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01.03.2014 | 16:05 | Wölfe, Falken und co. 

Sieger und Sorgenkinder des Artenschutzes in Deutschland

Berlin - Fischotter in der Hamburger Elbe, Seeadler über bayrischen Gewässern, Wölfe im niedersächsischen Forst - viele lange verschwundene Tiere haben sich alte Reviere in Deutschland zurückerobert.

Fischotter in der Elbe
(c) proplanta

«Es hat sich auf jeden Fall etwas getan», sagt Till Hopf, Naturschutzreferent beim Naturschutzbund (Nabu). Anlass zu allzu großer Euphorie sieht er zum bevorstehenden Tag des Artenschutzes am 3. März nicht. «Es ist bei vielen Arten fraglich, ob der Mensch ihnen den nötigen Raum lässt.»

Immerhin müssen sich die zurückkehrenden Wilden ihren Lebensraum mit gut 80 Millionen Menschen teilen. Dagegen nehmen sich ihre Zahlen bescheiden aus: gut 120 Wölfe, 650 Seeadlerbrutpaare, 1.000 bei Wanderfalken, 25.000 Biber. Als Erfolg gelten sie dennoch - schließlich lag der Bestand der Tiere noch vor wenigen Jahrzehnten bei nahezu Null.

Der Wolf sei in den Wintermonaten über die gefrorene Oder zurückgekehrt, als die russischen Truppen aus der ehemaligen DDR abzogen und riesige Übungsplätze zurückließen, erklärt Jörns Fickel vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. «In diese ökologische Nische ist der Wolf reingesprungen.»

Derzeit sind dem Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz zufolge bundesweit 26 Paare und Rudel unterwegs. Ein Rudel bestehe aus 5 bis 10 Tieren. Binnen weniger Jahre sind somit aus einigen eingewanderten Wölfen mehr als 120 heimische geworden. Fickel ist überzeugt: «Der Wolf hat super Chancen in Deutschland - wenn der Mensch sie ihm nicht wieder nimmt.»

In Bayern gebe es erstmals seit mehr als einem Jahrhundert wieder Seeadler, sagt Magnus Wessel, Leiter für Naturschutzpolitik bei der Naturschutzorganisation BUND. Und in Hamburg seien wieder Fischotter zu sehen, die wohl vom östlich gelegenen Biosphärenreservat Schaalsee die Elbe hinaufgelangt seien.

Wolf, Otter, Biber, Seeadler - für sie ist der Osten Deutschlands das wichtigste Refugium. «Der Ost-West-Unterschied ist weiter sehr deutlich», sagt Wessel. «Flächen wie der Müritz-Nationalpark fallen eben nicht vom Himmel.» In anderen Regionen sei es eine immense Herausforderung, ungenutzte Flächen zu erhalten oder zu vergrößern.

Wichtig für den Artenschutz sei eine Vernetzung der Biotope, betont Wessel. «Wir brauchen für die Natur eine Art Bundesverkehrswegeplan.» Häufig mangele es aber an der Umsetzung von Gesetzen - etwa bei der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Sie sei unter anderem für den Fischotter wichtig. Fischotter schwimmen auf Wanderungen nicht unter Brücken hindurch.

«Er geht dann aus dem Wasser, läuft über die Brücke - und wird auf der Straße überfahren», erklärt Wessel. Möglicherweise mieden die Tiere dunkle, schattige Wasserbereiche, weil dort einst große Welse oder Störe lauerten.

«Laufwege unter Brücken würden Abhilfe schaffen, doch gebaut werden immer noch zu wenige.» Etwa 200 Otter würden jährlich überfahren, sagt Fickel. Dass ihre Zahl dennoch zunehme, sei Anlass zu Freude. «Otter gibt es nur da, wo das Wasser sehr sauber ist, sie sind ein super Indikator für intakte Landschaften.»

Eines der größten Sorgenkinder deutscher Artenschützer ist die Großtrappe, einer der schwersten flugfähigen Vögel der Welt. «Es gibt nur noch um die 100 Tiere in einer Region in Brandenburg», sagt Fickel. «Da ist jeder einzelne Vogel enorm was wert.» Die Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin sei daher anders gebaut worden als ursprünglich geplant. Die Eier der Trappen würden eingesammelt und in menschlicher Obhut bebrütet.

Erwachsene Tiere seien kaum in Gefahr - ein Hahn könne mit 18 Kilogramm fast so viel wiegen wie ein Reh. Für den Nachwuchs aber sei die seit Einführung der Tollwutimpfung angewachsene Fuchspopulation eine große Gefahr. «Der Lebensraum der Trappen ist deshalb umzäunt», erklärt Fickel. Größere Räuber wie Wolf und Luchs könnten dem Fuchs Einhalt gebieten. «Luchse töten alle anderen Räuber im Revier. Wölfe attackieren vor allem die Jungfüchse.»

Die Räuber dezimierten zudem Rehe, Hirsche und Wildschweine, von denen es ebenfalls zu viele in deutschen Wäldern gebe. «Es gibt ein gutes Beispiel: den Yellowstone-Nationalpark», erläutert Fickel. Dieser habe unter der zunehmenden Zahl an Wapitis gelitten, die im Winter die Baumschösslinge weggefressen hätten. «Der Wald hat sich kaum noch verjüngt.» Mit der Wiedereinführung der Wölfe habe sich das Ökosystem binnen eines Jahrzehnts erholt.

Positiv auf andere Arten wirke sich auch die Wiederansiedlung des Wisents aus. «Mit ihm entstehen wieder lichte Wälder, in denen Bodenbrüter eine neue Chance bekommen», erklärt Fickel. «Solche Beispiele zeigen das Grundproblem: Viele Menschen sehen nur die einzelne Art, nicht das gewaltige Netzwerk dahinter.» Wenn eine Art fehle, entstehe ein Loch, durch das alles Mögliche durchfalle.

Jeder einzelne könne mit seinem Verhalten beim Artenschutz mithelfen, betont BUND-Experte Wessel. «Die Futtermittel für die industrielle Massentierhaltung brauchen enorme Flächen», nennt er ein Beispiel. «Das kann jeder mitbeeinflussen über seinen Fleischkonsum.» Eines dürften die Menschen nie vergessen: «Es geht immer auch um unsere eigene Existenz.» (dpa)
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