Dienstag, 09.08.2022 | 18:50:45
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
08.02.2014 | 13:15 | Kaffeeanbau 

Biologische Vielfalt bringt bessere Kaffee-Ernte

Frankfurt / Würzburg - Bienen, Vögel und Fledermäuse tragen deutlich dazu bei, dass die Kaffeebauern rund um den Kilimandscharo höhere Erträge erzielen – ein Beispiel dafür, wie sich Biodiversität buchstäblich auszahlen kann.

Kaffeeanbau
(c) eltfoto - fotolia.com

Tropenökologen der Universität Würzburg veröffentlichten jetzt, in enger Kooperation mit Wissenschaftlern des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F, Frankfurt/Main) und des Instituts für experimentelle Ökologie der Universität Ulm, eine aktuelle Studie zu diesem Thema in den Proceedings of the Royal Society B.

Am Kilimandscharo, dem fast 6000 Meter hohen Bergmassiv im Osten Afrikas, wird viel Kaffee angebaut. Die traditionellste Anbauform findet man in den Gärten des Chagga-Volkes: Dort gedeihen die sonnenscheuen Kaffeesträucher und viele andere Nutzpflanzen im Schatten von Bäumen und Bananenstauden.

Ein Großteil des Kaffees wächst aber auf Plantagen. Zwar stehen auch dort noch viele Schattenbäume, doch die werden immer häufiger abgeholzt. Der Grund dafür: „Die herkömmlichen Kaffeesorten, die auf Schatten angewiesen sind, werden zunehmend gegen Sorten ausgetauscht, die viel Sonne vertragen und resistenter gegen Pilze sind“, erklärt Professor Ingolf Steffan-Dewenter, Tropenökologe vom Biozentrum der Universität Würzburg.

Von dieser Intensivierung des Anbaus verspreche man sich höhere Erträge. Allerdings sei es möglich, dass die Ernte auf den Plantagen am Ende doch nicht besser ausfällt: Eben weil es dort kaum noch Schattenbäume gibt, könne der Lebensraum für Tiere knapp werden, die den Kaffee bestäuben, Schädlinge fressen und dadurch mithelfen, den Ertrag zu verbessern.

Teamwork an den Hängen des Kilimandjaro



Steffan-Dewenter und seine Doktorandin Alice Claßen wollten darum wissen, welchen Beitrag Bienen, Vögel, Fledermäuse und andere Tiere zur Bestäubung und zur biologischen Schädlingskontrolle auf den Kaffeefeldern leisten. Und sie wollten herausfinden, ob eine intensivierte Landwirtschaft Einfluss auf diese kostenlosen Dienstleistungen des Ökosystems hat. Dabei kooperierten sie eng mit Teams des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F, Frankfurt/Main) und des Instituts für experimentelle Ökologie der Universität Ulm.

Die Tropenexperten waren an den Hängen des Kilimandscharo in Tansania auf zwölf Flächen in allen drei Anbausystemen (Chagga-Gärten, Schattenplantagen, Sonnenplantagen) unterwegs. Mit Netzen verwehrten sie Tieren den Zugang zu den Kaffeeblüten oder gleich zu ganzen Sträuchern. Dann prüften sie unter anderem, wie sich die An- oder Abwesenheit der „tierischen Dienstleister“ auf Menge und Qualität der Ernte auswirkt.

Was Tiere im Kaffeeanbau leisten



Ergebnis: Hatten Vögel und Fledermäuse Zugang zu den Pflanzen, brachte das einen fast zehn Prozent höheren Fruchtansatz. „Das liegt unserer Einschätzung nach daran, dass die Tiere Schädlinge vertilgen, die sonst an den Kaffeepflanzen fressen würden“, sagt Julia Schmack vom BiK-F aus Frankfurt. Dieser verminderte Blattfraß führe wahrscheinlich dazu, dass weniger Kaffeefrüchte noch vor der Reife vom Strauch abfallen. Interessant war auch der Blick auf die Bestäubung.

Bienen und andere Insekten sollten dafür eigentlich überflüssig sein, denn die untersuchte Kaffee-Art Coffea arabica kann sich auch selbst bestäuben. Trotzdem zeigte sich: Wenn Bestäuber Zugang zu den Kaffeeblüten haben, werden die Früchte um etwa sieben Prozent schwerer, was gleichbedeutend ist mit einer höheren Qualität des Kaffees.

„Die Effekte der Bestäubung und der Schädlingskontrolle ergänzen sich also perfekt, beide sind wichtig für höhere Erträge“, sagt Steffan-Dewenter: Vögel und Fledermäuse sorgen für mehr Früchte, Bienen und andere Bestäuber für eine bessere Qualität.

Effekt in allen Anbausystemen gleich



Zur Überraschung der Forscher hat eine landwirtschaftliche Intensivierung keinen negativen Effekt: Die Leistungen der Tiere wirkten sich in allen drei Anbausystemen vergleichbar gut auf die Ernte aus, selbst in den Sonnenplantagen.

„Wir führen das auf die mosaikartige Landschaftsstruktur am Kilimandscharo mit Gärten, Wäldern und Grasländern zurück“, sagt Doktorandin Claßen: Durch die oft kleinteilige Gliederung der Landschaft könnten Bestäuber, Vögel und Fledermäuse noch ausreichend Nistmöglichkeiten und Lebensraum finden und von dort in die Plantagen ausschwärmen.

Unsichere Basis in Sonnenplantagen



„Diese scheinbar stabilen Ökosystemdienstleistungen haben in den Sonnenplantagen aber vermutlich eine unsichere Basis“, meinen die Würzburger Wissenschaftler. Denn dort haben sie fast nur eine einzige Art von Blütenbesuchern registriert: Honigbienen.

An den Kaffeeblüten in den Chagga-Gärten sichteten sie dagegen auch Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Sollte also der Bestand an Honigbienen einmal schrumpfen, etwa in einem für die Insekten klimatisch ungünstigen Jahr, könnte das die Ernte in den Sonnenplantagen schmälern.

Ergebnisse einer DFG-Forschergruppe



Publiziert wurden diese Ergebnisse im Fachblatt „Proceedings of the Royal Society B“. Sie stammen aus einer Forschergruppe, die sich mit den Ökosystemen des Kilimandscharo befasst und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. (PD)
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Kommentierte Artikel

 Antibiotikaabgabe an Tierärzte sinkt 2021 deutlich

 Bauernverband: Doch etwas mehr Winterweizen als 2021

 Überraschend gute Ergebnisse der Rapsernte sorgen für Preisdruck

 Anbindehaltung endet - Bayern will weiter Kombi-Haltung ermöglichen

 Causa Kuhfladen: Bußgeld-Spende vom Minister

 Achtung: Vermehrt Mutterkorn im Erntegut!

 Die Ampel, die Gasumlage und die soziale Frage: Der Druck steigt

 Kaniber beklagt Zögern beim Umstieg auf den Ökolandbau

 Özdemir bekräftigt Öko als Leitbild der Landwirtschaft

 Demeter fordert ambitionierte Schritte zum Ausbau des Biosektors

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt