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25.02.2011 | 02:11 | Agrarfabrik  

AbL unterstützt Widerstand gegen 3.200er-Kuh-Anlage bei Diepholz

Hamm/Bienenbüttel - Als „agrarstrukturelles Monsterprojekt“ hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) die Stallbaupläne eines Investors für 3.200 Milchkühe in Barver (im niedersächsischen Kreis Diepholz) bezeichnet.

Milchviehhaltung
Die Lage der Melkanlage lasse vermuten, dass auch noch eine „Spiegelungs-Erweiterung“ des Stalls auf 6.400 Kühe offen gehalten werde. Seine Biogas-Anlagen wolle Investor Kriesmann auf 1,5 MW aufstocken. Eine solche, in Westdeutschland bisher einmalige Agrarfabrik schaffe nur wenige Billig-Jobs und verdränge andererseits mehr als 50 mittelständische, bäuerliche Milchviehbetriebe und die Arbeitsplätze der dahinter stehenden Familien. Am Ende einer solchen Agrarindustrialisierung stünden dann bald leere Dörfer ohne Landwirte und stattdessen Tierfabriken, die allein schon größenbedingt keinerlei Möglichkeit der Weidehaltung mehr zuließen. Die Kühe kämen wegen des ununterbrochenen Melkprozesses niemals zur Ruhe. Da diese gewerblichen Betriebe keine ausreichenden Futterflächen besäßen, komme das Gentechnik-Soja-Futter aus Übersee und werde über die pachtpreistreibende Zupacht von Maisflächen beschafft.

Während die früheren Großställe in Ostdeutschland in den letzten Jahren systematisch verkleinert worden seien, würden solche neuen Großställe von „Amokmelkern“ die Milchüberschüsse nun wieder vergrößern und die Erzeugerpreise der Milchbauern drücken. In der vergangenen Niedrigpreisphase seien gerade solche Großbetriebe als erste in Konkurs gegangen, weil sie durch ihre Lohn- und Pachtzahlungen einen hohen Anteil fixer Kosten hätten und deshalb nicht so flexibel wie Betriebe mit Familienarbeitsverfassung reagieren könnten. Auch die Unsicherheit, ob hinter den geplanten Millioneninvestitionen des Investors nicht ein fremder Finanzier stehe, erhöhe die Skepsis und das Risiko möglicher Investitionsruinen. In den USA wachse die Ablehnung solcher Riesenfarmen, in England sei gerade ein solche Mega-Kuhanlage verhindert worden.

AbL-Sprecher Eckehard Niemann sagte dem Widerstand örtlicher Bauern und Bürger Unterstützung zu und regte die Gründung eines weiteren regionalen Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ auch im Landkreis Diepholz an. Der Widerstand gegen die Mega-Milchanlage habe gute Chancen: Bei der Gestaltung der Sonderzonen für gewerbliche Riesenställe in den Flächennutzungs- oder Bebauungsplänen hätten Gemeinde- und Samtgemeinderat gute Einflussmöglichkeiten zur Verhinderung oder zur Deckelung der geplanten Anlage. Offensichtlich sei auch die Zuwegung zu diesen Riesenställen nicht gesichert. Aussichtsreiche Ansatzpunkte zur Verhinderung seien auch die Auswirkungen der Emissionen auf Nachbarn und auf nahe gelegene Naturschutzgebiete. Für Betriebe solcher Dimensionen fehlten derzeit zudem zugelassene Genehmigungs-Parameter bei Emissionen oder Brandschutz.

Die AbL richtete die Bitte an den Landkreis, alsbald ein Leitbild für die Struktur der Landwirtschaft im Kreis Diepholz zu erarbeiten und sich nach dem Vorbild anderer Landkreise deutlich gegen die bedrohlich wachsende Agrarindustrialisierung durch riesige Geflügel-, Mast- und nun auch Milchviehanlagen und für die Unterstützung einer mittelständisch-bäuerlichen Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung auszusprechen. Die Landwirte, so AbL-Sprecher Niemann, sollten keine Flächen, kein Futter und keine Gülleflächen für dieses Projekt bereitstellen, die Molkereien Frischli und Wiesehoff sollten alle Möglichkeiten zur Verweigerung der zusätzlichen Überschussmilch aus dieser Agrarfabrik prüfen. (AbL)
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