Freitag, 22.10.2021 | 16:08:09
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
23.09.2021 | 06:01 | Extremwetterereignisse 

Flut-Prognose verbessern: Meteorologen für mehr Kooperation mit Hydrologen

Hamburg - Die Vorhersagen zu den Niederschlägen vor der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sehr gut.

Hochwasser
Auf dem Hamburger Extremwetterkongress warnen Forscher eindringlich vor dem Klimawandel. Als Beispiel nennen sie die jüngste Flutkatastrophe im Westen Deutschlands. Die verheerenden Auswirkungen der Regenfälle dort haben aber auch etwas mit der Landschaft zu tun. (c) proplanta

Die Herausforderung habe darin bestanden vorherzusagen, wo die Wassermengen genau abfließen werden, sagte der Vorstand Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst, Tobias Fuchs, am Mittwoch auf dem Extremwetterkongress in Hamburg.

Die Meteorologen müssten ihre Modelle mehr mit denen der Hydrologen verzahnen, forderte Fuchs. Mitte Juli hatte die Flutkatastrophe ganze Landstriche in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwüstet. Bislang wurden rund 190 Tote gezählt, mehrere Menschen gelten noch immer als vermisst.

Ähnliche Niederschlagsmengen könnten sich im Flachland ganz anders auswirken als im Bergland, erklärte der Meteorologe und Wettermoderator Sven Plöger.

Ende Juni habe es sehr stark in der Uckermark (Brandenburg) geregnet. Die Schäden seien aber vergleichsweise gering gewesen, weil der «Düseneffekt» wie im Ahrtal gefehlt habe. In den Alpen könnten bei starken Niederschlägen Muren abgehen, im Hügelland steige die Fließgeschwindigkeit der Flüsse, im Flachland stehe das Wasser längere Zeit. Das Schadensbild sei jeweils unterschiedlich.

Anhand der langjährigen flächendeckenden Daten von 51 Wetterstationen könne der DWD keine klare Veränderung bei den Starkregenereignissen in Deutschland feststellen, sagte Fuchs. Die Anzahl von Tagen mit mehr als 20 Litern Niederschlag je Quadratmeter habe sich zwischen 1951 und 2020 nur unwesentlich verändert.

Leichte Indizien für eine Zunahme lieferten jedoch die radarbasierten Auswertungen. Aus diesen lasse sich für einige Regionen ableiten, dass sich eine steigende Häufigkeit von Starkniederschlägen andeute. Seit 2001 gebe es ein flächendeckendes Wetterradarnetz. 20 Jahre seien aber zu kurz, um aus den Daten klimatologisch robuste Trends ableiten zu können.

Anfang August sei ein internationales Forscherteam unter Koordinierung des DWD zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen durch den Klimawandel um den Faktor 1,2 bis 9 erhöht habe, sagte Fuchs. Die Intensität der Niederschläge sei in den untersuchten Regionen um 3 bis 19 Prozent gestiegen. Das Team hatte Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz betrachtet. «Wir sehen also, der Klimawandel hatte seine Finger bei den Starkniederschlägen in diesem Jahr im Spiel», sagte der Meteorologe.

Einige Forscher hatten bereits darauf verwiesen, dass Wetterlagen aufgrund des Klimawandels länger in einer Region verharrten und so mehr Schäden anrichten könnten. «Das Problem ist gar nicht die Wetterlage an sich, sondern dass sie über lange Zeit bestehen bleibt», sagte Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung kürzlich.

Die Wissenschaft wisse schon seit 30 bis 40 Jahren über den Klimawandel Bescheid, erklärte Plöger. Trotzdem negiere ein Teil der Bevölkerung diese Entwicklung. Viele Menschen hätten zwar große Angst vor den Folgen des Klimawandels, wollten ihr Verhalten aber nicht ändern. Zweifel an der Klimaforschung würden daher gerne aufgegriffen werden. Plöger riet seinen Kollegen, positiver zu kommunizieren und weniger von einer drohenden Apokalypse zur reden.

Der Wunsch nach Normalität sei gerade nach der Corona-Pandemie sehr stark. Gleichzeitig entferne sich die Wirklichkeit beim Klima immer weiter von der Normalität. Die Politik müsse den Mut aufbringen, die Rahmenbedingungen für Veränderungen zu setzen, forderte Plöger und beklagte: «Wir haben einen Zustand auf der Welt, wo derjenige, der die Umwelt verschmutzt, reicher werden kann, als die Person, die sie sauber hält.»

Der Klimaforscher und Präsident des Club of Rome Germany, Mojib Latif, erklärte: «Die Juli-Flut hat gezeigt: Der Klimawandel ist gefährlich.» Die Menschen hätten das aber noch immer nicht verstanden. Latif verwies auch auf die Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad in Nordamerika und auf die Waldbrände: «Das sind Auswirkungen des Klimawandels.»

Die Gesellschaft könne sich zwar an den Wandel anpassen, aber die Anpassung habe auch eine Grenze. Wie bei der Corona-Pandemie gebe es beim Klimawandel ein exponentielles Wachstum. Der Gehalt an Wasserdampf in der Luft steige mit der Temperatur exponentiell. «Wir sind dabei, den klimatischen Wohlfühlbereich zu verlassen», warnte Latif. Eine um drei oder vier Grad wärmere Welt wäre lebensfeindlich.

Der Extremwetterkongress will die Öffentlichkeit über den Stand der Klimaforschung informieren und auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen. Er wird von dem Hamburger Meteorologen Frank Böttcher veranstalte
dpa
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Afrika bekommt Folgen des Klimawandels besonders zu spüren

Hannover Rück erwartet nach Flut steigende Preise in Deutschland

Erste Hochwasser-Hilfen aus Fonds in Rheinland-Pfalz ausgezahlt

Flut-Untersuchungsausschuss will Kachelmann und Laschet befragen

Tränen und Zukunftssorgen drei Monate nach der Flutkatastrophe

  Kommentierte Artikel

EU-Parlament fordert Maßnahmen gegen zu hohen Fleischkonsum

Verbände fordern Nachbesserungen bei GAP-Durchführungsverordnungen

Winterraps: Weiterhin Schädlingskontrolle durchführen!

Apfelsaft aus der Schweiz: Regional statt global

Streit um den Wolf - Mehr Tiere illegal getötet

Wieviel kostet der Brexit britische Fischer?

Agrarministerkonferenz kritisiert Bundesministerin Klöckner

Mais reift nur langsam ab - Ab wann könnte Ernte beginnen?

Ackerbarometer liefert Vergleichsdaten zur diesjährigen Ernte

Schweinehalter in Existenzkrise

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt