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03.02.2019 | 06:26 | Klimaforschung 

Schwacher Polarwirbel - Häufigere Kältewellen

Potsdam - Klimaforscher rechnen in den kommenden Jahren mit häufigeren Kälteausbrüchen als Folge der Schwäche des Polarwirbels.

Kälteausbruch
Forscher: Häufigere Kälteausbrüche durch schwachen Polarwirbel. (c) proplanta
«Von Zeit zu Zeit kann die arktische Luft, die normalerweise wie eingezäunt auf dem Pol festsitzt, dort ausbrechen und auf die angrenzenden Kontinente wandern», sagte der Leiter des Bereichs Erdsystemanalyse beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Prof. Stefan Rahmstorf, der Deutschen Presse-Agentur. Das passiere vor allem, wenn der sogenannte Polarwirbel schwach sei, zusammenbreche, sich umdrehe oder - wie jetzt - in zwei Teile zerbreche.

Eine Kältewelle hat derzeit weite Teile der USA im Griff, mehrere Menschen starben. Solche Kälteausbrüche bezeichnete der Forscher als ungewöhnlich, dies sei nach einer Datenauswertung des PIK aber in den vergangenen Jahrzehnten um ein Mehrfaches häufiger geworden.

«Mehrere Studien gehen davon aus, dass das mit der schwindenden Meereisdecke auf dem arktischen Ozean zu tun hat, insbesondere auf der Barents-Kara-See», sagte Rahmstorf. «Die schrumpfende Meereisdecke ist eine Folge der globalen Erwärmung und unserem Treibhausgasausstoß. Die Tatsache, dass der Polarwirbel häufiger und länger instabil wird, ist daher wahrscheinlich auch eine Folge der globalen Erwärmung.»

Europa und Asien sind nach Angaben des Wissenschaftlers noch stärker und häufiger von Kaltluftausbrüchen aus der Arktis betroffen. «Hier sieht man sogar seit der Jahrtausendwende eine Serie besonders kalter Winter - allerdings nicht bei uns in Deutschland, aber weiter östlich mit Zentrum Sibirien», sagte Rahmstorf. «Es ist ein Phänomen, das wahrscheinlich durch die globale Erwärmung häufiger auftritt.»

Nach Einschätzung von Rahmstorf folgt daraus nicht unbedingt, dass eine so extreme Kälte häufiger wird, denn das Ganze passiere im Zusammenhang mit globaler Erwärmung: «Die absoluten Kälterekorde können heute nicht mehr so leicht gebrochen werden, sie brauchen dazu immer stärkere Anomalien der atmosphärischen Zirkulation, je wärmer das Klima wird.»
dpa
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