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14.10.2009 | 18:26 | Personalien 

Leiter des Instituts für Biologischen Pflanzenschutz am JKI Darmstadt verabschiedet

Darmstadt - Mit einem zweitägigen wissenschaftlichen Kolloquium am Julius Kühn-Institut in Darmstadt wird der langjährige Leiter des Instituts für biologischen Pflanzenschutz, Direktor und Professor Dr. Jürg Huber am 13. und 14.10. in den Ruhestand verabschiedet.

Professor Dr. Jürg Huber
Professor Dr. Jürg Huber (c) JKI
19 Jahre leitete der aus der Schweiz stammende Entomologe das Darmstädter Fachinstitut der ehemaligen Biologischen Bundesanstalt für Land- Forstwirtschaft (BBA).
 
Direkt nach seiner Promotion an der ETH Zürich kam Huber 1973 nach Darmstadt, wo er zunächst das Labor für Virologie leitete. Sein Forschungsgebiet war der Einsatz natürlicher Insektenviren im Obstbau sowie die Risikoabschätzung bei ihrer Freisetzung. Er entwickelte Technologien, um die Viren in entsprechender Menge zu produzieren und testete Methoden, wie diese Viren in den Kulturen ausgebracht werden könnten.
 
Der Schädling, der Dr. Huber durch sein wissenschaftliches Leben begleitete, war der Apfelwickler. Die Larvenstadien des Falters richten große Schäden in Apfelanlagen an. Zur biologischen Bekämpfung wird ein sogenanntes Granulo-Virus eingesetzt, das Kalifornische Forscher 1963 in vier toten Wickler-Larven aus einer mexikanischen Apfelplantage entdeckt hatten.
 
Die Technische Hochschule Zürich hatte Ende der 1960er Jahre eine Probe dieses Virusstammes erhalten, den Huber dann in seiner Doktorarbeit erforschte. Schon damals ging er der Frage nach, ob und wie die Falter Resistenzen gegen ihren natürlichen Gegenspieler, das Virus, aufbauen. Der Kreis schloss sich, als 2005 virusresistente Apfelwickler in deutschen Anlagen entdeckt wurden. In den letzten Jahren erforschte Huber mit seinem designierten Nachfolger Dr. Johannes Jehle vom DLR Rheinpfalz die zunehmende Resistenz der Apfelwickler gegen die eingesetzten Viruspräparate. Gemeinsam versuchten sie dieser entgegen zu wirken, was ihnen auch gelang.
 
Bevor diese Viruspräparate überhaupt zum Einsatz kommen konnten, hatte Huber gemeinsam mit den Dossenheimer Kollegen in Freilandversuchen (ab 1974) nachgewiesen, dass man mit der Anwendung des Virus gleich gute Erfolge wie mit Insektizid-Spritzungen erzielt. Die Viren wirkten spezifisch auf den Apfelwickler, andere nützliche Insekten wurden geschont. Nachdem die Unbedenklichkeit des Verfahrens für Mensch und Umwelt überprüft worden war, trat das Apfelwickler-Granulovirus seinen Siegeszug im Obstbau an. Besonders im ökologischen Anbau ist es das Bekämpfungsverfahren der Wahl.
 
1990 war Huber die Leitung des Darmstädter Instituts übertragen worden. Für seine Arbeiten zur biologischen Bekämpfung des Apfelwicklers wurde ihm 2005 die höchste Ehrung der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) zuteil. Er wurde auf der Tagung in Dresden mit der Karl-Escherich-Medaille ausgezeichnet. (JKI)
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