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25.12.2019 | 03:35 | Raumtemperatur 

Streit um's Thermometer: Gewinnen Männer oder Frauen?

Berlin - Sie sitzt im Wollpulli auf der Couch, er im T-Shirt. Sie dreht die Heizung auf, er runter. Was klingt wie ein Klischee, kann die Wissenschaft nur bestätigen.

Wollpulli
Heizung hoch, Heizung runter - geht der Winter los, beginnt auch der Kampf um die Raumtemperatur. Die Frontlinie verläuft dabei oft zwischen Mann und Frau - und verrät Studien zufolge einiges über die Beziehung. (c) proplanta
«Männer haben einfach mehr Muskelmasse als Frauen», erklärt der Hamburger Endokrinologe Martin Merkel. Dadurch produzieren sie mehr Wärme. Abgesehen davon sei die weibliche Haut dünner und damit kälteempfindlicher.

Zwar wurden Frauen im Gegenzug mit einem höheren Fettanteil als Männer ausgestattet. Allerdings sei es denkbar, dass Frauen sich diese Isolierschicht im Laufe der Zeit aufgrund des geltenden Schönheitsideals weggehungert haben, sagt Merkel.

Und so hängt der Heizungs-Haussegen oft schief. Forscher sprechen schon von «thermostat wars», also von Kriegen um die Heizung. Einer Studie der Ohio State University zufolge spiegelt sich an der Heizung wider, wie Paare in ihrer Beziehung mit Konflikten umgehen.

In der Studie sollten 112 Haushalte täglich Tagebuch über ihren Umgang mit dem Thermostat führen. Dabei haben die Männer eher angegeben, dass man sich über die Temperatur einig gewesen sei oder einen Kompromiss gefunden habe, während die Frauen etwas mehr Konflikte notiert hätten.

Die Differenz in dieser Sichtweise könne daran liegen, dass sich Frauen in den Konflikten seltener durchsetzen - Frauen könnten daher etwas als Konflikt auslegen, was Männer als Kompromiss ansehen.

Insgesamt habe die Studie gezeigt, dass sich Frauen häufiger unwohl mit der Temperatur fühlen. «Es könnte sein, dass Frauen den Kampf um das Thermostat verlieren», sagt die Hauptautorin der Studie, Nicole Sintov. Dass an der Raumtemperatur generell etwas verändert wurde, geschah eher nach einem tatsächlichen Kompromiss - seltener nach einem offenen Konflikt.

Es gibt jedoch gute Gründe für eine etwas niedrigere Temperatur. Stellt man die Heizung um nur einen Grad runter, spart man sechs Prozent der Heizkosten ein, wie der Energieexperte von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Reinhard Loch mitteilt.

Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf das Klima: Durchschnittlich produziert jeder Deutsche nach Angaben des Umweltbundesamts rund 1,6 Tonnen CO2 pro Jahr nur für das Heizen. Demnach beträgt der Anteil der Heizung am Gesamt-CO2-Fußabdruck aktuell knapp 14 Prozent.

Unter Umständen kann Frieren sogar beim Abnehmen helfen. Denn durch Kälte wird braunes Fett aktiviert. Das funktioniere wie «eine Wärmflasche von innen», sagt der Endokrinologe Merkel. So werde Energie verbraucht und Gewicht reduziert.

Es sieht also schlecht aus für die Frostbeulen. Zumindest im Büro gibt es aber ein Argument, für Frauen die Heizung hochzustellen: Agne Kajackaite vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und ein Kollege haben Hinweise darauf gefunden, dass die Raumtemperatur nicht nur eine Frage des Wohlfühlfaktors ist, sondern auch über die Leistungsfähigkeit entscheiden kann. Während Männer sich bei Temperaturen um die 20 Grad am besten konzentrieren können, laufen Frauen erst bei über 30 Grad zu Höchstleistungen auf.

Die Steigerung der Frauen scheint den Autoren zufolge darauf zurückzugehen, dass sie bei zunehmender Wärme mehr Antworten gaben - sich also möglicherweise mehr anstrengten, wie aus der Studie hervorgeht. Männer hingegen schafften mit zunehmender Wärme weniger Fragen.

Doch wie ist die Lösung, wenn es nicht um die Arbeit geht, sondern darum, dass der eine schwitzend und der andere frierend auf der Couch hockt? Für den Berliner Psychologen Wolfgang Krüger ist die Sache klar: «Wir haben in Partnerschaften eine Neigung zum Konfliktausgleich - allerdings nur, wenn man mit der emotionalen Bilanz in der Partnerschaft zufrieden ist.» Wenn man sonst zufrieden ist, findet man also eher einen Kompromiss- und zieht zum Beispiel einen Pullover an.
dpa
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