Mittwoch, 08.12.2021 | 10:53:23
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
26.11.2021 | 01:20 | Kampf gegen Dickmacher 

Was bringt die Lebensmittel-Ampel für Verbraucher und Bauern?

Berlin - Kampf gegen «Dickmacher», neue Kennzeichnungen in Supermärkten und Restaurants, mehr Tierschutz in den Ställen: Die voraussichtlichen Ampel-Koalitionäre von SPD, FDP und Grünen planen eine Reihe von Neuregelungen, um die Landwirtschaft nachhaltiger und gesündere Ernährung einfacher zu machen. 

Lebensmittelkauf
Nach heftigen Auseinandersetzungen um die Landwirtschaft sind die Erwartungen hoch: Kann die neue Koalition einen Agrarwandel zustande bringen und mehr Klarheit beim täglichen Lebensmittelkauf schaffen? (c) proplanta

Was bringt das etwa bei Preisen und Packungsaufdrucken für Millionen Verbraucher? Für die Bauern, die ohnehin unter Kostendruck stehen, soll eine gesicherte Finanzierung organisiert werden. Denn mehr Umweltschutz und höhere Standards kosten auch mehr. Viele Details sind aber noch zu klären.

Die Grünen setzen in der neuen Regierung auf deutliche Fortschritte für einen Umbau der Lebensmittelproduktion. «Die Agrarwende und die Ernährungswende gehören zusammen», sagte die Fachpolitikerin Renate Künast am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

«Dafür kommt eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für Fleisch und andere tierische Erzeugnisse - im Handel, aber auch bis hin zu Kantinen, Mensen und Restaurants.» FDP-Agrarexperte Gero Hocker betonte, die Ampel eröffne Tierhaltern wieder eine Perspektive. «Notwendige Investitionen und laufende Kosten werden zukünftig durch den Markt getragen.»

Konkret vereinbarten SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag: «Wir führen ab 2022 eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung ein, die auch Transport und Schlachtung umfasst.» Ziel sollen «verbindliche EU-weit einheitliche Standards» dafür sein. Vorgesehen ist auch eine «umfassende Herkunftskennzeichnung» tierischer Produkte. So soll ein neuer Anlauf kommen, damit Verbraucher mehr Klarheit erhalten und höherwertig hergestellte Produkte auch stärker in den Blick rücken.

Die konkrete Umsetzung dürfte aber nicht ganz leicht werden, nachdem Vorbereitungen für ein staatliches Tierwohl-Logo erst kürzlich erneut gescheitert waren. Die scheidende Ministerin Julia Klöckner (CDU) hatte eine Kennzeichnung oberhalb des gesetzlichen Standards auf den Weg gebracht, die auf freiwilliger Basis zu nutzen sein sollte - und wiederholt darauf verwiesen, dass dies verbindlich nur EU-weit ginge.

Es existiert außerdem auch schon eine eigene Fleischkennzeichnung der großen Handelsketten. Das Logo mit der Aufschrift «Haltungsform» hat vier Stufen, die schon mit dem gesetzlichen Mindeststandard beginnen. Grünen-Expertin Künast setzt auf einen Schub durch die geplante neue Kennzeichnung auch weit über Supermärkte hinaus - denn so entstünden mehr Absatzgelegenheiten für Produkte nach höheren Standards und Transparenz für die Kunden. «Ein schickes Restaurant muss sich dann überlegen, ob es ein tolles Steak auf der Speisekarte hat, das Fleisch aber aus einer unteren Stufe der Tierhaltung stammt.»

Konkret zu regeln ist aber die Finanzierung von Mehrkosten für die Höfe, die etwa bei neuen Ställen über Jahre angelegt werden muss. Entwickelt werden soll dafür ein «durch Marktteilnehmer getragenes finanzielles System», heißt es im Koalitionsvertrag eher vage.

Mit den Einnahmen sollen zweckgebunden laufende Kosten und Investitionen gefördert werden, ohne den Handel «bürokratisch zu belasten». Doch wie genau? Auf dem Tisch liegen Modelle wie eine Tierwohlabgabe oder eine Mehrwertsteuererhöhung für tierische Produkte. Denkbar wären nach Vorschlägen einer Kommission 40 Cent mehr pro Kilo Fleisch.

«Bauern bekommen eine Honorierung für Mehrkosten und Investitionen, wenn sie höhere Standards umsetzen», sagte Künast. FDP-Experte Hocker hob auch vereinbarte Erleichterungen beim Bau- und Genehmigungsrecht hervor. «Damit können Verbesserungen des Tierwohls tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden.» Die Union monierte fehlende Klarheit.

«Für viele Betriebe wird sich die Frage stellen, ob sich Investitionen noch lohnen», sagte CSU-Experte Artur Auernhammer. Bauernpräsident Joachim Rukwied begrüßte den Kurs zu einer umwelt- und klimagerechten Landwirtschaft, die auch gute wirtschaftliche Perspektiven biete. Der Umbau könne nur gelingen, wenn er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werde und «wirtschaftliche Nachhaltigkeit» gewährleiste.

Weitere Ziele der Ampel sind darüber hinaus nun auch fixiert: So soll der Ökolandbau bis 2030 auf 30 Prozent statt der bisher angepeilten 20 Prozent der Agrarfläche zulegen. Jüngster Stand: 10,3 Prozent. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte generell, die neue Regierung solle keine weitere Zeit mit «nationalem Klein-Klein» und freiwilligen Maßnahmen der Branche vergeuden.

Sie müsse für strengere gesetzliche Vorgaben auf EU-Ebene sorgen. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten sprach dagegen von einem Hoffnungsschimmer nach 16 Jahren «Stillstand» im unionsgeführten Landwirtschaftsministerium.

Mit Blick auf eine ausgewogenere Ernährung vereinbarte die Ampel unter anderem: «An Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt darf es in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben.» Forderungen von Verbraucherschützern und Medizinern nach einer stärker reduzierten Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse oder einer «Limo-Steuer» auf gezuckerte Getränke schafften es aber nicht in den Koalitionsvertrag.

Neue Verhältnisse dürften auch in der Regierung selbst einziehen. Denn das Agrar- wie das Umweltministerium, zwischen denen es bisher fast schon traditionelle Reibereien gab, gehen an die Grünen. «Nach dem ewigen Gezerre zwischen beiden Ressorts kann jetzt eine neue Kooperation beginnen», sagte Künast. «Das schafft mehr Klarheit und kann mittelfristig dazu führen, dass mehr Verlässlichkeit, Planungssicherheit und Respekt für die Bauern entsteht.»
dpa
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Dämpfer für Geschäftserwartungen der Ernährungsindustrie

Lebensmittelkontrolleure warnen vor krankmachenden Bakterien im Mehl

Verbraucherschützer beklagt Schieflage bei Kosten der Energiewende

Erwartungen der Landwirte an die neue Bundesregierung

Muss die Stückzahl von Einzelverpackungen angegeben werden?

  Kommentierte Artikel

Bundesweiter Wolfsbestand deutlich gewachsen

Lebensmittelindustrie: NGG fordert bis zu 6,5 Prozent mehr Geld

Schweinepestgeschehen bleibt kritisch

Privates Feuerwerk zu Silvester: Ja oder nein?

Wie viele Menschen ernährt ein Landwirt?

Kritik an vorschnellen Forstmaßnahmen im Kampf gegen Borkenkäfer

Umweltverband BUND fordert bessere Einkommen für Landwirte

Lage in Sachsen-Anhalts Wäldern bleibt ernst

Söder will 2G in Bayern soweit irgendwie möglich

Landes-Bauernverband fordert: Echten Schweinepest-Krisenstab einrichten!

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt