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Lost in Iceland | Auslandserfahrungen im Agrarbereich

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Lost in Iceland
Map-Nr.:

15938

Titel:

Lost in Iceland

Beschreibung:

Wie 3 Monate Farmworking auf Island ein Leben verändern können.

Als ich mein dreimonatiges Praktikum auf einer isländischen Farm begann, hatte ich weder damit gerechnet, dass ich Jahre später im siebten Semester Pferdewirtschaft studiere, noch dass ich mich für einen Master in Agrarwirtschaft interessieren würde.
Es sollte nach dem Abi 2007 ein spannendes Jahr im Ausland werden und mit vorangegangen Aufenthalten auf Mallorca und Teneriffa landete ich im Juli 2008 als islandpferdeverrückte Reiterin am Reykjavik International Airport.

Den Hof hatte ich über ein Islandpferdeforum im Internet gefunden und so freute ich mich auf einen Sommer in Mitten von 150 Pferden. Mit dem, was mich letzten Endes erwartete, hatte ich allerdings überhaupt nicht gerechnet.

Das Erste, was mir entgegenschlug, war dieser eisige Wind. Während ich nach meiner Winterjacke suchte, wurde ich von einem netten Herrn in kurzen Shorts mit den Worten: "What a hot day!" angesprochen. Wie sich herausstellte, sollte dieser nette Herr mein Gastvater für die nächsten drei Monate sein. Warum ich in einer dicken Winterjacke meinem Gastvater in kurzen Shorts gegenüberstand, ist einfach zu erklären.

Auf Island kann man den schönsten Sonnenschein und 20 Grad haben (wärmer wird es im Sommer nur selten) und zeitgleich schlägt einem auf der anderen Seite des Fjordes Regen und Schnee entgegen. Für mein sonnengebräuntes Gemüt eine frostige Erfahrung!

Die Isländer lieben aber ihre Insel und ertragen deren Laune mit Einfallsreichtum und einer großen Portion Gelassenheit. Sie stehen deswegen auch total auf Outdoor-Zwiebel-Look, Strickpullis und Geländewagen mit ganzjähriger Winterbereifung.

Aber zurück zu meinem Gastvater und seiner Familie. Ich landetet in einem großen Haushalt, bestehend aus besagtem Gastvater, seiner Frau, den drei Kindern und noch drei weiteren deutschen Farmarbeiterinnen.

Die Farm liegt im Süden Islands zwischen Hvolsvöllur und dem nun so bekannten Eyjafallajökull (sprich:" Äjafjatlajökütl",das ist der Vulkan, der bei seinem Ausbruch halb Europa lahm gelegt hat! Nebenbei gesagt, die Isländer selbst fanden es unglaublich lustig. Erstens ist es völlig normal, dass die Erde wackelt und zweitens, weil halb Europa unglaubliche Probleme bei der Aussprache besagten Vulkans hat.)

Die Landschaft im Süden Islands ist flach und durch das Auftreffen des Golfstroms an der Küste entsprechend mild und grün und deswegen gut geeignet für Rinder- Schaf- und Pferdezucht. Ackerbau wird auf Island eher spärlich betrieben. Die meisten Flächen müssen erst befahrbar gemacht werden, und dank des kurzen verhältnismäßig kühlen Sommers ist auch nur begrenzt der Anbau von Kartoffeln und Getreide möglich. Der Betrieb besitzt 360 ha Fläche, davon sind allein 300 ha Weideland für rund 80 Schafe, 150 Pferde und 40 Milchkühen plus ein paar Jungbullen und Färsen. Der Rest der Fläche dient zur Silagegewinnung sowie dem Anbau von Kartoffeln und Getreide.

Da der isländische Sommer maximal aus drei bis vier Monaten besteht, muss in dieser Zeit alles rund um Haus und Hof erledigt werden, um dann über den strengen Winter zukommen. Unsere Tagesablauf sah auch entsprechend aus!

Um sieben Uhr ging es los mit dem Kuhstall. Während zwei von uns Arbeiterinnen mit dem Melken anfingen, waren die anderen zwei mit füttern, Mist schieben, und dem Pferdestall beschäftigt.

Ich gebe zu, an den Umgang mit Kühen musste ich mich erst gewöhnen. Das war nicht wirklich das, was ich erwartet hatte. Aber die isländische Kuh mit ihrem lustigen Aussehen und ihren Eigenarten und nicht zuletzt Kristin, die mich mit ihrem ganzen Wissen fachmännisch an die Kuh brachte, sorgten dafür, dass ich innerhalb kürzester Zeit tierischen Spaß an der Sache entwickelte.

Etwa um zehn Uhr waren wir fertig und gingen mit frischer Milch und Eiern aus dem Hühnerstall erst einmal ausgiebig essen. Wir nutzen meistens die Zeit um die Tagesarbeiten zu verteilen. Darunter fielen Zäune ziehen oder reparieren, die Pferde trainieren, die Kühe versorgen, Silage einholen, die Kartoffeln und das Getreide ernten, Haus und Hof winterfest machen, das regelmäßige Schlachten sowie täglich Kuchen backen.

Ja, auch Kuchenbacken stand auf dem Plan. Dazu muss man sagen, Isländern sind Kaffee und Kuchen heilig, zu allem anderen konnten wir gerne zu spät kommen, aber für Kaffee und Kuchen mussten wir alles stehen und liegen lassen. Ich glaube, nach den Kühen waren Kaffee und Kuchen der zweitwichtigste Punkt auf der Tagesordnung! Selbstverständlich war auch noch alles, was dem Chef sonst noch so in den Kopf kam, zu erledigen.

Was auch schon mal bedeuten konnte, dass wir spontan einen Tag frei bekamen und uns mit dem Auto die Insel anschauen konnten, Ziele solcher Touren waren oft das Hochland, Geysir und Gullfoss oder Thingvellir. Die isländische Natur bietet viele beeindruckende Sehenswürdigkeiten, welche diese Insel so unvergleichbar machen.

Wir wurden auch spontan an den Nachbarhof „ausgeliehen" nur um dort ein großes rauschendes Fest zu organisieren. Hatten wir einen „icelandic holiday" so begrenzte sich unsere Arbeit nur auf den Stall. Bei waagerecht kommendem Regen war allein der Weg über den Hof schon Abenteuer genug.

Abschluss eines jeden Tages fanden wir wieder im Kuhstall, danach suchte man um 22 Uhr irgendwie den Weg zum Essen, und wenn man nicht mit dem Kopf über dem Teller schon längst eingeschlafen war, dann auch noch irgendwie den Weg ins Bett.

Natürlich hat man auch so seine Highlights, die diese drei Monate unvergesslich gemacht haben. So werden die Schafe im Frühjahr einfach zur Tür herausgelassen und laufen den ganzen Sommer auf den Weideflächen herum. Da sie sich selbstverständlich an keinen Zaun halten, müssen sie im Herbst wieder eingesammelt und sortiert werden. Dies geschieht landesweit immer in der selben Woche im September. Auf Island ist das ein Event für die ganze Familie. Es werden morgens schon sehr früh die Pferde gesattelt, und die Erwachsenen reiten los, um die Schafe einzutreiben.

Die Beschaffenheit und Besonderheiten der Insel lassen keinen Einsatz von modern Hilfsmitteln wie Quads und Motorrädern zu. Deshalb sitzt man den ganzen Tag im Sattel und hat in der Regel ein bis zwei Handpferde dabei, um bei Ermüdung der Pferde rechtzeitig zu tauschen. Die Schafe werden dann in große Ovale getrieben, welche aussehen wie große Räder mit Speichen. Jeder Hof besitzt eine Speiche. Die Schafe werden dann von Hand aussortiert. Das Sortieren ist jedes mal eine Gaudi für Jung und Alt.

Ähnlich wird mit den Pferden verfahren, die die ersten vier Jahre wild auf den Weideflächen aufwachsen dürfen. Dazu kommen noch Stutenherden mit Fohlen, Hengstherden und die Reitpferdeherden. Die Isländer sind sehr stolz auf Ihre Pferde. Sie haben einen hohen Stellenwert in der Geschichte Island und werden seit Jahrhunderten in Reinzucht gezogen. Wichtig ist nach wie vor, dass diese Tiere selbst in der Lage sind, in dieser unwirklichen Gegend zu überleben. Es wird verhältnismäßig wenig eingegriffen, und darauf sind die Isländer mächtig stolz. In Mitten solcher Herde mitzureiten ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Was man trotzdem nicht vergessen darf, das Pferd ist dort der nächstgrößere Fleischlieferant. Als deutsche verwöhnte Reiterin muss man sich auf Island auf so einiges einlassen. Umgangston und Lebensstill sind manchmal so rau wie die Insel selber. Wer damit ein Problem hat, dass die Tiefkühltruhe voller Pferdefleisch ist, wird es nicht leicht haben, da die Isländer sehr fleischlastig essen. Hinzu kommt, wie in vielen skandinavischen Länder ein gewisser Alkoholkonsum. Was ich den Isländern aber sehr zu Gute halte ist, dass sie trotzdem nie unangenehm werden. Es sind immer sehr freundliche Menschen mit viel Charme und Herz und es steht jede Tür offen, egal wer da kommt und geht. Hinzukommt dass viele Höfe entsprechend zugerümpelt sind. Der Weg zur nächsten Stadt ist weit, da wird nichts weggeworfen. Wer solche Dinge herunterschlucken kann, wird auf Island eine tolle Zeit erleben. Diese Insel ist so fremd für unsere Augen, dass es was unglaublich Magisches hat und man irgendwann, wie die Isländer selbst, anfängt an allen Ecken und Ende Trolle und Elfen zu sehen.

Organisatorisch ist noch zu erwähnen, dass drei bis vier große Fluggesellschaften von den meisten großen deutschen Flughäfen Island anfliegen. Je nach Zeitverschiebung dauert der Flug drei bis vier Stunden. Die Isländer sprechen fast alle sehr gut Englisch und außer um eine Auslandskrankenversicherung für die drei Monate musste ich mich auch um nichts weiter kümmern. Island ist sehr europäisch orientiert und hat einen entsprechenden Lebensstandart.

Die Preise sind allerdings richtig heftig. Ein kleines Stück Pizza kostet fünf Euro. Das tut aber nicht weiter weh, weil man auf dem Land keine Gelegenheit hat, Geld auszugeben. Ich habe mein Gehalt deshalb in ein Pferd investiert und es mit nach Deutschland gebracht. Ich weiß bis heute nicht, warum ich in diesen endlosen Sommernächten so einige Entscheidungen getroffen habe, die meine Leben so verändert haben.

Schlagworte
Praktikumsbericht Kühe Schafe Hvolsvöllur Eyjafallajökull Island Sommer Erfahrungsbericht Pferde Auslandspraktikum Praktikum Island
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