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01.01.2016 | 13:55 | Wetterrückblick Dezemer 2015 

Österreich: Dezember war sonnig, warm und trocken - inklusive Waldbrandgefahr

Wien - Der Dezember 2015 brachte in Österreich fast durchgehend trockenes und mildes Hochdruckwetter. Deshalb ist die Klimabilanz in vielerlei Hinsicht extrem, sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Wetter Österreich Dezember 2015
Vorläufige Monatsbilanz der ZAMG: Sonnigster und viertwärmster Dezember der Messgeschichte. Auf den Bergen sogar neuer Temperaturrekord. Trockenster Dezember seit 1865. In vielen Gemeinden Feuerwerkverbot wegen der Gefahr von Waldbränden. (c) proplanta

„Österreichweit gesehen war es der viertwärmste Dezember der Messgeschichte, mit einer Abweichung von +2,8 °C über dem vieljährigen Mittel. An der Spitze liegen weiterhin die Dezember-Monate der Jahre 1934, 1825 und 1868."

Auf den Bergen wärmster Monat der Messgeschichte



Auf den Bergen erreichte der Dezember 2015 überhaupt einen neuen Rekord. „Auf Österreichs Bergen war es der wärmste Dezember der Messgeschichte", so Klimatologe Orlik, „hier lag die Temperatur 6,6 °C über dem vieljährigen Mittel. Eine so extreme Abweichung vom Mittel wurde seit Beginn der Messungen noch in keinem Monat beobachtet."

Das ungewöhnlich milde Wetter wirkte sich auch auf die Zahl der Eistage (Temperatur den ganzen Tag unter 0 °C) vieler Bergstationen aus. Am Feuerkogel (1618 m Seehöhe) in Oberösterreich zum Beispiel gab es zum ersten Mal seit dem Messbeginn hier im Jahr 1930 den gesamten Dezember keinen Eistag. In einem durchschnittlichen Dezember werden am Feuerkogel 13 Eistage registriert.

Auf den Bergen teils wärmer als in den Niederungen



Die milden Luftmassen in diesem Dezember führten zu einem weiteren Kuriosum: In einigen Regionen waren die wärmsten Orte des gesamten Monats Bergstationen. So hatte zum Beispiel der Hahnenkamm (1.794 Meter Seehöhe) mit +3,6 °C das höchste Monatsmittel (Mittel der Tag- und Nachttemperaturen des gesamten Monats) von ganz Tirol.

Auf der Villacher Alpe (2.164 m) lag das Monatsmittel in diesem Dezember bei +1,7 °C. In der Stadt Villach (493 m) waren es dagegen nur -0,6 °C. Die Villacher Alpe übertrifft damit auch deutlich den bisher wärmsten Dezember aus dem Jahr 1971 (-1,5 °C Monatsmittel). Die Messreihe besteht hier seit 1851, und ist die längste aller österreichischen Berg-Wetterstationen.

„Dass es in den Niederungen zeitweise kälter ist als auf den Bergen, kommt im Winter immer wieder vor, weil der Boden in den Nächten stark abkühlt. Aber dass dieser Effekt sich sogar auf die Mittelwerte des gesamten Monats auswirkt, ist selten", erklärt Alexander Orlik.

Trockenheit und Feuerwerkverbot



Markant war im Dezember 2015 auch die Trockenheit in Österreich. „Österreichweit gesehen fiel um 80 Prozent weniger Niederschlag als im vieljährigen Mittel", sagt ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik, „das ist der trockenste Dezember seit dem Jahr 1865. Besonders extrem ist es im Süden Österreichs. Zählt man hier November und Dezember zusammen, war es sogar die trockenste Periode seit 1854. So fielen zum Beispiel in Döllach in Kärnten im November und Dezember insgesamt nur zwei Millimeter Niederschlag."

Die extreme Trockenheit der letzten Wochen hat in vielen Regionen Österreichs eine ungewöhnliche Konsequenz. Die Gefahr von Waldbränden ist derzeit so groß, dass viele Bezirke vor Silvester ein Feuerwerkverbot erlassen haben.

Großteil Österreichs ohne Schnee



Das milde und trockene Wetter brachte bis ins Hochgebirge einen außergewöhnlich schneearmen Dezember. „Unterhalb von etwa 1.400 Meter Seehöhe blieb Österreich nahezu vollständig schneefrei", sagt Klimatologe Orlik, „in Seefeld in Tirol zum Beispiel, auf 1.182 Meter Seehöhe, gab es in diesem Dezember überhaupt keinen Neuschnee und keinen einzigen Tag mit geschlossener Schneedecke. Das gab es seit Beginn der Schneemessungen in Seefeld im Jahr 1948 noch nie.

In einem durchschnittlichen Dezember kommen hier 80 Zentimeter Neuschnee zusammen, und es liegt an 26 Tagen eine geschlossene Schneedecke. Ein anderes Beispiel: Am Sonnblick summieren sich in einem durchschnittlichen Dezember 250 Zentimeter Neuschnee, in diesem Dezember waren es 20 Zentimeter."

Sonnigster Dezember der Messgeschichte



Die Sonne zeigte sich in diesem Dezember österreichweit gesehen um 80 Prozent länger als im vieljährigen Mittel. Das ergibt den sonnigsten Dezember seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnung der Sonnenscheindauer im Jahr 1925. Die größte Abweichung vom Mittel wurden in Niederösterreich gemessen: In Weitra, im Waldviertel, schien die Sonne um 366 Prozent länger als in einem durchschnittlichen Dezember.

Der Dezember 2015 im Detail Temperatur



 Das Temperaturniveau des Novembers 2015 setzte sich im Dezember nahezu unverändert fort. Mit ungewöhnlich hohen Temperaturen, die beinahe den gesamten Monat vorherrschten, geht dieser Dezember, mit einer Abweichung vom Mittel von +2,8 °C, als viertwärmster in die seit 1767 bestehende Temperaturmessgeschichte Österreichs ein.

Wärmer waren nur die Dezembermonate der Jahre 1934 (+3,9 °C), 1825 (+3,3 °C) und 1868 (+3,0 °C). Abweichungen zum Mittel 1981-2010 von 3,5 bis 4,5 °C traten in weiten Teilen Ober- und Niederösterreichs, in der Oststeiermark. Im Mühl- und Waldviertel erreichten die Abweichungen 4,5 bis 5,5 °C.

In den Gipfelregionen der Österreichischen Alpen führte die ungewöhnliche Wetterlage zu noch höheren Abweichungen. Um 6,6 °C lag hier das Dezembermittel über dem Mittel 1981-2010. Eine solch hohe Temperaturabweichung wurde in noch keiner Region und in keinem anderen Monat beobachtet.

Wie ungewöhnlich hoch die Temperaturen in den Bergen waren, ist auch an der Zahl der Eis- und Frosttage zu erkennen. Beispielhaft ist hier die Wetterstation am 1618 m hoch gelegenen Feuerkogel erwähnt. Hier gab es statt im Mittel 13 Eistage keinen einzigen Eistag und nur 9 Frosttage statt 25 Tage. Das gab es in der seit 1930 bestehenden Stationsgeschichte in einem Dezember noch nie.

Die relativ kühlsten Regionen des Landes waren diesmal in den Tal- und Beckenlagen von Kärnten zu finden. Hier war es um 0,2 bis 1,5 °C wärmer als im klimatologischen Mittel.

Niederschlag



Wie schon im November war es auch im Dezember 2015 sehr trocken. Im Flächenmittel fiel um 80 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Dezember. Österreichweit ist des der niederschlagsärmste Dezember seit 1865. Damals summierte sich nochmals um vier Prozent weniger Niederschlag. Die Gebiete südlich des Alpenhauptkammes waren von der Trockenheit wieder am stärksten betroffen. Die Defizite reichen hier von 75 bis 100 Prozent, also bis zu einem totalen Ausbleiben des Niederschlags.

In Summe sind die beiden letzten Monate im Jahr südlich des Alpenhauptkammes die niederschlagärmsten seit 1854. In Kötschach-Mauthen (K, 714 m), Döllach (K, 1.071 m) oder Obervellach (K, 688 m) fielen mit 7, 2 und 4 mm um 97 Prozent weniger Niederschlag. In weiten Teilen Osttirols und Kärntens regnete oder schneite es im Dezember überhaupt nicht.

Mit Niederschlagsdefiziten im Dezember von 75 bis 90 Prozent war es aber auch in Oberösterreich nördlich des Salzkammergutes sehr trocken. Um 50 bis 75 Prozent weniger Niederschlag gab es in Vorarlberg in Tirol nördlich des Inns, im nördlichen Salzburg, im südlichen Oberösterreich und in der Steiermark entlang der Enns sowie im westlichen Niederösterreich und in Wien. Relativ geringe Defizite von 25 bis 50 Prozent traten im Wald- und Weinviertel auf.

Schnee



Die Kombination aus relativ hohen Temperaturen und ausbleibenden Niederschlägen hatte auch einen negativen Einfluss auf die Schneeverhältnisse in Österreich. Das Ausbleiben von Neuschnee bzw. einer Schneedecke im Dezember ist für das Flachland oder tiefere Tallagen nicht sehr außergewöhnlich. Jedoch wird in den hochgelegenen Tälern und in den alpinen Regionen solch ein Schneemangel nur sehr selten beobachtet.

In Seefeld fiel statt im Mittel etwa 80 cm Neuschnee gar kein Neuschnee und es gab anstatt etwa 26 Schneedeckentagen in diesem Dezember keinen einzigen Tag mit einer geschlossenen Schneedecke. Das trat seit dem Beginn der Schneemessungen in Seefeld im Jahr 1948 in einem Dezember noch nie auf. Auch am Sonnblick summierte sich nur 20 cm anstatt der mittleren 250 cm Neuschnee.

Dass Österreich unterhalb von etwa 1.400 m Seehöhe im Dezember nahezu schneefrei ist, tritt nur sehr selten auf. Sogar im bisher wärmsten Dezember im Jahr 1934 wurden in den Mittelgebirgslagen mehr Schneedeckentage beobachtet. Das lag aber vor allem daran, dass die Niederschlagsmengen in diesem Dezember wesentlich höher als im Jahr 2015 waren.

Sonne



Eine Ursache der ausbleibenden Niederschläge war der vorherrschende Hochdruckeinfluss. Noch dazu war die Luftmasse sehr trocken, sodass auch in den sonst typischen Nebelregionen oft die Sonne schien. Dies führte dazu, dass der Dezember 2015 in Österreich der sonnigste Dezember seit der flächendeckenden Aufzeichnung der Sonnenscheindauer im Jahr 1925 ist.

Im Flächenmittel schien die Sonne um 80 Prozent länger als das vieljährige Mittel. Die Abweichungen zum Mittel 1981-2015 der Sonnenscheindauer lagen zwischen +35 und +200 Prozent. Punktuell schien die Sonne um bis zu 366 Prozent länger als im Mittel. Weniger Sonnenschein als im Mittel gab es nur im Östlichen Weinviertel, im Nordburgenland und im Klagenfurter Becken.

Dezember 2015: Übersicht Bundesländer



Vorarlberg



Niederschlagsabweichung: -64 %
Temperaturabweichung: +3.6 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 99 %
Temperaturhöchstwert: Fraxern (807 m) 16.5 °C am 20.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Lech (1.442 m) -12.2 °C am 10.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Schoppernau (839 m) -7.1 °C am 13.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Fraxern (807 m) 6.2 °C, Abw. +5.0 °C
höchste Sonnenscheindauer: Sulzberg (1.018 m) 173 h, Abw. k.A.

Tirol



Niederschlagsabweichung: -76 %, Nordtirol -73 %, Osttirol -97 %
Temperaturabweichung: +3.3 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 74 %
Temperaturhöchstwert: Virgen (1.212 m) 14.5 °C am 1.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Brunnenkogel (3.437 m) -16.7 °C am 10.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Lienz (661 m) -10.0 °C am 30.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Hahnenkamm (1.794 m) 3.6 °C, Abw. k.A.
höchste Sonnenscheindauer: Brunnenkogel (3.437 m) 194 h, Abw. k.A.

Salzburg



Niederschlagsabweichung: -78 %
Temperaturabweichung: +3.2 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 89 %
Temperaturhöchstwert: Kolomannsberg (1.113 m) 14.8 °C am 20.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Sonnblick (3.109 m) -14.0 °C am 10.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Rauris (934 m) -8.0 °C am 14.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Kolomannsberg (1.113 m) 5.9 °C, Abw. k.A.
höchste Sonnenscheindauer: Sonnblick (3.109 m) 203 h, Abw. +77 %

Oberösterreich



Niederschlagsabweichung: -66 %
Temperaturabweichung: +3.9 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 108 %
Temperaturhöchstwert: Micheldorf (459 m) 14.9 °C am 22.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Feuerkogel (1.618 m) -5.7 °C am 10.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Windischgarsten (600 m) -7.3 °C am 11.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Wolfsegg (635 m) 5.1 °C, Abw. +5.9 °C
höchste Sonnenscheindauer: Feuerkogel (1.618 m) 166 h, Abw. +104 %

Niederösterreich



Niederschlagsabweichung: -62 %
Temperaturabweichung: +3.7 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 93 %
Temperaturhöchstwert: Reichenau-Rax (488 m) 17.1 °C am 23.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Rax/Seilbahn (1.547 m) -5.2 °C am 10.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Puchberg (583 m) -10.1 °C am 11.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Hohe Wand (937 m) 5.4 °C, Abw. k.A.
höchste Sonnenscheindauer: Rax/Seilbahn (1.547 m) 182 h, Abw. k.A.

Wien



Niederschlagsabweichung: -64 %
Temperaturabweichung: +2.8 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 57 %
Temperaturhöchstwert: Donaufeld (160 m) 15.6 °C am 22.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Wien-Jubiläumsw. (450 m) -3.4 °C am 11.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Wien-Unterlaa (200 m) -4.9 °C am 11.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Wien-Innere Stadt (177 m) 4.9 °C, Abw. +2.8 °C
höchste Sonnenscheindauer: Wien-Jubiläumsw. (450 m) 97 h, Abw. k.A.

Burgenland



Niederschlagsabweichung: -88 %
Temperaturabweichung: +2.8 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 28 %
Temperaturhöchstwert: Güssing (215 m) 16.4 °C am 1.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Lutzmannsburg (201 m) -6.5 °C am 11.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Bernstein (631 m) 4.1 °C, Abw. +5.0 °C
höchste Sonnenscheindauer: Bernstein (631 m) 114 h, Abw. k.A.

Steiermark



Niederschlagsabweichung: -85 %
Temperaturabweichung: +2.8 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 91 %
Temperaturhöchstwert: Deutschlandsberg (354 m) 17.9 °C am 1.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Stolzalpe (1.291 m) -5.7 °C am 11.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Zeltweg (678 m) -10.0 °C am 13.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Eichberg (692 m) 4.1 °C, Abw. k.A.
höchste Sonnenscheindauer: Stolzalpe (1.291 m) 202 h, Abw. +106 %

Kärnten



Niederschlagsabweichung: -99 %
Temperaturabweichung: +2.2 °C
Abweichung der Sonnenscheindauer: 88 %
Temperaturhöchstwert: Weitensfeld (704 m) 16.0 °C am 1.12.
Temperaturtiefstwert (Gipfel/Hochalpin): Villacher Alpe (2.117 m) -6.7 °C am 10.12.
Temperaturtiefstwert unter 1.000 m: Hermagor (562 m) -10.4 °C am 11.12.
höchstes Monatsmittel der Lufttemperatur: Kanzelhöhe (1.520 m) 3.4 °C, Abw. +6.0 °C
höchste Sonnenscheindauer: Villacher Alpe (2.117 m) 226 h, Abw. +70 %

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