Samstag, 25.09.2021 | 20:23:21
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
13.02.2011 | 08:22 | Gentechnikforschung 

Sicherheit kostet viel

Zürich - Ein Euro für die eigentliche Forschung, 1,26 Euro für die Sicherheit: Das Verhältnis der für den Freilandversuch mit Gentech-Weizen eingesetzten Mittel ist sehr ungünstig, sagt eine Studie von ETH-Professor Thomas Bernauer. Dies verhindert wohl weitere Feldexperimente in der Schweiz.

Schutz Versuchsfeld
Der Schutz des Versuchsfeldes auf dem Reckenholz hat hohe Zusatzkosten verursacht. (c) konsortium-weizen.ch

Alles hat seinen Preis. Besonders die Sicherheit. In einer soeben erschienenen Studie zeigen ETH-Professor Thomas Bernauer und seine Gruppe auf, wieviel die Sicherheit für den Feldversuch mit gentechnisch verändertem Weizen gekostet hat: Für jeden Franken, der für die Forschung im engeren Sinn ausgegeben wurde, mussten zusätzlich 1.26 Euro für die Sicherheit des Versuchs aufgewendet werden. Davon entfallen 78 Cents auf die Sicherheitsmassnahmen, mit denen die Versuchsfelder in Pully (VD) und auf dem Reckenholz bei Zürich vor Vandalen geschützt wurden, 31 Cents auf die Einhaltung der Biosicherheitsvorschriften und 17 Cents für die Begleitung und Kontrolle des Versuchs durch die Behörden.

«Der SNF hat wohl noch nie so viel dafür zahlen müssen, um die von ihm finanzierte Forschung vor der Gesellschaft zu schützen,», sagt Thomas Bernauer. «Wir haben zwar vermutet, dass die „Nebenkosten“ für die Sicherheit relativ hoch sind, dass sie aber so hoch sind, hat uns überrascht.»


Teure Bewachung

Insbesondere die Massnahmen zum Schutz der Versuchsfelder kosteten über 1,8 Millionen Franken (1,38 Mio. Euro). Nach Sabotageversuchen durch Vandalen in den Jahren 2008 auf dem Reckenholz und 2009 in Pully musste eine private Sicherheitsfirma das Feld im Reckenholz rund um die Uhr bewachen, um weitere Störaktionen zu verhindern.

Ausgenommen von der Nebenkosten-Kalkulation sind Kosten für Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Bernauer schätzt aber, dass das Budget für Öffentlichkeitsarbeit für das NFP 59 und den Feldversuch im Besonderen weitaus höher lag als bei normalen SNF-Forschungsprogrammen.

Bernauer und seine Gruppe befassten sich bewusst nicht mit der Frage, ob und in welchem Ausmass die Zusatzkosten sinnvoll und vertretbar sind. Die Sicherheitskosten für den Feldversuch lassen sich zudem kaum vergleichen mit den Kosten, die bei Versuchen mit gefährlichen Viren oder Hochenergietechnologien entstehen. Denn dort besteht in der Regel bereits eine Sicherheitsinfrastruktur, die der SNF nicht mitfinanzieren muss.


«Protected sites» einrichten

Die Studie zeigt dagegen Möglichkeiten auf, wie die Kosten für die Sicherheit zu senken sind. Bernauer schlägt vor, so genannte «protected sites» einzurichten; permanente, durch entsprechende Infrastruktur - Zäune, elektronische Sicherung - gut geschützte Versuchsfelder.

Wenig Sparpotenzial sieht der ETH-Professor hingegen bei den Biosicherheitsmassnahmen. Das zuständige Bundesamt für Umwelt BAFU hat diesbezüglich wenig Spielraum, da bestehendes Gesetz diese verlangt. Wolle man bei der Biosicherheit sparen, laufe dies auf Änderungen der gesetzlichen Grundlagen hinaus, und das ist laut Bernauer «indiskutabel». «An der Biosicherheit herumzuschrauben um Kosten zu sparen, ist politisch der falsche Weg.»


Expertise geht verloren

Für Wilhelm Gruissem, Professor für Pflanzenbiotechnologie an der ETH Zürich, rückt die Studie die Problematik ins richtige Licht. Weltweit werde Forschung und Entwicklung zu neuen gentechnisch veränderten Pflanzen vorangetrieben, vermehrt auch in Entwicklungs- und Schwellenländern. «Wenn die Schweizer Forscher hier nicht mithalten können und wir aufgrund hoher Sicherheitskosten keine gentechnisch veränderten Pflanzen in Feldexperimenten in der Schweiz untersuchen können, verlieren wir nicht nur Forschungsinnovation sondern auch - und das ist vielleicht viel wichtiger - die notwendige Expertise», sagt Gruissem.

Er vertrete diese Haltung seit Jahren, habe aber das Gefühl, dass die Schweizer Politik die Fakten bezüglich der Wirkung von Gentech-Pflanzen auf Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität ignoriere. So ist zum Beispiel das gentechkritische Forschungsinstitut für Biolandbau (FiBL) zum Schluss gekommen, dass Bt-Mais unschädlich ist. «Warum brauchen wir dann einen Hochsicherheitstrakt, um solche gentechnisch veränderten Pflanzen im Feld zu testen?», fragt sich der ETH-Professor. Das Problem liege demnach eher bei der gezielten Falschinformation von Gentech-Gegnern und dem daraus resultierenden Anreiz Feldexperimente zu zerstören.


Politisch motiviertes Forschungsprogramm

Das NFP 59 «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» war eine Reaktion des Bundesrats auf das im Jahr 2005 vom Volk verlangte Moratorium für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVP). Daraufhin erhielt die Forschung den Auftrag, in der Zeit des Moratoriums Erkenntnisse zu Nutzen und Risiken von GVP zu gewinnen und diese der Politik als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen. Als Teil des NFP 59 fanden in Reckenholz (ZH) und Pully (VD) Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Weizen statt. Untersucht wurde, ob die im Labor festgestellte Resistenz dieser Pflanzen gegen die Pilzerkrankung Mehltau auch im Freiland besteht und welche Auswirkungen die Pflanzen auf die Umwelt haben. Die Wissenschaftler präsentierten kürzlich an einer Tagung erste Ergebnisse. Diese zeigen keine negativen Einflüsse des gentechnisch veränderten Weizens auf die Biosicherheit.

ETH Life - Das Online-Magazin der ETH Zürich, Peter Rüegg, 10.02.2011
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Kommentierte Artikel

Schweinehalter in Existenzkrise

Mühlen suchen verzweifelt nach Hartweizen

Agrarminister fordert Aberkennung der Gemeinnützigkeit für Peta

Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft beklagt Kostendruck

2.000 Quadratmeter zum (Über-)Leben?

Zuckerrüben: Zuckerwirtschaft geht von guter Entwicklung aus

Getreideaufkommen auf 42,1 Millionen Tonnen veranschlagt

Mehr Starkregen: Vor allem Städte müssen umdenken

Nur unterdurchschnittliche Getreidernte in Baden-Württemberg 2021

Schwankungen und Starkregen: Schwächere Ernte 2021

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt