Das Thema hat die Politik erreicht, auch wenn Glaubrecht von «Sonntagsreden» spricht. Die baden-württembergische Regierung etwa hat ein «Kompetenzzentrum Biodiversität und integrative Taxonomie» unter anderem mit neuen Professuren ins Leben gerufen und investiert jährlich rund eine Million Euro.

«Die gemeinsame Einrichtung der Universität Hohenheim und des Stuttgarter Naturkundemuseums soll die Erforschung von Vielfalt und ökologischen Zusammenhängen vorantreiben», heißt es vom Wissenschaftsministerium. Eine Generation moderner Artenkenner werde dort ausgebildet.

Ähnliche Initiativen gibt es laut Lenz auch in anderen Bundesländern. Am Naturkundemuseum in Karlsruhe baue man gerade ein Expertennetzwerk auf. Neue Zertifizierungskurse setzten Standards bei der Artenkenntnis, wenngleich Gesetze das Sammeln vor allem von Tieren erschwerten, schildert Lenz. «Die Problematik ist nicht mit nur einer Maßnahme behoben. Dafür braucht es viele.»
dpa
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