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Akwaaba - Willkommen an Afrikas Goldküste | Auslandserfahrungen im Agrarbereich

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Akwaaba - Willkommen an Afrikas Goldküste
Map-Nr.:

15936

Titel:

Akwaaba - Willkommen an Afrikas Goldküste

Beschreibung:

Akwaaba - Willkommen an Afrikas Goldküste

Wie es dazu kam

Nachdem ich mich entschlossen hatte nach Wien zu gehen um dort Internationale Entwicklung zu studieren, musste ich nach geraumer Zeit feststellen, dass mir die konkrete Vorstellung fehlte in welchem Bereich ich nach diesem Studium tätig werden könnte. So begann ich mir Vorlesungen den Agrarwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien anzuhören. Durch einen Freund erfuhr ich dann von einem Praktikum im Agrarsektor in Ghana.

Mit wenig Erwartung auf eine Zusage bewarb ich mich also bei MOAP (Market Oriented Agriculture Programme) ein Programm der GIZ (Gesellschaft Internationaler Zusammenarbeit damals GTZ t= technische) in Ghana, welches sich auf die Förderung von Wertschöpfungsketten unterschiedlicher Agrargüter (vor allem Früchte), die Verbesserung der Effizienz des öffentlichen Sektors und die Unterstützung von Institutionen im Privatsektor konzentriert.

Einige Monate später erhielt ich eine ziemlich kurzfristige Zusage und sollte binnen drei Wochen in Ghana sein. Da ich vorher noch nach Deutschland musste war sich ziemlich froh, dass die GIZ sich um mein Visum kümmerte und mir ausreichend Geld für den Flug zur Verfügung stellte. Vor der Abreise wurde mir noch eine Aktenforschung in der Zentrale in Eschborn angeboten welche ich wahrnahm. Hierbei ging es dann wider Erwarten vor allem um Ghana, die Umstände welche mich dort  erwarten würden, Kleidungsempfehlungen etc. und nicht um die konkrete Auseinandersetzung mit der Thematik meiner Arbeit vor Ort. Um ein Zimmer sollte ich mich selbst vor Ort kümmern.

Dann ging es los.

Ghana: 30C°,  90% Luftfeuchtigkeit - diese Bedingungen verlangsamen alles. Sehr herzlich wurde ich vom Team empfangen. Meine Basis sollte in Cape Coast, einer kleinen Fischerstadt Richtung Elfenbeinküste, sein. Das Büro befand sich am Rande der Stadt im tropischen Grün.


MOAP - Market Oriented Agriculture Programme

MOAP unterstützt ca. acht Zweigstellen des Agrarministeriums  Ghanas welche sich auf die Promotion unterschiedlicher, regional angebauter Güter konzentrieren. So wird im Norden des Landes in Tamale vor allem die Produktion und Vermarktung von Pfeffer, Mango und Perlhuhn, in Sunayiani im Westen des Landes die Produktion von Mango, Maize und Grascutter in Hoehoe im Osten des Landes die Zucht von Mango, (vom Aussehen eine Art überdimensionale Ratte welche regional als Nahrungsmittel genutzt wird), in Cape Coast an der Westküste die Förderung der Wertschöpfungskette Ananas und Orangen und in weiteren Regionen von Cashewnüssen, Mais, Cassava und ähnlichen regionalen Gütern verbessert.

Sei es für den regionalen Markt oder für den Export; Wertschöpfungsketten werden analysiert, die Umstellung auf organischen Anbau wird wenn möglich für den Export eingeführt, logistische Tätigkeiten werden implementiert, integrative Schädlingsmethoden werden gelehrt und viele weitere Aktivitäten werden von MOAP unterstützt.

Nun hatte ich also meiner Meinung nach das Glück an der westlichen Küste im Ananassektor zu arbeiten. Die Ananassorte welche in dieser Region angebaut wird nennt sich Sugar Loaf und ist geschmacklich die wohl beste Ananas welche ich je in meinem Leben gegessen habe.

Das Fleisch der Frucht ist weiß und für den Laien mag sie von außen unreif aussehen, denn sie bleibt weitestgehend grün im Gegensatz zu den aus Süd- und Mittelamerika stammenden Sorten welche wir in Europa kennen. Ausgezeichnet ist diese Sorte durch einen niedrigen Säure-und einen hohen Zuckergehalt.

Meine erste Aufgabe war es einen Bericht über die Verwendung  von vier verschiedenen organischen Düngern (Kakaoschalen, Hühnermist, Palmnussfasern und Kompost) und einem konventionellen (MAP-Monoammoniumphosphat) Dünger auszuwerten. Hierzu lagen mir die chemischen Auswertungen der Universität Cape Coast und einige andere Unterlagen wie die Norm zum Säuremaximalgehalt von verschiedenen Exportfirmen vor. Die Auswertung der Früchte musste speziell für den lokalen Markt, für die Weiterverarbeitung, den Direktkonsum  und den Export bestimmt werden. Kriterien der Auswertung waren Kronenlänge, Fruchtlänge, Gewicht, Säuregehalt, Transluzenz, PH-Wert und Zuckergehalt. Das beste Ergebnis ergab sich aus der Verwendung von Kakaoschalen, sehr erfreulich, denn Ghana ist der weltweit drittgrößte Kakaoproduzent. Also eine optimale Verwertung der Produktionsreste.

Im weiteren Verlauf habe ich noch an einer Durchführung und Auswertung von eigenen Erhebungen zur Ermittlung der Wertschöpfung bei Marktfrauen und Mittelfrauen (Ananas wird vom Bauern aus immer über Mittelfrauen gehandelt) in der lokalen Ananaswertschöpfungskette gearbeitet. Workshops, strategische- und Planungsdiskussionen mit der Regionaldirektion es Landwirtschaftsministeriums, einige Ausbildungsmaßnahmen wie ein Fruchtfliegenschutzprogramm für den Befall von Mango und Marketingkurse waren mitunter weitere Aufgabenbereiche.

Zusammengefasst bestand meine Arbeit überwiegend aus Büroarbeit meistens in Form von Analysen und Auswertungen.  Ich habe sehr viel gelernt, vor allem mir meinen Weg durch ein fremdes Themengebiet zu bahnen und mich soweit mit der Materie auseinanderzusetzen, dass es mir möglich war völlig selbstständig zu arbeiten. Dabei hatte ich sehr großes Glück von tollen Menschen umgeben zu sein mit welchen es nicht nur viel Spaß gemacht hat zusammenzuarbeiten sondern auch meine Freizeit zu verbringen. Nach den vorgesehenen drei Monaten welche ich bleiben sollte, wurde mein Vertrag in gegenseitigem Interesse um zwei  Monate verlängert.

Das Praktikantenteam war sehr bunt gemischt (Ghana, Gabun, Tansania, Deutschland, USA), schnell haben wir uns alle sehr gut verstanden. Ich denke es ist sehr wichtig sich nicht als „Entwicklungshelfer“ zu sehen, sondern die Zusammenarbeit als einen produktiven Austausch zu nutzen in welchem jeder etwas lernen und lehren kann.  Soviel Wissen man auch hat, so arbeitet man doch unter völlig anderen Bedingungen, sei es logistisch oder im Zusammenhang mit der Umwelt. Sich völlig unvoreingenommen und offen auf andere Bedingungen einzulassen war nicht nur eine Lehre für dieses Projekt sondern eine Erfahrung und Bereicherung für mein Leben, welche ich nicht missen möchte.

Ghana

Ghana ist ein wunderschönes Land und wer es schafft sich dem gelassenen Rhythmus anzupassen und mit einfachen Verhältnissen zurechtkommt, kann eine phantastische Zeit haben.  An Gastfreundschaft wird in Ghana nicht gespart und mehr als einmal wurde ich auf der Straße von fremden Leuten zum Essen eingeladen.

Besonders gefallen hat mir auch, dass das ghanaische Essen fast ausschließlich aus lokaler Produktion stammt. Scharfe Erdnusssuppe mit Yam oder Fufu (eine feste Masse welche aus Plantain und Cassava mit einem Stock zusammen gestampft wird) und Fisch oder Ziege ist eines der beliebtesten Nationalgerichte. Eines der Gerichte bei welchem ich trotz allem Respekt für Offenheit doch etwas Probleme hatte ist Grasscutter. Diese Tiere werden manchmal am Straßenrand an allen Vieren aufgespannt zum Verkauf angeboten.

Wer mit Hitze nicht gut zurechtkommt ist in Ghana nicht besonders gut aufgehoben denn diese ist dort 24h am Tag wahrzunehmen. Ein jeder Ghanaer besitzt ein kleines „Handkerchief“ (Taschentuch), mit welchem sich ab und an, der ein oder andere Schweißtropfen aus dem Gesicht getupft wird. Ein „must-have“-Accessoire also. Die politische Situation Ghanas ist stabil und der wirtschaftliche Entwicklungsstand ist für Westafrika sehr gut, trotzdem muss man auf Stromausfall und ein paar Tage ohne fließendes Wasser gefasst sein. In solchen Situationen duscht man dann mit einer „Eimerdusche“ und wenn es keinen Strom gibt hat man entweder einen Generator oder man kann ein paar Stunden nichts tun, das Elektrizität benötigt.

Eine meiner Meinung nach wichtige Sehenswürdigkeit ist Elmina Castle, das erste europäische Handelszentrum unterhalb der Sahara. Später dann die erste und meist genutzte Festung im atlantischen Sklavenhandel. Unglaublich wenn man die Bedingungen sieht unter welchen Menschen „gehalten“ wurden und dass der legale Sklavenhandel erst 1833 verboten wurde. Circa eine Stunde nördlich von Elmina, befindet sich der Kakum Nationalpark in welchem man auf 40m hohen „canopy walkways“ über den Regenwald balanciert. Der Regenwald bietet aus solch einer Höhe einen gigantischen Anblick selbst ohne eine seiner 500 Schmetterlingsarten, Waldbüffel oder Elefanten gesehen zu haben.

Das Praktikum war eine tolle Erfahrung, welche mich in vielen Hinsichten geschult hat.

In meinem Team habe ich phantastische Leute kennengelernt, mit welchen ich immer noch in Kontakt stehe. Ich habe die Erfahrung in den Tropen zu arbeiten sehr genossen und habe mich nach diesem Praktikum dazu entschlossen Agrarwissenschaften an der Universität Bonn zu studieren.

Die Praktikumserfahrung hat auch meine Vorstellung von Afrika völlig verändert, denn weder habe ich je so viele Menschen mit digitaler Bibel in Form eines iPads in der Kirche gesehen, noch habe ich mich vorher je gefragt warum nicht einmal eine Gruppe ghanaischer Studenten nach Deutschland reist um dort ein Seminar über Gelassenheit zur Burnout-Vorsorge zu halten oder zu einem interkulturellen Austausch mit Dirndl und Schuhplattler kommt.

Die Möglichkeit einer Erfahrung im interkulturellen Austausch, sei es durch ein Auslandssemester oder ein Praktikum, sollte für afrikanische Studenten erleichtert werden. Ich denke diese Form der „Entwicklungshilfe“ wäre nachhaltiger.

Denn wer ist es denn, der sich am Ende wirklich weiterentwickelt hat?
Wer ist es, der sich einer Erfahrung bereichert?

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