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21.02.2013 | 15:12 | Ernährungsexperte 

Während der Fastenzeit genauer aufs Essen schauen

München - Langsamer essen, mehr schmecken und nebenbei noch etwas für die Gesundheit tun - statt auf reinen Verzicht setzt die Wiener Ernährungsexpertin Hanni Rützler in der Fastenzeit auf bewusste Ernährung.

Gutes Fleisch
(c) proplanta
«Man sollte der Nahrung mehr Chancen geben, mit den Geschmacksknospen in Berührung zu kommen, und nicht am Geschmack vorbei schlingen», sagte die Trendforscherin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa anlässlich einer Tagung an der Katholischen Akademie Bayern in München zur Fastenzeit.

Rützlers Ziel: Ein kritischer Esser, ein Genießer, der bewusst nach neuen Qualitäten beim Essen sucht. Dies sei gerade angesichts des aktuellen Pferdefleischskandals ratsam.

«Unsere Esskultur spiegelt schon auch unsere Werte wieder und an diesen Werten lohnt es sich, zu rütteln», findet Rützler. Hinter dem Skandal um Pferdefleisch in Rindfleischprodukten steckten kriminelle Machenschaften.

«Aber es hat auch damit zu tun, dass der Preisdruck beim Fleisch enorm ist.» Hier seien die Verbraucher gefragt, zumindest die, die nicht jeden Cent umdrehen müssten. «Wir sollten uns überlegen: Welches Fleisch wollen wir essen? Wie sollen die Tiere leben, die wir essen?», sagte die Ernährungsfachfrau. «Wenn sogar das Auto "Super" bekommt, könnten wir uns überlegen, was "Super" heutzutage bei den Menschen heißt.»

Bio-Lebensmittel seien zwar schon länger im Trend, doch es gebe noch viel Potenzial: Zum Beispiel Lebensmittel nicht nur in der Region herzustellen, sondern auch dort zu verarbeiten und die regionalen Kreisläufe bewusster zu schließen.

Fastenwilligen rät Rützler, die kommenden Wochen bis Ostern unter ein bestimmtes Thema zu stellen. «Ich fände es einen schönen Fastenvorsatz, zu sagen, ich esse in dieser Zeit ganz bewusst nicht nebenher. Ich esse bewusst nur das, was ich essen will und gehe dabei keinen faulen Kompromiss ein. Oder ich nutze die Fastenzeit, um mich bewusst auf die Suche nach neuen Qualitäten zu machen.» Das müsse nicht gleich Luxus sein: «Brotliebhaber könnten nach einem besonders guten Brot suchen.» Und Fleischesser könnten mal nicht zum Standardprodukt im Supermarkt greifen sondern Bioprodukte aus der Region wählen. «Lieber weniger Fleisch und dafür von guter Qualität», sagte Rützler.

Die Wienerin setzt beim Genießen auch auf Training. «Der Geschmack verändert sich durch Übung», erklärte sie. «Menschen, die nach einer Diät leben müssen, berichten am Anfang von großen Qualitätseinbußen.» Doch nach einiger Zeit ändere sich die Wahrnehmung. Rützler umschreibt das scherzhaft: «Man kann sich die Geschmacksknospen verderben in Richtung gut.» (dpa)
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