Donnerstag, 29.07.2021 | 14:23:30
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
17.05.2013 | 05:03 | Klontechnik 

Menschliche Stammzellen per Klontechnik hergestellt

New York - Heilungschance oder Tabubruch? US-Wissenschaftlern ist nach eigenen Angaben ein Meilenstein in der Stammzellforschung gelungen: menschliche embryonale Stammzellen - hergestellt per Klontechnik. Deutsche Experten üben heftige Kritik.

Genforschung
(c) dgrilla - fotolia.com

Die einen feiern einen Durchbruch, die anderen sind entsetzt: Forscher in den USA haben nach eigenen Angaben erstmals menschliche Klon-Embryonen hergestellt und daraus Stammzellen gewonnen. Sie nutzten dazu ein Verfahren, das auch zum Klonschaf Dolly führte, möchten aber ausdrücklich keine Klonmenschen erschaffen. Die neuen Zellen könnten theoretisch jedoch in jede beliebige Art von Körperzellen transformiert werden - und so künftig einmal kranke oder verletzte Zellen ersetzen.

Deutsche Forscher und Politiker reagierten skeptisch oder empört auf die Veröffentlichung. Sie bezweifeln, dass die Methode bei der Behandlung von Krankheiten helfen könnte und weisen auch auf ethische Probleme hin.

Die US-Wissenschaftler der Oregon Health & Science University in Portland sprachen am Mittwoch selbst von einem Durchbruch. Man sei der Heilung von Krankheiten wie Parkinson, Multipler Sklerose, Herzkrankheiten und von Verletzungen des Rückenmarks deutlich näher gerückt. Für das reproduktive Klonen, also das Kopieren von Menschen, tauge ihre Methode nicht, betonen die Forscher - die vermutlich mit einer neuen ethischen Debatte gerechnet haben.

Der Bonner Stammzellforscher Oliver Brüstle warnte dagegen «vor zu viel Hype». «Ich bin skeptisch, ob uns das im therapeutischen Bereich weiterbringt», sagte er am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Er verwies auf alternative Methoden wie etwas das Rückprogrammieren ausgewachsener Zellen in den Embryonalzustand.

Auch ethisch seien die neuen Forschungen problematisch. Es stehe die Frage im Raum: «Dürfen solche 'Forschungsembryonen' hergestellt werden?» Das jetzt veröffentlichte Experiment «wäre in Deutschland verboten durch das Embryonenschutzgesetz», betonte der Wissenschaftler.

Für Jürgen Hescheler vom Institut für Neuropsychologie in Köln sind die Ergebnisse keine Sensation, weil es bereits die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete iPS-Strategie gebe. Die iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen) seien «Alleskönner-Zellen», mit denen er aktuell auf dem medizinischen Gebiet des Herzinfarkts forsche.

iPS-Zellen besitzen nach derzeitigem Kenntnisstand die wichtigsten Eigenschaften embryonaler Stammzellen, lassen sich aber aus normalen Körperzellen gewinnen. Es gebe viele offene Fragen zum Ergebnis aus Oregon, so dass nicht von einem Durchbruch für die Therapie gesprochen werden dürfe, sagte der Hescheler der dpa.

Ähnlich äußerte sich der Stammzellforscher Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biochemie in Münster. Das US-Team ist seiner Ansicht nach keineswegs der Heilung von Krankheiten entschieden näher gekommen.

Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Professor Jörg Hacker, erklärte: «Wir wissen jetzt, dass eine Methode, die für andere Spezies bereits genutzt wurde, auch beim Menschen funktioniert. Ob damit auch gesunde Embryos entstehen können, ist fraglich.» Wissenschaftlich gesehen sei er skeptisch, unter ethischen Gesichtspunkten dagegen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, der SPD-Politiker Wolf-Michael Catenhusen, hält den Ansatz der US-Forscher für gefährlich. «Es wird ein Embryo im ersten Stadium erzeugt und anschließend zerstört», sagte er der «Welt». «Mit patienteneigenen pluripotenten Stammzellen gibt es eine ethisch unbedenkliche Alternative.»

Das Verfahren der US-Forscher klingt simpel, dennoch scheiterten in den vergangenen Jahren Forscherteams auf der ganzen Welt daran, es bei menschlichen Zellen anzuwenden: Die Wissenschaftler in Oregon hatten Zellkerne aus Hautzellen entnommen und einer Eizelle eingepflanzt, aus der die Erbinformation zuvor entfernt worden war. Aus der neuen Zelle entwickelte sich eine sogenannte Blastozyste, von der embryonale Stammzellen entnommen werden können.

Die Technik beschreiben sie detailliert im Fachblatt «Cell» (online). Die Eizelle musste für den Kerntransfer bei einem ganz bestimmten Entwicklungsstadium vorübergehend gestoppt werden, der sogenannten Metaphase. Zudem nutzten die Forscher während des Verfahrens eine koffeinhaltige Lösung.

«Eine gründliche Untersuchung der durch diese Methoden gewonnenen Stammzellen hat ihre Fähigkeit, sich wie normale embryonale Stammzellen in viele andere Zellarten zu verwandeln, bestätigt», sagte Forschungsleiter Shoukhrat Mitalipov laut Mitteilung. Sie könnten einmal Nerven-, Leber-, Herz- und andere Zellen ersetzen. «Darüber hinaus gibt es kaum die Gefahr, dass der Körper die mit seiner eigenen Erbinformation geschaffenen Zellen abstößt.»

Die Experimente in den USA ähneln einem Ansatz, mit dem vor fast zehn Jahren der südkoreanische Stammzellforscher Hwang Woo Suk für großes Aufsehen sorgte. Seine Ergebnisse stellten sich im Nachhinein jedoch als gefälscht heraus. Nach Angaben von Brüstle haben die Forscher in den USA jetzt das angewandte Verfahren optimiert.

Nach dem Klonschaf Dolly, das 1997 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, hatte sich zum einen eine Euphorie in der Forscherszene breitgemacht. Zum anderen war aber immer davor gewarnt worden, ethische Grenzen zu überschreiten und «Gott zu spielen». Die Geburt von Dolly gilt als Durchbruch beim Klonen von Säugetieren, da bei ihm eine ausdifferenzierte Zelle als Spender der Erbinformation diente. Zuvor gab es zwar schon Klonschafe, für deren Herstellung waren jedoch embryonale Zellen genutzt worden, die sich ohnehin in jedes Gewebe verwandeln können.

Der forschungspolitische und der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Rupprecht und Jens Spahn, erklärten in einer Mitteilung: «Versuche, menschliches Leben zu klonen, sind mit der Menschenwürde unvereinbar.» Der stellvertretende forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, René Röspel, warnte vor übertriebenen Berichten über Heilungschancen, die nur «Scharlatanen und Kriminellen» helfen würden.
zurück
Seite:1234
weiter
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Gesundheitsrisiken durch Pflanzenschutzmittel

Mischwesen aus Zellen von Mensch und Affe erzeugt

  Kommentierte Artikel

Dramatische Klimaänderungen zu beobachten - Weltklimarat legt neuen Bericht vor

Flächenverbrauch mit schuld an Hochwasserkatastrophe?

Fast die Hälfte der globalen Lebensmittelverluste fällt in der Landwirtschaft an

Vegane Ernährung - ein Luxusproblem

Natürliche Randstreifen an Gewässern steigern Insektenzahl erheblich

Gute Getreideernte in Schleswig-Holstein erwartet

Söder fordert bundesweite Solar-Pflicht für Neubauten

Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte steigen deutlich

Kaum Harzer Käse aus dem Harz?

Hemmt Bürokratie Umstellung auf Öko-Landwirtschaft?

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt