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19.05.2011 | 16:02 | Regenwaldzerstörung 

Biologische Vielfalt - Brasilien will Abholzungsrate des Regenwalds wieder steigern

Leipzig - Das Brasilianische Parlament diskutiert derzeit eine Novellierung des Forstgesetzes. Der von der Agrarindustrie vorangetriebene Neuentwurf würde laut dortiger Forscher eine starke Verringerung der Waldschutzgebiete in Brasilien bedeuten.

Urwald
(c) proplanta
Bisher durfte nur ein bestimmter Flächenanteil gerodet, entlang von Gewässern sowie an steilen Hängen kein Wald entfernt werden. Die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Waldschutzmaßnahmen sollen nun zugunsten der Plantagenwirtschaft aufgeweicht werden. Brasilianische Forscher formieren sich entsprechend gegen die neue Vorlage. Was die zu erwartende verstärkteAbholzung für den Regenwald, die davon abhängende Bevölkerung und das Klima haben kann, haben Deutsche Biodiversitätsforscher bereits gezeigt. NeFo hat zum UN-Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai einige Beispiele zusammengestellt.

Noch 2009 rühmte sich Brasiliens Regierung für die deutlich gesunkene Abholzungsrate. Mit der Neuregelung erwarten die Forscher eine Umkehr des Trends - mit erheblichen Folgen für die Ökosystemfunktionen. So speichert der Wald Wasser, das zum einen die Gewässer speist, die die lokale Bevölkerung mit Trinkwasser und Fisch versorgt. Aber auch als Kohlenstoffspeicher funktioniert stark reduzierter Wald laut Studien nur noch eingeschränkt. Zudem schützt der Bewuchs an Hängen vor Erosion. Riesige Erdrutsche nach tagelangen Regengüssen haben im Januar dieses Jahres in Rio de Janeiro 844 Menschen das Leben gekostet. 20.790 verloren ihr Zuhause. Nicht zuletzt fallen bei zu starker Fragmentierung und Nutzung des Waldes wichtige Arten aus, die das Ökosystem stabilisieren und erhalten.

Untersuchungen in einem groß angelegten Forschungsprojekt zu den Folgen der Fragmentierung des Mata Atlantica Regenwaldes an der Ostküste Brasiliens zeigen, wo die Grenzen der Belastung eines Regenwaldökosystems liegen und bei welcher Übernutzung es zusammenbrechen kann. Der Ausfall der Ökosystemdienstleistungen des Amazonasregenwaldes hätte dramatische Folgen für die davon abhängenden Menschen vor Ort und, durch die globale Bedeutung des Amazonasregenwaldes für das Weltklima, auch für die restliche Welt. Der Amazonasregenwald enthält ein Sechstel des weltweit in der Natur gespeicherten Kohlenstoffs. „Wir können uns keine Erhöhung der Entwaldungsrate mehr leisten, wollen wir ernsthaft die durchschnittliche Klimaerwärmung unter 2°C halten." meint Prof. Andreas Huth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ.

Die Auswirkungen könnten schon relativ gut eingeschätzt werden, wenn auch immer Unsicherheiten blieben, etwa bei der Frage, ob es im Amazonas zu einem Kipp-Punkt kommen kann, an dem das gesamte Ökosystem in seiner jetzigen Form verloren geht, meint Prof. Elisabeth Kalko von der Universität Ulm und Vorsitzende von DIVERSITAS Deutschland e.V. „Daher ist meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Punkt, parallel zu den Modellierungen und Simulierungen das Vorsorgeprinzip nicht außer acht zu lassen. Wir wissen im Grunde schon sehr viel über die Funktion von Ökosystemen und sollten daher weiterhin alles daran setzen, die jetzige Situation zu stabilisieren." (NeFo/UFZ)
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