Montag, 20.09.2021 | 17:30:34
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
22.11.2009 | 14:46 | Nutztierforschung 

Wenn Kälber schon im Mutterleib zu schnell wachsen

Dummerstorf - Das extreme Wachstum von Kälbern im Mutterleib und die damit verbundenen Folgen stellten lange Zeit Forscher und Züchter gleichermaßen vor dauerhafte Probleme.

Kälber
(c) proplanta

Zahlreiche Studien zeigten zudem, dass das Wachstum von Säugetieren im Mutterleib auch erheblichen Einfluss auf ihr Leben nach der Geburt hat. Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf ist in Zusammenarbeit mit Forschern des Helmholtz Zentrums München, der Technischen Universität München und japanischen Forschern eine wegweisende Entdeckung zu den erblichen Grundlagen unterschiedlichen fötalen Wachstums im Mutterleib gelungen. Sie identifizierten genetische Mechanismen bei Rindern, die für wesentliche Veränderungen in der vorgeburtlichen Wachstumsphase verantwortlich sind.

Erstmals wurde eine Genvariante im so genannten NCAPG-Gen auf dem Rinderchromosom 6 entschlüsselt, die signifikant die Entwicklung von Föten im Mutterleib beeinflusst (siehe HINTERGRUND). Die zentralen Ergebnisse der Studie zu den Grundlagen des fötalen Wachstums beim Rind werden in der aktuellen November-Ausgabe der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift Genetics veröffentlicht. „Die Veränderung im NCAPG-Gen ist entwicklungsgeschichtlich relativ jung, allerdings bei vielen Rassen verbreitet. Über die Funktion dieses Gens, das bei niederen Organismen wie der Fruchtfliege maßgeblich an der Zellteilung beteiligt ist, war bislang bei Säugetieren noch nichts bekannt“, erläutert Privatdozentin Dr. Christa Kühn vom Forschungsbereich Molekularbiologie des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie.

Im Zentrum der Untersuchungen stand die Frage, welche genetischen Veränderungen für ein hohes Gewicht von Rinderkälbern im Mutterleib ausschlaggebend sind. Ein zu hohes Gewicht führt häufig dazu, dass die Tiere unter schwierigen Bedingungen oder nur noch tot geboren werden. Nun ist es erstmals möglich, über einen Gentest eine Genvariante nachzuweisen, die es ermöglicht, künftig eine gezielte Selektion an Tieren vorzunehmen. Mit dieser Auswahl sollen Kälber mit zu hohen Geburtsgewichten vermieden werden (siehe HINTERGRUND). Die Ergebnisse sind damit für Fragen des Tierschutzes und auch für Züchtungsaspekte in der Rinderproduktion relevant. Darüber hinaus gibt die Studie wichtige Hinweise für die weitere Grundlagenforschung. So hat das extreme Wachstum von Föten häufig erhebliche Konsequenzen für das Leben nach der Geburt. Beim Menschen fördert diese Entwicklung beispielsweise Diabetes oder auch Fettleibigkeit.

Das Leibniz-Institut für Nutzierbiologie zeichnete sich federführend in diesem Projekt. Neben der Konzeption beinhaltete dies die Erfassung der Phänotypen (Erscheinungsbild, Summe aller Merkmale), die genetische Typisierung und auch die Auswertung der Ergebnisse. Die Studie ist wiederum ein Teilprojekt des bereits seit zehn Jahren laufenden Projektes SEGFAM, das die ursächlichen Mechanismen für Unterschiede im Wachstum und der Milchabgabe (Laktation) bei Rindern erforscht. Die Untersuchung zeigt zudem beispielhaft, wie sich die Mission des Instituts, anwendungsorientierte Grundlagenforschung zu betreiben, umsetzen lässt. Am Anfang stand mit der Bearbeitung des hohen Geburtsgewichts von Rindern ein anwendungsbezogenes Problem im Zentrum. Indem neue, möglicherweise wesentliche Mechanismen zur Regulation des fötalen Wachstums beleuchtet werden, wird gleichzeitig auch ein Beitrag zur Grundlagenforschung geleistet.

Die Forschung zum NCAPG-Gen beim Rind, wird künftig in zwei Richtungen fortgesetzt. Es werden einerseits die Einsatzmöglichkeiten von Gentests in der Praxis vertiefend analysiert. Dazu sind bereits Kooperationen mit verschiedenen Rinderzuchtverbänden angelaufen. Andererseits geht es darum weitere Grundlagenuntersuchungen durchzuführen, um mehr über die Funktionsweise des NCAPG-Gens bei Säugetieren zu erfahren.


HINTERGRUND – Ablauf der Studie

Charolais-Bullen und Deutsche Holstein-Kühe, die miteinander gekreuzt wurden, bilden die Basisgeneration (P0) für die spezifisch erstellte Untersuchungspopulation (= Ressourcenpopulation). Über Besamung und Embryotransfer (= Übertragung von befruchteten Eizellen eines Spendertieres auf Empfängertiere) entstand die erste Nachkommengeneration (F1), die wieder durch Verpaarung untereinander mittels Besamung und Embryotransfer zur zweiten Nachkommengeneration (F2) fortgeführt wurde. Empfängermütter beider Nachkommengenerationen waren Deutsche Holstein. Die Gewinnung und der Transfer aller Embryonen erfolgten am Leibniz-Institut für Nutzierbiologie, in dem auch alle Kälber geboren wurden.

Nach Erstellung der Ressourcenpopulation erfolgte zunächst die erste grobe Identifizierung der für das Wachstum von Föten wichtigen Regionen im Genom des Rindes. Dabei zeichnete sich schnell das Rinderchromosom 6 als ganz wesentlich ab. Der anfangs nur grob eingegrenzte Bereich auf dem Chromosom wurde in einem nächsten Schritt feinkartiert. Anschließend wurde durch die Einbeziehung weiterer wissenschaftlicher Studien, die Analyse der zuvor erstellten Genkarten sowie durch Hinweise der beteiligten Wissenschaftler aus Japan und München das NCAPG-Gen identifiziert. In diesem wurde dann systematisch nach Genvarianten gesucht. Unter ihnen fand sich im Ergebnis die mit dem Wachstum im Mutterleib verknüpfte Mutation (relevante dauerhafte Veränderung des Erbgutes), die das Wachstum der Föten maßgeblich beeinflusst. (fbn)
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Kommentierte Artikel

Mühlen suchen verzweifelt nach Hartweizen

Agrarminister fordert Aberkennung der Gemeinnützigkeit für Peta

Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft beklagt Kostendruck

2.000 Quadratmeter zum (Über-)Leben?

Zuckerrüben: Zuckerwirtschaft geht von guter Entwicklung aus

Getreideaufkommen auf 42,1 Millionen Tonnen veranschlagt

Mehr Starkregen: Vor allem Städte müssen umdenken

Nur unterdurchschnittliche Getreidernte in Baden-Württemberg 2021

Schwankungen und Starkregen: Schwächere Ernte 2021

Niedersachsen will Abschuss von Wild erleichtern

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt