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10.03.2021 | 00:05 | Klimawandel 

2020 war weltweit zweitwärmstes Jahr

Offenbach - Der Einfluss des Klimawandels auf das Wetter in Deutschland und weltweit wird nach Einschätzung von Experten immer deutlicher erkennbar.

Hitze und Trockenheit
Immer mehr Extremwetter, immer mehr Wärme-Rekorde, die Klimaforschern Sorge bereiten. Das Wetter in Deutschland und auf der Welt ist zunehmend vom Klimawandel geprägt. Wie sehr, lässt sich bereits berechnen. (c) proplanta

So war das Jahr 2020 nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nicht nur das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland, sondern auch weltweit.

Die Meereisfläche in der Arktis erreichte im September 2020 nach 2012 ihren zweitniedrigsten Wert, wie DWD-Präsident Gerhard Adrian, der auch Präsident der Weltorganisation für Meteorologie ist, am Dienstag bei der Vorstellung der Klimadaten sagte.

Wie sehr der Klimawandel das Wetter beeinflusst, lässt sich mittlerweile mit einer neuen wissenschaftlichen Methode errechnen, sagte Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt des DWD. Bei der sogenannten Extremwetterattribution stünden zwei Fragen im Vordergrund: Werden bestimmte Extremereignisse, wie zum Beispiel Hitzewellen, häufiger auftreten? Und: Sind diese Extremereignisse heutzutage intensiver als in der Vergangenheit?

«Leider können wir zurzeit nur großräumige Extremniederschläge, Hitze- und Kältewellen sowie Dürren untersuchen», sagte Fuchs. Doch auch die Analysen, die bisher möglich waren, geben Grund zur Beunruhigung. So zeige das Beispiel der Dürre im nordöstlichen Deutschland im Jahr 2018, dass sich durch den Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für derart starke Dürren in dieser Region mindestens verdoppelt hat. Eine zweite Analyse untersuchte die Hitzewelle, die Ende Juli 2019 Teile West- und Zentraleuropas erfasste.

«Eine Attributionsstudie ergab, dass durch den Einfluss des Klimawandels vergleichbare Hitzewellen nun 10 bis 100 Mal häufiger auftreten», sagte Fuchs. «Ohne den Klimawandel wäre es im Juli 2019 in der Spitze um 1,5 bis drei Grad kühler gewesen.»

Weltweit konnte erneut eine Intensivierung und Zunahme von Wetterextremen beobachtet werden, sagte Adrian. So habe es in der Sahel-Region, um das Horn von Afrika sowie in Indien, Pakistan und China 2020 besonders viel Niederschlag gegeben, der regional um 500 Prozent über dem vieljährigen Mittel gelegen habe. Vom 1. Januar bis 17. November 2020 wurden zudem weltweit 96 tropische Stürme registriert. Im Nordatlantik waren es mit 30 Stürmen mehr als doppelt so viele wie dort typisch sind.

Bereits im Januar hatte der europäische Copernicus-Klimawandeldienst mitgeteilt, dass das Jahr 2020 in Europa so warm gewesen sei wie kein anderes seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Danach war das Jahr in Europa durchschnittlich 1,6 Grad Celsius wärmer als im 30-jährigen Referenzzeitraum 1981 bis 2010 - und 0,4 Grad wärmer als das bisherige europäische Rekordjahr 2019.

In Deutschland sei das Jahr 2020 in acht Monaten zu trocken und in vier Monaten zu nass gewesen, bilanzierte der DWD-Klimaexperte Thomas Deutschländer. Wie schon 2019 waren elf der zwölf Monate zu warm - verglichen mit der Referenzperiode 1961-1990.

Auch wenn Spitzenwerte von mehr als 40 Grad nicht wie im Jahr 2019 erreicht wurden, hatten die hochsommerlichen Temperaturen in Verbindung mit Trockenheit negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft, betonte er. «Insgesamt betrachtet verstärken die vergangenen drei Jahre die Befürchtungen der Klimaforschung, dass wir künftig immer öfter mit Wetter- und Klimaextremen rechnen müssen.»

Angesichts der Corona-Pandemie sei das Thema Klimawandel im vergangenen Jahr etwas in den Hintergrund geraten, sagte DWD-Präsident Adrian. Eines sei jedoch hervorzuheben: «Was sich in dieser Krise aber eindrucksvoll gezeigt hat: Entscheidungen, die auf wissenschaftlichen Fakten basieren, haben wesentlich dazu beigetragen, Schlimmeres zu verhindern.»

Das gelte auch für das Thema Klimawandel: «Wir wissen seit den ersten Studien des Weltklimarates aus den 1990er Jahren ziemlich genau, was uns erwartet, wenn wir unser Verhalten nicht oder nicht ausreichend ändern. Es liegt nun an uns, auf Grundlage dieser wissenschaftlichen Fakten der Klimaforschung gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen, die uns eine lebenswerte Umwelt erhalten.»
dpa
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