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04.12.2022 | 12:20 | Große Empörung 

Äußerungen von Schauspielern führen zu heftigem Aufschrei im Berufsstand

Bonn - Falsche Aussagen der Schauspieler Hannes Jaenicke und Sky du Mont zur Milchviehhaltung in der Talksendung „3nach9“ haben für große Empörung im Berufsstand gesorgt.

Landwirt
Bauernverband adressiert Empörung der Landwirte. (c) proplanta
Zentraler Kritikpunkt dabei ist zudem, dass die Moderatoren Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo die Äußerungen unreflektiert stehen ließen. Neben zahlreichen Reaktionen in den sozialen Medien seitens der Landwirte riefen die Talkshow und die dort getätigten Aussagen auch deutliche Kritik seitens der berufsständischen Vertretung und der Politik hervor.

Nach den Worten des Präsidenten vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), Hubertus Beringmeier, sind Jaenickes Aussagen kaum an Frechheit zu überbieten. Auf der einen Seite verbreite er massiv Unwahrheiten auf Kosten der Landwirte, auf der anderen Seite seien die Moderatoren ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht „in keinster Weise“ nachgekommen.

Beringmeier wertete den Auftritt Jeanickes als reinen Werbeauftritt für sein jüngstes Buch. Der WLV-Präsident forderte jeden einzelnen Landwirt auf, sich dagegen zu wehren. „Wir werden das als WLV auch machen“, betonte der Verbandspräsident. Dem Deutschen Bauernverband (DBV) zufolge wurde hinter den Kulissen die Empörung der Landwirte an den entsprechenden Stellen adressiert.

Aus Sicht von LSV Deutschland ist mit dem Talkshow-Auftritt eine „rote Linie überschritten“ worden, die einer zeitnahen, kontroversen Aufarbeitung und Richtigstellung auf gleicher Bühne mit sachkundigen Gesprächspartnern bedürfe. Ferner forderte LSV Deutschland eine umgehende Distanzierung der betroffenen Teilnehmer und Verantwortlichen zu den Worten von du Mont und Jaenicke.

Hocker: Bar jeder Grundlage

Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Carina Konrad, lud du Mont auf einen Landwirtschaftsbetrieb ein. In einem Brief an den Schauspieler, der AGRA-EUROPE vorliegt, schreibt Konrad, sie wolle ihm dort zeigen, wie hart und gewissenhaft die Landwirte arbeiteten. Zugleich wolle sie du Mont ihre Sicht zum Tierwohl und zur Tierhaltung schildern.

Konrad betonte, dass ihr insbesondere Transparenz für Konsumenten eine „Herzensangelegenheit“ sei. Daher setze sich die Ampelkoalition für ein Tierwohllabel ein, um einheitliche Standards für die Landwirtschaftsbetriebe zu schaffen. FDP-Agrarsprecher Gero Hocker zufolge entbehren die Aussagen von Jaenicke und du Mont jeder, aber auch wirklich jeder Grundlage.

Außer dem Wunsch nach medialer Aufmerksamkeit könne er sich die Aussagen der beiden Herren nicht erklären, so Hocker in einem Facebook-Eintrag. Es werde ein ganzer Berufsstand diskreditiert. Der Arbeitskreis Landwirtschaft der CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen forderte den Sender Radio Bremen auf, sich bei den Landwirten zu entschuldigen. „Das war ein Tritt in den Rücken unserer Landwirtsfamilien“, stellte der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Marco Mohrmann, klar.

Entschuldigung auf Instagram

Du Mont hatte in der Talksendung von Kühen als „stehenden Milchtanksäulen“ gesprochen, die „ständig medikamentös behandelt und hochgezüchtet“ würden. Kälber würden in Container geworfen, bis es „mehrere Schichten“ gebe und die unteren erstickten.

Später entschuldigte sich der Schauspieler in einem Eintrag auf Instagram und erklärte: „Ich bedauere meinen Fehler, den ich leider nur schwer wieder gut machen kann. Aber ich werde es versuchen.“ Es sei „dumm von mir, kritiklos ‚Fake News‘ zu glauben“. Der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH) nahm auf Facebook die Entschuldigung du Monts an, betonte aber auch, er erwarte, dass dieses nicht nur versteckt auf Instagram erscheine, sondern dass sich der Schauspieler klar von den Falschaussagen Jaenickes distanziere.

Das wäre angesichts des „Meinungsschadens“, der gemeinsam angerichtet worden sei, nur gerechtfertigt. Vor Jahren hatte du Mont mit dem Slogan „Milch ist meine Stärke“ Werbung im Auftrag der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) und der EU gemacht.

Hofbesuch im Januar

Jaenicke reagierte derweil mit einem Facebook-Video auf den „Shitstorm der Agrarlobby“ und stellte klar, dass er mit seiner Kritik an der industriellen Massentierhaltung eben nicht die kleinen Anbieter, die kleinen Züchter, die Biobauern gemeint habe, sondern die Großkonzerne. Nach seinen Worten gehören die Ernährungsindustrie und die „industrielle Massentierhaltung“ auf den Prüfstand. Wen er hinter „der Agrarlobby“ sieht und wie er „industrielle Massentierhaltung“ definiert, darauf ging Jaenicke nicht weiter ein.

Indes teilte der Kreisbauernverband Northeim-Osterrode im Landvolk Niedersachsen auf Facebook mit, dass er Jaenicke und du Mont zu einer offenen, sachlichen und faktenbasierten Diskussion auf einen konventionellen Betrieb eingeladen habe, um sich vor Ort ein Bild machen zu können. Dem Kreisbauernverband zufolge hat du Mont dieses Treffen für Mitte Januar zugesagt.

Tierschützern beschriebene Praxis unbekannt

Die „3nach9“-Redaktion erklärte indes, dass die Reaktionen, Emotionen und Fragen sehr ernst genommen würden und das Thema weiter verfolgt werde. Zugleich kündigte die Redaktion an, die Themen Milchviehwirtschaft und Kälbermast in Deutschland journalistisch aufzugreifen und zu überlegen, sowohl in den regionalen Programmen als auch redaktionsintern die Hintergründe noch einmal aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Zudem stellte die Redaktion fest, dass der Talk mit Jaenicke und du Mont die Gefühle vieler Landwirte in Deutschland verletzt habe. Es habe nicht im Interesse der Redaktion gelegen, die persönliche Integrität deutscher Nutztierhalter per se infrage zu stellen. Unterdessen erklärte die Tierschutzorganisation „Animal Welfare Foundation“, die seit Jahren illegale Tiertransporte von Kälbern und Schlachtrindern ins Ausland recherchiert und filmt, gegenüber BR24, dass sie die von du Mont beschriebene Praxis „bislang nirgends beobachtet“ habe und nicht glaube, „dass es sie in der Form gibt“.
AgE
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