Sonntag, 29.01.2023 | 06:53:22
Vorsprung durch Wissen
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
26.11.2022 | 10:44 | Leihen statt Kaufen 
Diskutiere mit... 
   1   2

Kauf-nix-Tag soll zum Umdenken anregen

Würzburg - Heckenschere, Raclette, elektrische Eisenbahn - das sind nur ein paar der Dinge, die es im kürzlich eröffneten «Zukunftshaus» in Würzburg zu leihen gibt.

Leihen statt Kaufen
Bild vergrößern
Bei Black Friday und Cyber Monday sollen Sonderangebote dazu verführen, Dinge zu kaufen - die man oft genug eigentlich nicht benötigt. Doch es gibt eine Gegenbewegung. (c) proplanta
Was sie eint: Alles sind Gegenstände, die man meist nicht täglich benutzt, sondern nur gelegentlich. Statt sie teuer zu kaufen und platzraubend zu Hause zu lagern, kann man sie hier mieten. Leihen statt Kaufen ist ein Motto, dem immer mehr Menschen folgen.

«Leihen und Reparieren ist immer da gewesen, aber es gibt jetzt neue technologische Möglichkeiten», sagt der Konsumsoziologe Kai-Uwe Hellmann von der Technischen Universität Berlin. Alternativen zum Kauf werden verstärkt nachgefragt, wenn auch noch von einer Minderheit. In einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Yougov gab bereits 2018 jede zweite befragte Person an, Dinge zu reparieren. Kleidung zu mieten, konnte sich jede fünfte Person vorstellen. 39 Prozent sagten, allgemein weniger zu kaufen, der Nachhaltigkeit zuliebe.

Der Kauf-Nix-Tag, der in vielen Ländern jedes Jahr Ende November stattfindet, soll noch mehr Verbraucher dazu ermutigen, zumindest mal einen Tag lang nichts zu kaufen und vor allem: das eigene Konsumverhalten zu reflektieren. Macht es wirklich so viel Spaß, sich mit Einkaufstüten beladen durch die Menschenmassen der Innenstädte zu schieben? Brauche ich all die Sachen wirklich, die ich beim Online-Shopping bestellt habe?

In Deutschland und anderen europäischen Ländern wird der Kauf-nix-Tag am letzten Samstag im November begangen,in anderen Staaten wie den USA am Freitag. Das Datum ist kein Zufall: Es ist dann Black Friday, an dem Schnäppchen zum vorweihnachtlichen Kaufrausch verführen sollen.

Aktionen zum Kauf-Nix-Tag sollen das Gegenteil bewirken. Auch das «Zukunftshaus» in Würzburg will zum Umdenken anregen. «Früher hatten Menschen entweder Gegenstände oder sie hatten sie nicht», sagt Vorstand Matthias Pieper. Kaum jemand sei auf die Idee gekommen, sich zum Beispiel eine Eismaschine für den Kindergeburtstag zu leihen statt sie zu kaufen. Nun sei das möglich.

Und wenn nun alle an Silvester das Raclette wollen? «Dafür haben wir von manchen Gegenständen mehrere Exemplare», sagt Pieper. Kunden können im «Zukunftshaus» Dinge auch tauschen oder reparieren lassen. Ähnliche Alternativen finden sich auch andernorts: Leihläden, manchmal «Bibliothek der Dinge» genannt, gibt es in mehreren Städten.

Ebenso wie Repaircafés und Stationen zum Ablegen nicht mehr benötigter Dinge. Über soziale Medien und Online-Plattformen lassen sich Gegenstände in der Nachbarschaft borgen. Für Spielzeug und Kleidung bieten Unternehmen an, sie für einige Zeit zu leihen statt zu kaufen.

Wissenschaftler aus Kanada, Schweden und den USA haben in einer Studie anhand von Tweets untersucht, warum Menschen beim Kauf-nix-Tag mitmachen. Die meisten Befürworter versprachen sich demnach von weniger Konsum, glücklicher zu werden, indem sie ihre Zeit für wichtigere Dinge nutzen als Shopping - etwa um Freunde zu treffen, Sport zu machen oder Musik zu hören.

Einfach ist Verzicht oft nicht - schließlich definieren wir uns ein Stück weit über die Dinge, die wir besitzen, wie Experten erklären. Der Soziologe Colin Campbell ging sogar so weit, zu sagen: «I shop therefore I know that I am» - Ich kaufe, darum weiß ich, dass ich bin. Und selbst wer verzichten möchte, schafft dies im Alltag nicht immer, Gewohnheit und Zeit stehen dem oft entgegen. «Ich denke, dass die Umstellung dauern wird», sagt Matthias Pieper vom «Zukunftshaus».

Dort möchte man Nachhaltigkeit alltagstauglicher machen: Als Standort leistet sich die dahintersteckende Genossenschaft die beste Lage in der Würzburger Innenstadt und lange Öffnungszeiten. Finanziell ist das nur möglich, weil es auch Produkte wie Kleidung zu kaufen gibt. Dass hier auch Leihen, Tauschen und Reparieren möglich ist, merken manche Kundinnen und Kunden erst beim Stöbern im Geschäft.
dpa
Kommentieren Kommentare lesen ( 1 )
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


Kommentare 
Treeboss schrieb am 26.11.2022 15:36 Uhrzustimmen(6) widersprechen(2)
Das Bedürfnis erst das Vorhandene zu benutzen und zu verbrauchen habe ich mal auf die Spitz getrieben. Selbst den letzen rostigen Nagel habe ich verbaut. Nun herrscht in den Regalen wieder Ordnung und Übersicht.
Ein schönes Gefühl!
Ich grüße euch..
  Kommentierte Artikel

 Klimaschutzdebatte: FDP fordert von Grünen Offenheit für Kernenergie

 Kaufzurückhaltung belastet Gemüsebauern im Südwesten

 Ein Jahr Klimakleber: Wohin steuert die Letzte Generation?

 Immer mehr Lebensmittel zurückgerufen

 Bioanbau in der EU massiv ausgeweitet

 Özdemir will schrittweisen Ausstieg aus den Direktzahlungen

 Der Wolf - Längst keine bedrohte Art mehr

 Grüne Woche gestartet - Özdemir dankt Landwirten

 Wachsen oder weichen: Hat das alte Prinzip in der Landwirtschaft ausgedient?

 Mittel für Aufforstung in Sachsen-Anhalt reichen hinten und vorne nicht