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12.10.2019 | 05:55 | Weidehaltung 

Arbeitsteilung bei der Schafhaltung: Herdenschutzhunde auf dem Prüfstand

Michelfeld - Die Aufgaben bei den beiden sind klar verteilt. Knut gibt die Richtung vor. Und Hermine? Die muss arbeiten.

Weidehaltung
Landwirte sorgen sich um ihre Schafe. Grund ist oft der Wolf. Dabei ist bislang erst ein einziges Exemplar im Südwesten nachgewiesen. Egal, sagen Naturschützer, die Zahl der Raubtiere werde steigen - und darauf müssten die Betriebe vorbereitet sein. (c) proplanta

Kommt zum Beispiel ein Hund ohne sein Herrchen der Schafweide zu nahe, spurtet Herdenschutzhündin Hermine ihm entgegen und bellt, was das Zeug hält. Knut bleibt zurück, schaut sich das Ganze zunächst an und bringt dann die Herde in Sicherheit.

Die beiden großen, weißen und zotteligen Tiere mit Leibwächter-Mentalität sind ein gutes Team - das müssen sie auch sein, um bei der Prüfung in Michelfeld (Kreis Schwäbisch Hall) das Zertifikat als ausgebildete Herdenschutzhunde zu verdienen. Danach geht es für die Pyrenäenberghunde zurück auf die Aidlinger Weide von Schäfer Herbert Schaible (Kreis Böblingen). Gemeinsam mit zwei weiteren Tieren bewachen Knut und Hermine dort 900 Schafe.

Im Michelfelder Betrieb von Manfred Voigt müssen Knut und Hermine die Prüfung der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde ebenso ablegen wie sechs andere Hundeteams aus Baden-Württemberg, Bayern und Brandenburg. Wie reagieren die Hunde, wenn ein Radfahrer am Weidezaun vorbeifährt? Und wie verhalten sich die beiden, wenn ein fremder Hund plötzlich ohne Herrchen an der Weide auftaucht? Über den Zaun zu springen, verbietet sich, wollen die beiden Vierbeiner als Herdenschutzhunde auch eingesetzt und ihr Schäfer entsprechend gefördert werden.

Im Gegensatz zu Hütehunden treiben Herdenschutzhunde die Tiere nicht zusammen, sondern verteidigen sie. Und diese Aufgabe führen sie aus - auf Leben und Tod. Das Problem: Knut und Hermine sollen die Schafe unter anderem vor Wölfen schützen, die den Betrieben Sorgen machen.

Allerdings ist in Baden-Württemberg erst ein einziger dauerhaft ansässiger Wolf nachgewiesen worden, gerade einmal fünf weitere Tiere wurden seit 2015 auf ihrer Wanderung durch das Land erfasst. Wie sich Herdenschutzhunde tatsächlich verhalten, wenn ein Wolf auf der anderen Seite des Zauns herumstreunt, das wissen weder Schaible noch Voigt.

Trotzdem hält Manfred Voigts Sohn Daniel es für nötig, seine 800 Schafe auf dem Landschaftspflegehof vor dem Raubtier zu schützen. Schließlich sei Baden-Württemberg «Wolferwartungsland». Wölfe würden bald ganz Deutschland besiedeln, weil der Raum im Osten für die Rudel zu eng werde. Deshalb hat Voigt seine sechs Hunde bereits vor dreieinhalb Jahren angeschafft.

Investitionen, die sich gelohnt haben, sagt er. «Seither sind keine Rehe oder Wildschweine mehr in die Herde geprescht und haben dabei die Elektrozäune beschädigt, sodass die Schafe nicht mehr ausbrechen können.»

Der Naturschutzbund (Nabu) hält Herdenschutzhunde grundsätzlich für eine sinnvolle Maßnahme, um Weidetiere zu schützen. Er wirbt deshalb auch für frühe und ausreichende Investitionen in Weidezäune und Hunde. Die Mittel für den Schutz von Schafen und anderen Weidetierherden seien gut angelegtes Geld, sagt der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle. «Je eher und besser wir uns vorbereiten, desto geringer sind die Folgekosten, die wir haben werden.»

Dazu gehörten nicht nur die Schäden durch gerissene Tiere, sondern auch die gesellschaftlichen Konsequenzen wie der Streit zwischen Jägern, Schäfern und Tierschützern oder die Ängste der Bevölkerung ebenso wie eine mögliche polarisierende Debatte. «Vorbeugung ist der beste Schutz», sagt Enssle. «Es ist wie beim Zahnarzt: Prophylaxe ist billiger als Zahnersatz.»

Die Hunde hätten unverdient einen schlechten Ruf. «Es werden nicht nur zum Wolf, sondern auch zum Einsatz von Herdenschutzhunden viele Mythen, Gerüchte und Vorurteile verbreitet», meint der Nabu-Chef. «Es wird oft gesagt, die Hunde seien Killerbestien, aber das ist völliger Unsinn.»

Dagegen sieht der Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg den Einsatz der Vierbeiner eher kritisch. «Maximal zehn Prozent der Betriebe im Land werden Herdenschutzhunde einsetzen», schätzt Geschäftsführerin Anette Wohlfarth. Die Hunde seien nicht für alle Gebiete geeignet und könnten zum Beispiel in stark zergliederten Regionen, in Stadtnähe und bei wandernden Herden nur schlecht genutzt werden. Außerdem sei ihre Ausbildung und Haltung «sehr zeit- und kostenaufwendig».
dpa/lsw
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