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11.03.2017 | 08:56 | Ernährung in Indien 
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Nahrungsmittel-Hilfsprogramme in Indien in Gefahr

Neu Delhi - Der Bundesstaat Madhya Pradesh in Zentralindien ist fast so groß wie Deutschland und hat auch fast so viele Einwohner.

Nahrungsmittelkrise in Indien
Indiens Frauen und Kindern geht es immer besser. Doch immer noch hungern dort mehr Kinder als irgendwo sonst auf der Welt. Kritiker warnen: Hilfsprogramme könnten unter die Räder des Wachstums kommen. (c) proplanta

Doch bei einer Fahrt durch die ländlichen Gegenden erinnert wenig an die Bundesrepublik - oder daran, dass sich Madhya Pradesh in der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft der Welt befindet.

Viele Dörfer haben keine oder nur ausgetrocknete Wasserquellen, Mütter müssen stundenlang laufen, um ein paar Kilogramm subventionierten Reis einzukaufen. Und viele Kinder sind deutlich kleiner, als sie für ihr Alter eigentlich sein sollten.

Wie schlecht es um die Gesundheit vieler Kinder und Frauen in Indien immer noch bestellt ist, zeigt nun eine neue Studie, die vom dortigen Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben wurde. Für das vierte «National Family Health Survey» wurden in den Jahren 2015 und 2016 rund 600.000 Menschen in ganz Indien befragt. Zum ersten Mal gab es eine entsprechende Untersuchung im Jahr 1993, seitdem wurden die Daten alle fünf bis zehn Jahre aktualisiert.

Die gute Nachricht ist: Im Vergleich zur letzten Studie von 2005 und 2006 haben sich die Daten für fast alle Lebensbereiche verbessert. Zwar sterben immer noch fünf Prozent der Kinder, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen, zehn Jahre zuvor lag der Wert jedoch mit 7,4 Prozent deutlich höher. Auch der Impfschutz hat sich in fast allen Bereichen deutlich verbessert. Deutlich mehr Frauen können lesen und schreiben, vier von fünf bringen ihre Kinder in einem Krankenhaus zur Welt, und deutlich mehr haben Zugriff auf ein Bankkonto.

Trotzdem ist Biraj Patnaik mit den Ergebnissen der Studie unzufrieden. Er ist Aktivist für das Recht auf Essen und Chef von Amnesty International in Südasien. «Der Fortschritt im Vergleich zur vorangegangenen Studie ist unverkennbar», sagt er. «Trotzdem ist das Niveau der Unterernährung in Indien nicht akzeptabel für ein Land, das immer noch als die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt gilt.»

Besonders sticht die Zahl der Kinder unter fünf Jahren heraus, die wegen mangelnder Ernährung in ihrer Entwicklung verzögert sind. Der internationale Fachausdruck dafür heißt «Stunting» («Unterentwickeltheit»). Laut der offiziellen Studie sind demnach 38,4 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren davon betroffen. Das sind laut der aktuellen Volkszählung rund 50 Millionen Kinder. Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef sind in Indien sogar 62 Millionen Kinder davon betroffen.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass es zu wenig Essen gibt. Auch zu einseitige Ernährung oder häufige Krankheiten können dafür sorgen, dass Kinder sich zu langsam entwickeln. «Auch ein satter Mensch kann unterernährt sein», sagt Sabine Gabrysch vom Institut für öffentliche Gesundheit der Universität Heidelberg.

«Wenn ein Kind zum Beispiel nur Reis bekommt aber nicht genügend Vitamine und Spurenelemente, ist das fast genauso gefährlich. Auch eine hohe Belastung mit Keimen durch mangelnde Hygiene kann den Darm überlasten und verhindern, dass die Nährstoffe richtig aufgenommen werden.»

Auch Nivedita Varshneya, Landeschefin der Nichtregierungsorganisation Welthungerhilfe in Indien, sieht die Ergebnisse der Studie als ein zweischneidiges Schwert: «Die Zahlen zeigen, dass Indien sich in den vergangenen Jahren verbessert hat. Aber sie zeigen auch klar, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.»

Eine Gefahr auf diesem Weg könnte ausgerechnet die aktuelle Regierung sein, die sehr aktiv Gesetze zur Förderung von Wirtschaft und ausländischen Investitionen erlässt. Amnesty-Mann Patnaik kritisiert, dass die direkte Ausgabe von Essen an Kinder durch Überweisungen an die Eltern ersetzt wird. Zudem sollen Hilfsleistungen mit dem umstrittenen Identifikationsprogramm Aadhaar verknüpft werden, bei dem Bürger mit Fingerabdruck und Iris-Scan erfasst werden.

«Wir haben von 2010 bis 2014 eine starke Dynamik im Kampf gegen Hunger aufgebaut», sagt Patnaik. «Gerade drohen wir, sie wieder zu verlieren».
dpa
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Kommentare 
backcomer schrieb am 22.04.2017 18:13 Uhrzustimmen(7) widersprechen(7)
die letzten Jahre trat Indien dank guter Ernten als Weizenexporteur auf.
Die Rüstung (Aufrüstung inkl. Atomar) klappt auch bestens!
Reissäcke kommen ja bei Bedarf, die Medien -Bilder generieren
freudige Spender.
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