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19.08.2018 | 00:05 | Stromnetzausbau 

Energiewende kämpft um Akzeptanz

Uplengen - In der Ferne drehen sich die Rotoren der Windkraftanlagen. Vor Strommasten grasen Schafe. Und davor steht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Netzausbau in Deutschland
Drei Tage lang war Peter Altmaier unterwegs, im Dienste der Energiewende. Wie und warum der Wirtschaftsminister die Stromnetze schneller ausbauen will - und welche Proteste es gibt. (c) proplanta

Es könnte eine fast idyllische Szene sein im Stapeler Moor in Ostfriesland. Dann aber geht es wieder um Sorgen in der Bevölkerung. Eine neue Stromtrasse soll gebaut werden. «Das wird hier sehr kritisch gesehen», sagt Heinz Trauernicht, Bürgermeister von Uplengen. Die neue Trasse rücke näher an viele Häuser. «Und die Masten sind wuchtiger.»

Es sind Stimmen, die der Wirtschaftsminister häufig hört auf seiner dreitägigen «Netzausbaureise» mit Stationen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Denn es sollen viele neue Trassen gebaut werden in Deutschland.

2022 wird das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet, eine Kommission berät derzeit über einen schrittweisen Ausstieg aus der umweltschädlichen Kohleverstromung. Die erneuerbaren Energien sollen massiv ausgebaut werden, ihr Anteil bis 2030 von derzeit 36 Prozent auf 65 Prozent steigen.

Das Stromnetz aber muss mitwachsen. Denn der Windstrom muss von den Küsten in die großen Industriezentren im Süden und Südwesten transportiert werden. Dafür sind Tausende Kilometer neue Stromleitungen nötig, ansonsten drohen enorme Engpässe.

Schon heute kann Ökostrom mitunter nicht ins Netz eingespeist werden, weil dafür die bisherigen Leitungen nicht ausreichen - darum drehen sich manchmal Windräder nicht, selbst wenn es starken Wind gibt. Die Netze wären überlastet, und im schlimmsten Fall könnten die Lichter ausgehen.

Die Netzbetreiber lassen dann vor einem Engpass im Norden die Einspeisung von Strom aus konventionellen Kraftwerken senken und im Süden erhöhen. Reicht das nicht aus, müssen zusätzlich Windkraftanlagen ihre Leistung drosseln. Diese Noteingriffe verursachen Milliardenkosten, die am Ende auch beim Verbraucher landen. Die privaten Haushalte in Deutschland müssten europaweit den höchsten Strompreis zahlen, sagt Altmaier.

Also sollen die Netze ausgebaut werden. Dieser Ausbau aber ist gewaltig ins Stocken geraten. Eigentlich sollten bis 2015 schon 1.800 Kilometer neue Leitungen fertig sein, die in der Zuständigkeit der Länder liegen - es sind aber bis heute nur 800 Kilometer. Das seien «katastrophale Zahlen», sagt Altmaier. Insgesamt sind nach Zahlen der Bundesnetzagentur neue Leitungen über 7.700 Kilometer erforderlich, fertig sind nur 950 Kilometer.

Altmaier will es nun richten. Der Netzausbau soll deutlich beschleunigt werden. Geschehen soll das etwa mit einer höheren Auslastung der bestehenden Netze etwa mit Hilfe digitaler Technik, einem besseren Controlling und schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren.

Das Entscheidende aber ist: Die Bevölkerung muss mitgenommen werden. An vielen Orten haben sich Bürgerinitiativen gebildet. Sie wollen keine «Riesentrassen» und höhere Windrädern unweit der Haustür haben.

Es gibt Angst vor möglichen Strahlungen, Streit um Standorte von Konvertern und Umspannwerken. Es gibt Klagen und lange Gerichtsverfahren. Und der Bauernverband fordert deutlich höhere Entschädigungen für Landwirte, auf deren Äcker Strommasten stehen.

Er habe viel gelernt auf der Reise, sagt Altmaier am Donnerstag. Die Politik müsse die Sorgen der Bürger Ernst nehmen. Und so will der CDU-Mann den Dialog mit allen Beteiligten der Energiewende intensivieren. Vor allem Streitigkeiten an etwa zehn «Brennpunkten» bundesweit, wo es besonders hoch her geht, sollen gelöst werden. Altmaier aber ist optimistisch: «Wir können zu einem Konsens kommen in Deutschland.»

Zwei weitere «Netzausbaureisen» in den Süden und Osten sind geplant. Auch nach Bayern soll es gehen, aber erst nach der Landtagswahl im Oktober. Denn das Thema Netzausbau ist vielerorts ein aufgeladenes. Wobei die Bayern, genauer gesagt die CSU, vor einigen Jahren dafür gesorgt haben, dass bei den zentralen und milliardenteuren Stromautobahnen Südlink und Südost-Link vorrangig Erdkabel zum Einsatz kommen. Die sind zwar deutlich teurer als Freileitungen - sollen aber die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Netzausbau steigern. Die Stromautobahnen sollen 2025 fertig werden, beim noch anstehenden Planfeststellungsverfahren geht es ans Eingemachte: an den genauen Trassenverlauf.

Solche Trassenverläufe könnten bald auch in Haren an der Ems für Wirbel sorgen. Bisher ist es dort weitgehend ruhig. Eigentlich sei Altmaier hier am falschen Ort, flachst Tennet-Chef Lex Hartman - denn in Haren habe es so gut wie keine Proteste gegeben. Er führt das darauf zurück, dass der Netzbetreiber früh den Dialog mit den Bürgern gesucht hat. In Haren verlegt Tennet als Teil einer größeren Strecke mit Freileitungen in einem Pilotprojekt auf einer Länge von mehreren Kilometern Erdkabel, weil eine Freilandleitung zu nah an Häuser kommen würde.

Doch es sollen neue Trassen mit Freileitungen gebaut werden, weil immer mehr Windstrom in den Süden kommen muss. Die Masten sollen aber höher werden, und der Netzausbau frisst große Flächen. Bisher sei man «ohne Riesentheater» ausgekommen, sagt der Landrat des Landkreises Emsland, Reinhard Winter. Das aber könnte sich ändern: «Wir werden unsere Bevölkerung nicht noch mal so einfach mitbekommen.»
dpa
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