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12.05.2017 | 08:36 | Solarinsolvenz 

Insolvenzantrag von Solarworld erwischt Mitarbeiter eiskalt

Bonn / Brüssel - Der Preiskampf mit Konkurrenten aus Asien hat Deutschlands letzten großen Solarhersteller Solarworld in die Pleite getrieben.

Solarworld
Deutschlands größter Solarhersteller Solarworld ist insolvent. Das Unternehmen macht vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich für das Scheitern. Die Beschäftigten traf die Nachricht überraschend. (c) solarworld
Ein entsprechender Insolvenzantrag für die Konzernmutter Solarworld AG sei beim Amtsgericht Bonn eingereicht worden, sagte die Sprecherin und stellvertretende Direktorin des Gerichts, Gabriela Wächter, am Donnerstag.

Der Vorstand sei zu der Überzeugung gelangt, dass «keine positive Fortbestehens-Prognose mehr bestehe, die Gesellschaft damit überschuldet sei und somit eine Insolvenzantragspflicht bestehe», hatte das Bonner Unternehmen am Mittwochabend per Pflichtmitteilung an die Börse mitgeteilt. Kritiker werfen Firmenchef Frank Asbeck aber auch vor, in der Krise zu spät die Kosten gedrückt zu haben.

Solarworld beschäftigt insgesamt knapp 3.300 Menschen - davon rund 2.600 in Deutschland in der Bonner Zentrale, in Arnstadt (Thüringen) und in Freiberg (Sachsen).

Die Mitarbeiter zeigten sich überrascht und schockiert von der Nachricht. Die Betriebsratschefin Anke Martin-Heede am größten Standort Freiberg sagte, sie habe von der Entscheidung am Mittwochabend im Auto erfahren. Allein in Freiberg sind nach ihren Angaben etwa 1.200 Menschen betroffen.

Solarworld macht für das Scheitern Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis weltweit in den Keller gedrückt hätten. Hinzu kommt ein Schadenersatz-Prozess in den USA über mehr als 700 Millionen Euro, den der Konzern in erster Instanz verloren hatte. Das Berufungsverfahren läuft noch.

In den vergangenen fünf Jahren habe es wegen des «massiven Dumpings chinesischer Solarhersteller» europaweit mehr als 100 Insolvenzen und Werksschließungen gegeben, teilte der Herstellerverband EU Prosun mit, in dem Solarworld Mitglied ist. Die 2013 eingeführten Anti-Dumping-Maßnahmen der EU seien lange Zeit nur halbherzig kontrolliert worden.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz führte am Donnerstag Gespräche mit der Solarworld-Führung darüber, was der Staat für die Mitarbeiter tun könne. «Wir müssen überprüfen, welche Hilfestellungen für Solarworld möglich sind», sagte Schulz während einer NRW-Wahlkampfveranstaltung.

Dabei müsse geschaut werden, «ob das Insolvenzverfahren schon das endgültige Aus» ist. Grundsätzlich bräuchten Unternehmen mehr staatliche Unterstützung bei Forschung und Entwicklung, um etwa gegen chinesische Konkurrenten zu bestehen.

In Brüssel berieten Vertreter der EU-Staaten bei einem Handelsministertreffen unterdessen über neue Abwehrinstrumente gegen Billigimporte aus China. Hintergrund ist das Auslaufen einer Regelung der Welthandelsorganisation (WTO) zu Anti-Dumping-Verfahren gegen China im vergangenen Dezember.

2016 hatte Solarworld unterm Strich knapp 92 Millionen Euro Verlust ausgewiesen. Der Solarkonzern hatte daraufhin Anfang 2017 ein scharfes Sparprogramm mit dem Abbau von 400 Stellen und der Konzentration auf besonders hochwertige Solarzellen angekündigt. Damit wollte man bis 2019 wieder in die Gewinnzone kommen.

Statt einer erwarteten Marktberuhigung hätten sich die Aussichten für die nächsten Monate eingetrübt, erklärte Asbeck zur Begründung des Insolvenzantrages. Angesichts dieser Entwicklung reichten die Maßnahmen nicht aus. Asbeck sprach von einem «bitteren Schritt» und versprach, möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu wollen.

Der Insolvenzverwalter werde vermutlich nach möglichen Investoren suchen, sagte ein Solarworld-Sprecher. Nach Auffassung des bisherigen Vorstandes sei eine Weiterführung großer Unternehmensteile das Zielführendste für die Gläubiger.
dpa
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