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20.06.2012 | 05:24 | Abschlussarbeiten ausgezeichnet 

Wilhelm-Rimpau-Preise wurden auf den DLG-Feldtagen verliehen

Frankfurt/Main - Drei innovative und praxisnahe Diplom- bzw. Masterarbeiten in der Pflanzenproduktion ausgezeichnet.

Wilhelm-Rimpau-Preisträger 2012
(c) dlg

Die Preisträger sind: Charlotte Hogrefe von der Hochschule Neubrandenburg, Eiko Tjaden von der Universität Göttingen und Sonja Eckard von der Universität Konstanz und der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART (Schweiz)

Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) hat im Rahmen ihrer Feldtage am 19. Juni 2012 auf dem Gelände ihres Internationalen Pflanzenbauzentrums in Bernburg-Strenzfeld (Sachsen-Anhalt) die Wilhelm-Rimpau-Preise für das Jahr 2012 verliehen. Damit hat die DLG nunmehr bereits zum siebten Mal drei innovative und praxisnahe Diplom- bzw. Masterarbeiten in der Pflanzenproduktion ausgezeichnet.

Eine unabhängige Jury wählte im Auftrag des DLG-Vorstandes aus den eingereichten, sehr guten Arbeiten drei besonders herausragende aus. Die Preisträger kommen in diesem Jahr von den Hochschulen Neubrandenburg und Göttingen sowie von der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART (Schweiz) und der Universität Konstanz.

Der Preis ist nach Wilhelm Rimpau, dem „Vater der deutschen Pflanzenzüchtung" und Gründer der Saatzuchtabteilung der DLG benannt. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer und DLG-Ehrenmitglied Prof. Dr. Jürgen Rimpau, ein Ur-Enkel von Wilhelm Rimpau, übergaben die Preise im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung.


Erster Preis an Charlotte Hogrefe, Hochschule Neubrandenburg

Der mit 2.000 EUR dotierte erste Preis geht an Charlotte Hogrefe von der Hochschule Neubrandenburg für ihre Masterarbeit zum Thema „Untersuchungen zur Herbizidresistenz in verschiedenen Feldpopulationen von Ackerfuchsschwanz in Deutschland".

Die Arbeit wurde von Prof. Dr. Große Hokamp betreut. Herbizidresistente Ackerfuchsschwanzpopulationen bereiten der Praxis seit Langem große Sorgen. Die Resistenz nimmt seit den 1980er Jahren ständig zu und ist auf manchen Standorten kaum noch beherrschbar.

Die Gründe sind schnell aufgezählt: auf schweren, feuchten und tonhaltigen Böden permanenter Einsatz gleicher Wirkstoffe, Unterdosierung, einseitige, wintergetreidebetonte Fruchtfolgen, reduzierte, nicht wendende Bodenbearbeitung und frühe Septembersaaten.

Das Problem: Wirkstoffgruppen mit neuartigem Wirkungsmechanismus sind auch langfristig nicht zu erwarten. Das Faszinierende an der Arbeit von Charlotte Hogrefe ist die Breite der Herangehensweise: Sie hat sowohl ganz praktisch vor Ort in vier Problem-Betrieben die Herbizidpraxis erhoben, Proben der Fuchsschwanzbiotypen der vier Standorte im Labor in Dosis-Wirkungsversuchen auf ihre Resistenz gegen die verschiedenen Wirkstoffgruppen untersucht, in DNA-Sequenzierungen Mutationsorte definiert und schließlich wieder ganz praktisch in Sequenzapplikationen verschiedener Wirkstoffe herausgefunden, wie man in der Praxis die größten Bekämpfungserfolge erzielen kann.

Ihr Fazit lautet: Nur mit der Kombination von unterschiedlichen Wirkstoffen und Wirkmechanismen im Vorsaatverfahren, Vorauflauf und Nachauflauf, erfolgreich aber nur in Verbindung mit veränderten produktionstechnischen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Fruchtfolge, des Saattermins und der Bodenbearbeitung, lassen sich langfristig Herbizidresistenzen vermeiden.

Die Arbeit von Charlotte Hogrefe geht auf Grund der außergewöhnlichen Breite des Forschungsansatzes wie auch in der bestechenden Qualität der Ausführung weit über das normale Maß einer Masterarbeit hinaus. Hinzu kommt die besondere Bedeutung und Praxisnähe des Themas.

Charlotte Hogrefe stammt von einem Ackerbaubetrieb im Calenberger Land und hat nach dem Abitur bis 2011 Pflanzenbauwissenschaften in Neubrandenburg studiert - mit der Fachrichtung Pflanzenproduktion, Ökonomie und Phytomedizin. Sie ist heute Beraterin bei einem Beratungsunternehmen in Hannover.


Zweiter Preis an Eiko Tjaden, Universität Göttingen

Der mit 1.500 EUR dotierte zweite Preis geht an Eiko Tjaden von der Georg-August-Universität Göttingen für seine Diplomarbeit mit dem Thema „Einfluss von Verticillium longisporum auf die Resistenz von Raps gegenüber Sprosspathogenen".

Die Arbeit wurde in der Abteilung Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz von Prof. Dr. Andreas von Tiedemann betreut. Der Rapsanbau hat zunehmend mit den vier Pilzkrankheiten Verticillium - Krankhafte Abreife, Sclerotinia - Weißstängeligkeit, Phoma lingam - Wurzelhals- und Stängelfäule und Botrytis - Grauschimmel zu tun. Allein Verticillium ist bislang nicht direkt bekämpfbar.

Die Arbeit von Eiko Tjaden untersucht die Wechselwirkungen der vier Krankheiten. Ausgang war die Beobachtung, dass sich in Verticillium befallenen Pflanzen Phytohormone wie die Salicylsäure deutlich anreichern. Diese wiederum führt zu induzierter Resistenz gegen andere Krankheiten.

Es lag also nahe zu fragen, ob der Verticillium-Befall den Befall mit den pilzlichen Folgekrankheiten mindert und nicht - wie man als Folge der Schwächung der Pflanze annehmen würde - erhöht. Ergebnis ist, dass sich der Befall mit Weißstängeligkeit als Folge der Infektion mit Verticillium tatsächlich deutlich vermindert und der Befall mit Phoma nicht zunimmt.

Mit der Arbeit ist es dem Preisträger gelungen, eine exzellente Wissenschaft mit direktem Bezug zur Praxis zu verbinden. Auffallend ist nicht nur die sorgfältige Laborarbeit mit der durchaus schwierigen Bonitur der Krankheiten, sondern auch das Talent von Eiko Tjaden, die wesentlichen Dinge in kondensierter Form und sinnlogischer Abfolge verständlich darzustellen.

Die Diskussion der validen, robusten und innovativen Ergebnisse gelingt als bestechend klar und logisch. Die Arbeit wurde von Prof. von Tiedemann mit der selten vergebenen Note von 1,0 bewertet. Eiko Tjaden kommt aus Greetsiel, Ostfriesland. Er studierte Landwirtschaft mit dem Schwerpunkt Pflanzenproduktion in Göttingen. Heute ist er als Pflanzenbauberater Mitarbeiter der AGRAVIS Raiffeisen AG in Münster.


Dritter Preis an Sonja Eckard, Universität Konstanz/Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART (Schweiz)

Der mit 1.000 EUR dotierte dritte Preis geht an Sonja Eckard von der Universität Konstanz und der Eidgenössischen Forschungsanstalt ART in Zürich für ihre Masterarbeit zum Thema „Auftreten von Fusarien und Fusarium-Mykotoxinen in Silomais ".

Die Arbeit wurde an der Forschungsanstalt in Zürich durchgeführt und von Prof. Dr. Andreas Lüscher als auch von Prof. Dr. Kurt Mendgen von der Universität Konstanz betreut. Mais wird wie auch Getreide von Schimmelpilzen, den Fusarien, bedroht.

Im Ernteprodukt entstehen Mykotoxine: die DONs, ZONs und FUMs. Im Gegensatz zu Weizen und Körnermais ist die Befallssituation beim Silomais noch weitgehend unbekannt. Die Preisträgerin sammelte 20 Praxisernteproben. Während bei der Bonitur an Stängeln und Kolben kaum Symptome erkennbar waren, ergaben Laboruntersuchungen einen Befall von 25 % bis 75 % der Proben.

Zwölf verschiedene Fusarium-Arten wurden ermittelt. 21 % der Proben lagen für DON über einem Grenzwert bei Kälbern. 68 % der Proben ergaben für ZON eine Grenzwertüberschreitung bei der Fütterung in der Sauenhaltung. Sonja Eckard suchte nach Korrelationen zu Anbauverfahren und fand gesicherte Beziehungen zum Erntedatum (je später umso höher der Befall) zur Vor-Vor-Frucht (nicht jedoch zur Vorfrucht) und zur Saatgut-Beizung.

Ziel dieser Forschung, die weiter geführt werden muss, ist letztlich die Herausgabe von Empfehlungen an Landwirte zur Vermeidung von Fusarium-Befall und Mykotoxin-Kontaminationen. Bei der Arbeit von Sonja Eckard sind internationale Standards hochwertigster Wissenschaft erkennbar. Darüber hinaus zeichnet sie sich durch absolute Praxisnähe, hohen Innovationsgehalt und hohe Wissenschaftlichkeit aus.

Die Preisträgerin stammt aus Lahnstein bei Koblenz und hat nach dem Abitur in Konstanz Biologie mit der Vertiefung Phytopathologie, Mikrobielle Ökologie und Zellbiologie studiert. Sie promoviert seit kurzem im Bereich ökologischer Pflanzenschutz in Zürich. (dlg)
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