Sonntag, 05.12.2021 | 03:27:17
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
22.02.2011 | 16:27 | Dioxin-Skandal 

Nordrhein-Westfalen: Dioxin-Aktionsplan noch nicht in allen Punkten umgesetzt

Düsseldorf - NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel hat zwei Monate nach den ersten Meldungen über Dioxin-Belastungen eine positive Bilanz der Zusammenarbeit der öffentlichen Hand im Kampf gegen das Umweltgift gezogen.

Futtermittel

„Nach Meinung vieler Experten war dieser Dioxin-Fall in NRW einer der größten seit langer Zeit. Doch die Arbeit der Überwachungsbehörden in Nordrhein-Westfalen hat sich in der Krise bewährt“, sagte Minister Remmel. „Mit offensivem und konkretem Handeln haben Kommunen, Kreise und die Landesbehörden gezeigt, was vorsorgender Verbraucherschutz bedeutet und im aktuellen Dioxin-Fall schnell dafür gesorgt, dass die permanente Belastung mit Giften aus dieser Quelle geschlossen werden konnte.“

Insgesamt mussten zwischen dem 23. Dezember 2010 und dem 21. Januar 2011 in Nordrhein-Westfalen insgesamt 268 landwirtschaftliche Betriebe in 12 Kreisen wegen des Verdachts von Dioxin belastetem Futtermittel vorsorglich gesperrt werden. Es handelte sich hierbei um landwirtschaftliche Betriebe mit Schweinehaltung, Putenmast, Rinderhaltung und Legehennen sowie um Betriebe mit Milchviehhaltung und ein Betrieb mit Entenmast. Ungefähr eine Million Eier mussten wegen möglicher Dioxin-Belastungen entsorgt werden. Im Zusammenhang mit dem Dioxinfall wurden insgesamt 163 Proben im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) auf Dioxine analysiert. In dieser Zahl sind die Doppelbestimmungen zur Absicherung positiver Befunde sowie die Anzahl der parallel untersuchten Qualitätskontrollproben und Blindwertproben nicht einbezogen.

Überschreitungen der Grenzwerte fanden sich bei drei Eier-, zwei Hühnerfleisch- und drei Futtermittelproben. Remmel: „Wenn es stimmt, was verschiedene Medien berichteten, hat der beschuldigte Betrieb in Schleswig-Holstein über Jahre Futterfette gepanscht und illegalerweise technische Fette umdeklariert. Die entdeckten Dioxin-Chargen sind daher wohl nur die Spitze des Eisbergs gewesen.“ Der jüngste Dioxin-Skandal hat zeitweise dazu geführt, dass bundesweit in fünf Bundesländern mehr als 5000 landwirtschaftliche Betriebe gesperrt werden mussten. Die Leidtragenden des Dioxin-Skandals sind zum einen die Verbraucherinnen und Verbraucher und zum anderen die heimische Landwirtschaft. „Eine ganze Branche musste unverschuldet immense Einnahmeverluste verkraften“, erklärte Remmel. Der volkswirtschaftliche Schaden gehe nach Expertenmeinung in die Millionen.

Allein in NRW sind folgende Kosten durch den Dioxin-Skandal entstanden (ohne Kommunen und Kreise):

  • Analyse der Proben durch das CVUA: rund 100.000 Euro,
  • zusätzlicher Personalaufwand CVUA + Lanuv: rund 40.600 Euro,
  • Schaden bei Mischfutterfirmen: etwa 300.000 Euro,
  • Kosten bei gesperrten Betriebe: zirka 100.000 Euro,
  • Preisverfall bei den Schweinepreisen: etwa (minus) 0,30 Cent pro Kilogramm zwischen KW 50/2010 und 03/2011

Bei der Suche nach der Quelle des Dioxin-Musters konnte NRW zusammen mit dem CVUA einen wichtigen Beitrag leisten: Nach Untersuchungen von Produktionsstätten in Borken und Emden stellte das CVUA fest, dass das dort durch den Produktionsprozess entstandene Dioxin-Muster auch in den Futterfetten und in den belasteten Futtermitteln einzelner Firmen sowie in belasteten Eiern identifiziert werden konnte. Als Eintragswege in die belasteten Chargen kommen die angelieferten Altfette und die in der Aufbereitung als Filtermaterial eingesetzten Holzhackschnitzel in Frage. Durch die Destillation der Fette in den Anlagen Borken und Emden komme es nach Meinung der Fachleute im CVUAMEL zu einer selektiven Anreicherung der Dioxine. Dieses sehr spezifische Muster findet sich in den Proben von Lebens- und Futtermitteln wieder, welche im Zuge der Krise im CVUA analysiert wurden. Das Bundesumweltamt hat inzwischen die vorgelegten Daten analysiert und bestätigt. Die zuständige Staatsanwaltschaft wurde informiert.

Als Reaktion auf den Skandal legte NRW vor allen anderen am 6. Januar einen 10 Punkte-Plan vor, der die anschließende Debatte und die entsprechenden Krisenrunden bestimmte. Die bisherige Umsetzung des später beschlossenen 14-Punkte-Planes, den die Verbraucherschutzminister der Länder und des Bundes am 18. Januar 2011 auf dem Dioxin-Gipfel in Berlin beschlossen haben, zeigt nach Ansicht von Minister Remmel weiterhin noch eklatante Lücken. Zwar habe Bundesministerin Aigner mit dem aktuellen Entwurf zur Änderung des nationalen Lebens und Futtermittelgesetzbuches (LFGB) eine Reihe von Punkten zeitnah auf den Weg gebracht, dennoch fehlten bei entscheidenden Vorhaben konkrete Ansätze.

Sollte die Bundesministerin in diesen Punkten in den nächsten Tagen nicht im Detail darlegen, wie der komplette 14-Punkte-Plan umgesetzt werden soll, wird Nordrhein-Westfalen entsprechende Initiativen in den Bundesrat einbringen. Hierzu gehört insbesondere die verpflichtende Anwendung einer Positivliste für Futtermittel sowie die Verpflichtung zur Absicherung des Haftpflichtrisikos für Futtermittelunternehmen. Remmel: „Da sich die auf EU-Ebene zahlreichen Mitgliedsländer durch Klientelinteressen gegen die Umsetzung einer Positivliste oder der verpflichtenden Haftpflichtversicherung ausgesprochen haben, müssen wir nun einen nationalen Alleingang prüfen, um die finanziellen Folgen eines solchen Skandals für die Landwirtschaft zu begrenzen. Bisher vermisse ich, dass sich Ministerin Aigner vor die Landwirte stellt und dieses heiße Eisen anpackt.“

In NRW hat das Verbraucherschutzministerium neben der Verstärkung der personellen Basis auch erste strukturelle Konsequenzen gezogen:

  • Im Nachtragshaushalt wurden schon vor dem Ausbruch des Dioxin- Skandals 10 Stellen für den Verbraucherschutz eingestellt,

  • Im Haushalt 2011 sind weitere Stellen für den Verbraucherschutz vorgesehen,

  • Ausschreibungen für drei Stellen für die Futtermittelkontrolleure sind veröffentlicht,

  • Für die Ausbildung von Lebensmittelkontrolleuren sind weitere Landesgelder vorgesehen,

  • Die Risikoeinstufung von Futtermittelunternehmen wird derzeit überprüft und neu ausgerichtet. Derzeit wird eine Konzeption umgesetzt, die seit Jahren im Lebensmittelbereich gute Ergebnisse gebracht hat. Ziel ist es, die Futtermittelüberwachung auf das gleiche Niveau wie die Lebensmittelüberwachung zu bringen. Hierzu plant NRW zusätzlich eine Bundesratsinitiative.

  • Das Ministerium hat eine Schwachstellenanalyse der Dioxinuntersuchung bei Futtermitteln veranlasst.

  • Die bisherige Praxis, 400 Dioxinanalysen bei Futtermittelkontrollen pro Jahr zu ziehen, wird derzeit überprüft, ob sie effizienter eingesetzt werden können, um frühzeitig Verunreinigungen aufdecken zu können.

  • Erarbeitung einer Gesamtstrategie zu Minimierung der Dioxin-Belastung und ähnlichen Verbindungen in der Futter- und Lebensmittelkette. (PD)
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Kommentierte Artikel

Lebensmittelindustrie: NGG fordert bis zu 6,5 Prozent mehr Geld

Schweinepestgeschehen bleibt kritisch

Wie viele Menschen ernährt ein Landwirt?

Umweltverband BUND fordert bessere Einkommen für Landwirte

Lage in Sachsen-Anhalts Wäldern bleibt ernst

Söder will 2G in Bayern soweit irgendwie möglich

Landes-Bauernverband fordert: Echten Schweinepest-Krisenstab einrichten!

Nach Riss von Ponys: Ministerium prüft Möglichkeit des Wolfabschusses

Weltklimagipfel: Reduktion des Methan-Ausstoßes beschlossen

Geflügelpest: Stallpflicht für Geflügel größerer Betriebe in Ställe in Teilen von MV

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt