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29.05.2022 | 10:10 | Sonnenblumenanbau 2022 

Globale Ernteaussichten für Sonnenblumensaat verschlechtert

London - Die globale Ernte an Sonnenblumensaat in der kommenden Vermarktungssaison dürfte noch kleiner ausfallen als bislang angenommen.

Sonnenblumenanbau 2022
Londoner Fachleute sehen Aufkommen 2022/23 bei nur noch 50,8 Millionen Tonnen - Ukrainische Produktion dürfte kriegsbedingt im Vorjahresvergleich um fast 7 Millionen Tonnen niedriger ausfallen. (c) proplanta

Der Internationale Getreiderat (IGC) in London geht aktuell von 50,8 Mio. t Sonnenblumensaat aus, die 2022/23 gedroschen werden. Im April hatte der Getreiderat noch mit 600.000 t mehr gerechnet. Der neuen Vorhersage zufolge würde das Vorjahresergebnis um 6 Mio. t oder 10,5 % verfehlt. Das langjährige Mittel würde allerdings nur geringfügig unterschritten.

Der Getreiderat geht nun im Einzelnen davon aus, dass die ukrainischen Landwirte dieses Jahr 9,6 Mio. t an Sonnenblumensaat von den Feldern holen werden, nach schätzungsweise noch 16,4 Mio. t im vergangenen Jahr. Der Krieg schränke sowohl die Anbaufläche als auch das Ertragspotential ein, stellt der IGC dazu fest.

Nach offiziellen Daten vom 12. Mai hätten die Landwirte in der Ukraine nur auf 3,3 Mio. ha Sonnenblumen ausgesät und damit gegenüber dem Stand vom Vorjahreszeitpunkt um fast 30 % zurückgelegen. Die diesjährige Erzeugung von Sonnenblumensaat in Russland sehen die Londoner Fachleute aktuell bei 15,1 Mio. t; das wären 700.000 t weniger als im Vorjahr. Als Begründung für den erwarteten Rückgang führen sie eine kleinere Erntefläche und geringere Erträge an.

EU-Bauern nutzen Brachflächen

Hinsichtlich der Produktion von Sonnenblumensaat in der Europäischen Union geht der IGC im Einklang mit der jüngsten Vorhersage der EU-Kommission dagegen von einer Rekordmenge von 11,2 Mio. t aus; im vorigen Jahr waren 700.000 t weniger geerntet worden. Der EU-Dachverband der Getreidehändler (COCERAL) hatte im März noch einen Rückgang der EU-Produktion von Sonnenblumensaat auf weniger als 10 Mio. t vorausgesagt.

Für die Ausweitung des Sonnenblumenanbaus gegenüber 2021 um schätzungsweise mehr als 4 % dürften laut IGC vor allem bisherige Brachflächen unter den Pflug genommen worden sein. Die Versorgung in der EU mit Produkten aus Sonnenblumensaat solle 2022/23 vermehrt aus eigener Erzeugung gedeckt werden, weil mit einem deutlichen Rückgang entsprechender Lieferungen aus der Ukraine zu rechnen sei, erklärte der Getreiderat.

Auch Anbauausweitung in Deutschland

Die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) berichtete am Montag (23.5.) unter Berufung auf Angaben der EU-Kommission, dass in den 27 EU-Ländern insgesamt rund 4,7 Mio. ha mit Sonnenblumensaat gedrillt werden dürften. Das wären fast 200.000 ha mehr als 2021. COCERAL war in seiner März-Vorhersage von nur 4,47 Mio. ha ausgegangen.

Der 2013 markierte bisherige EU-Höchstwert an Sonnenblumenflächen von 4,6 Mio. ha würde somit übertroffen. Dies sei angesichts einer unklaren Aussaat- und Pflegesituation des Sonnenblumenanbaus in der Ukraine als Folge des anhaltenden Krieges ein wichtiges Signal für die Marktversorgung der europäischen Ölmühlen, stellte die UFOP fest.

Flächenmäßig größter Produzent innerhalb der EU-27 ist Rumänien, das gemäß der Kommissionsprognose für Sonnenblumen ein Flächenplus von 56.000 ha auf rund 1,3 Mio. ha erwartet. Auf Platz zwei folgt Bulgarien mit einer Ausdehnung um 4,4 % auf 875.000 ha. Auch Frankreich bringt es nach den jüngsten Kommissionsangaben bei dieser Ölsaat auf einen Anbauzuwachs von 4,4 %, und zwar auf 729.000 ha.

In Ungarn und in Spanien soll das Sonnenblumenareal um schätzungsweise jeweils 4,5 % zulegen, nämlich auf 680.000 ha sowie 654.000 ha. Wie die UFOP außerdem feststellte, zeichnet sich auch ein deutlicheres Plus - allerdings auf niedrigem Niveau - in Deutschland ab. Nach der Recherche der Agrarmarkt Informations-GmbH dürfte der Sonnenblumenanbau hierzulande um 5,3 % auf etwa 40.000 ha vergrößert werden.

Kriegsbedingte Exportdrosselung der EU

Wie der IGC mit Blick auf den Welthandel mit Sonnenblumensaat ausführt, ist für die noch bis Ende September laufende Vermarktungssaison 2021/22 mit einem Mehrjahrestief von 2,3 Mio. t zu rechnen. Im April waren noch 300.000 t mehr erwartet worden. Damit würde die Vorjahresmenge um 600.000 t verfehlt. Im Einzelnen wird für den russischen Export von Sonnenblumensaat ein Rückgang um 378.000 t auf 150.000 t erwartet.

Die EU wird ihre Lieferungen in Drittländer insgesamt voraussichtlich um 216.000 t auf nur noch 400.000 t zurückfahren. Die Londoner Fachleute begründet dies mit dem deutlich knapperen Angebot an Sonnenblumenöl, weil die ukrainischen Exportkanäle durch den Krieg geschlossen seien. Angesichts von Berichten über eine weit verbreitete Knappheit dieses Pflanzenöls im Einzelhandel dürften die Verarbeiter ihre Versorgung mit lokal produzierter Sonnenblumensaat sicherstellen, hieß es.

Mehr aus Moldawien und Serbien

Für die Sonnenblumensaatausfuhr aus Kasachstan und China prognostiziert der IGC für 2021/22 im Vorjahresvergleich eine Abnahme um 66.000 t auf 190.000 t beziehungsweise einen Rückgang um 50.000 t auf 425.000 t. Die Ukraine dürfte noch 175.000 t Sonnenblumensaat exportieren; das wären lediglich 11.000 t weniger als 2020/21.

Weitaus schwerwiegender ist aus Sicht des kriegsgebeutelten Landes indes der Einbruch der Sonnenblumenölexporte. Die kanadischen Sonnenblumensaatlieferungen ins Ausland werden vom Getreiderat auf 45.000 t veranschlagt, verglichen mit 51.000 t im Vorjahr. Dagegen wird eine Ausweitung von Moldawiens Exporte um 137.000 t auf 450.000 t erwartet. Auch für Serbien wird mit Blick auf diese Ölsaat ein kräftiger Ausfuhrzuwachs vorausgesagt, nämlich um 43.000 t auf 125.000 t.

Welthandel kaum vorhersagbar

Die EU-Importe an Sonnenblumensaat dürften laut IGC im laufenden Vermarktungsjahr angebotsbedingt auf 445.000 t sinken, womit das Vorjahresvolumen um 249.000 t verfehlt würde. Gleichzeitig sollen die betreffenden Einfuhren der Nahostländer, auf die in der Regel mindestens ein Drittel der weltweiten Importnachfrage entfällt, um 11 % auf 855.000 t zurückgehen.

Wichtigster Akteur in dieser Region sei die Türkei, berichtet der Getreiderat. Für das aktuelle Handelsjahr rechnet er mit einer Verringerung der Sonnenblumensaateinfuhren Kleinasiens um 18.000 t auf 700.000 t; das wäre die kleinste Menge seit 2017/18. Weniger am Weltmarkt einkaufen dürften auch China und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Indes betonen die Londoner Fachleute, dass die Prognosen zum internationalen Handel mit Sonnenblumensaat angesichts der kaum abschätzbaren Entwicklung von Produktion, Logistik und Politik mit sehr großer Unsicherheit behaftet seien. Vorausgesagt wird nach heutigem Stand eine leichte Erholung, und zwar eine Ausweitung der Handelsmenge auf 2,7 Mio. t.
AgE
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Welterzeugung von Sonnenblumensaat
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