Donnerstag, 05.08.2021 | 19:59:16
schließen x
Suchbegriff
Rubrik
 Suchen
Das Informationszentrum für die Landwirtschaft
05.02.2017 | 06:15

Kampf der Superkühe - Fleckvieh holt Holstein-Kuh langsam ein

München - In Deutschlands Kuhställen tobt ein verborgener Konkurrenzkampf: Seit Jahrzehnten beherrscht das in Norddeutschland verbreitete Holstein-Rind den Weltmarkt für Milchkühe.

Holstein vs. Fleckvieh
Seit Jahrzehnten dominiert das norddeutsche Holstein-Rind den Weltmarkt für Milchkühe. Doch es gibt Konkurrenz: Im scharfen Wettbewerb um den Export holt das süddeutsche Fleckvieh auf. (c) proplanta

Doch die Züchter in Süddeutschland und Österreich holen auf: Das im Süden verbreitete Fleckvieh hat sich zum internationalen Wettbewerber der Holsteins entwickelt. In der Nachkriegszeit gab die bayerische Durchschnittskuh nur halb so viel Milch wie ein norddeutsches Tier - doch inzwischen ist auch das Fleckvieh auf Hochleistung gezüchtet.

Die Hauptformen der zwei Rinderrassen sind leicht zu unterscheiden: Die schwarz-weiße Holstein-Kuh - im Fachjargon schwarz-bunt - kennt jedes Kind. Das zur Hälfte schwarze Fell inspirierte den 1979 gestorbenen Schriftsteller Arno Schmidt zum Titel seiner Erzählung «Kühe in Halbtrauer». Es gibt aber auch eine rot-bunte Ausprägung.

«Auf jeden Fall ist die Holsteinrasse die häufigst vorkommende Milchviehrasse der Welt und wird in praktisch allen Ländern zur Milchproduktion genutzt», sagt Jürgen Mohrenstecher vom Deutschen Holstein-Verband. Keine andere Rinderrasse gibt mehr Milch. Der Durchschnitt liegt derzeit bei knapp 9.000 Litern im Jahr.

Die in der Regel hellbraun gefleckte Fleckviehkuh gibt im Schnitt über 1.000 Liter weniger Milch im Jahr als eine Holstein. Doch anders als die für die Milchproduktion gezüchteten Holsteins ist das Fleckvieh eine «Zweinutzungsrasse» für Milch und Fleisch. «Der Schlachterlös für Fleckviehfleisch ist wesentlich höher», sagt Franz Gasteiger, Zuchtleiter beim Zuchtverband für oberbayerisches Alpenfleckvieh in Miesbach.

Beide Rassen sind internationale Koproduktionen, keineswegs ausschließlich deutsche Züchtungen. Doch haben deutsche Rinderzüchter eine starke Stellung auf dem Weltmarkt.

Rinder werden in zweierlei Form exportiert: als lebendiges Tier und als Sperma. 2015 wurden nach Zahlen des Deutschen Holsteins-Verbands in Bonn über 80.000 lebende Holstein-Rinder aus Deutschland exportiert. Vom Fleckvieh dagegen gingen nur knapp 14.000 Tiere ins Ausland, wie die Arbeitsgemeinschaft süddeutscher Rinderzucht- und Besamungsorganisationen (ASR) berichtet.

Doch der echte Exportschlager sind die Rindersamen - und da liegt inzwischen das Fleckvieh in Führung. China etwa erlaubt nur Sperma-Importe, keine Lebendeinfuhr. So wurden 2015 nach den Zahlen der Arbeitsgemeinschaft deutscher Rinderzüchter (ADR) 4,8 Millionen Portionen Rindersamen ins Ausland verkauft, der Fleckvieh-Anteil lag mit 48 Prozent vor den Holstein-Rindern mit 42 Prozent.

Auf dem Weltmarkt für Holstein-Sperma gibt es scharfe Konkurrenz durch Züchter in den USA und anderen Ländern. Die Fleckviehzüchter in Süddeutschland und Österreich dagegen haben weniger internationale Wettbewerber, wie ASR-Geschäftsführer Georg Röhrmoser sagt.

Die Fleckvieh-Züchter haben in den vergangenen Jahrzehnten den Rückstand in der Milchleistung stark verkleinert und sind damit konkurrenzfähig geworden. Im Jahr 1952 gab eine bayerische Milchkuh im Schnitt 1.800 Liter Milch im Jahr, eine schleswig-holsteinische mit 3.600 Liter fast doppelt so viel, wie dem Statistischen Jahrbuch 1953 zu entnehmen ist.

Die alten Statistiken sind zwar nicht eins zu eins auf Holsteins und Fleckvieh übertragbar, da insbesondere in Bayern noch andere Rinderrassen gehalten werden. Doch liefern sie ein Indiz der einstigen Leistungsunterschiede.

Der Export des Fleckviehs begann daher erst spät: «In den siebziger Jahren hat die weltweite Verbreitung begonnen», sagt Maximilian Putz, Referatsleiter im bayerischen Agrarministerium.

Die süddeutschen Fleckvieh-Fachleute halten ihre Tiere für überlegen, was die Norddeutschen bestreiten. «Ins Extrem gezüchtete Holstein-Rinder bestehen eigentlich nur noch aus Haut und Knochen, im Krankheitsfall fehlen den Tieren die Reserven», sagt Putz.

Die jährliche Erhöhung der Milchproduktion pro Kuh ist eine eher wenig beachtete Spitzenleistung der deutschen Wirtschaft. Die Entwicklung ähnelt der Steigerung der PS-Zahlen bei BMW und Mercedes: Allein in den vergangenen zehn Jahren ist die «Lebensleistung» - die Menge Milch, die eine Kuh bis zur Schlachtung gibt - sowohl bei Holsteins als auch bei Fleckvieh um etwa 4.000 Liter gestiegen.

Ungeachtet der Exporterfolge ist die Zucht auf immer höhere Leistung umstritten. Ein wissenschaftliches Gutachten für die EU-Behörde für Nahrungsmittelsicherheit empfahl 2009 eine Änderung der Zuchtkriterien: «Langfristige genetische Selektion für hohe Milchleistung ist der Hauptfaktor für niedriges Tierwohl - insbesondere Gesundheitsprobleme - bei Milchkühen», hieß es darin.

Die Züchter aber erwarten, dass die Milchleistung auch künftig steigt - «vielleicht nicht mehr ganz so schnell wie in den vergangenen Jahrzehnten», wie der Miesbacher Zuchtleiter Gasteiger sagt.
dpa
Kommentieren
weitere Artikel

Status:
Name / Pseudonym:
Kommentar:
Bitte Sicherheitsabfrage lösen:


  Weitere Artikel zum Thema

Deutlich weniger Anbindehaltung bei Rindern im Südwesten

Immer mehr Milchbauern in Mecklenburg-Vorpommern schmeißen hin

Rinderbestand in Thüringen weiter im Abwärtstrend

Holstein-Schwarzbunt dominiert Brandenburger Rinderbestände

Landwirte in NRW halten weniger Milchkühe

  Kommentierte Artikel

Tauender Permafrost: Bricht Russen der Boden unter den Füßen weg?

Immer mehr Soja in Deutschland angebaut

Eine Million Fahrzeuge mit Elektroantrieb

Invasive Arten verursachen Milliardenschäden in der Land- und Forstwirtschaft

Energiewende: Müssen notwendige Maßnahmen besser erklärt werden?

EnBW-Chef macht Druck beim Ausbau der Erneuerbaren

USA leiden unter Wetterextremen: Wird es ein langer, trockener Hitzesommer?

Nach Jahrhundertregen: Juli wird in Geschichtsbücher eingehen

Macht der Klimawandel Wetterereignisse extremer?

Milliardenfrage EEG-Umlage: Wieviel kostet Klimaschutz?

Nachrichten
Agrarpolitik
Agrarwirtschaft
Unternehmen
Landtechnik
Pflanze
Tier
Bio
Wissenschaft
Wald & Forst
Umwelt
Energie
Verbraucher
Karriere
Landleben
Medizin
IT & Medien
Veranstaltungen
Neuerscheinungen
Service

Agrarnachrichten-Ticker
Schlagzeilen
Tags
Archiv
Premium-News
Agrar-Suchbegriffe
RSS-Channel
Markt & Preis
Warenbörsen
Mannheimer Produktenbörse
Südwestdeutsche Warenbörse
Frankfurter Produktenbörse
Stuttgarter Produktenbörse
Bayerische Warenbörse
Würzburger Produktenbörse
Vereinigte Getreide- u. Produktenbörse Braunschweig - Hannover - Magdeburg
Hamburger Getreidebörse
Bremer Getreide- und Futtermittelbörse
Getreide- und Produktenbörse Paderborn
Rheinische Warenbörse
Mitteldeutsche Produktenbörse - Berlin - Brandenburg
Mitteldeutsche Produktenbörse - Dresden
Mitteldeutsche Produktenbörse - Erfurt
Mitteldeutsche Produktenbörse - Halle
Börse Wien
Marktberichte

Warenterminmärkte
CBoT-Weizenpreis
CBoT-Maispreis
MATIF-Weizenpreis
MATIF-Rapspreis
MATIF-Maispreis
EUREX-Schweinepreis
EUREX-Ferkelpreis
Agrarmarkt-Widget
Glossar

Stellenmarkt
Stellenangebote
Stellengesuche
Jobwall
Agrarstudium
Grüne Berufe
Bewerbungstipps
Online-Journal

Marktplatz
Landtechnik
Traktoren
Traktorzubehör
Baumaschinen
Ersatzteile
Erntetechnik
Saattechnik
Fütterungstechnik
Räder
Bodenbearbeitung
Kommunalgeräte
Forsttechnik

Kleinanzeigen
Angebote
Gesuche

Büchermarkt
Angebote

Futtermittel
Suche
Rinderfutter
Kälberfutter
Milchviehfutter
Schweinefutter
Ferkelfutter
Eberfutter

Wetter
Agrarwetter Deutschland
Agrarwetter Baden-Württemberg
Agrarwetter Bayern
Agrarwetter Brandenburg
Agrarwetter Hessen
Agrarwetter Mecklenburg-Vorpommern
Agrarwetter Niedersachsen
Agrarwetter Nordrhein-Westfalen
Agrarwetter Rheinland-Pfalz
Agrarwetter Saarland
Agrarwetter Sachsen-Anhalt
Agrarwetter Schleswig-Holstein
Agrarwetter Thüringen

Wetterrückblick
Niederschlagsradar
Unwetterwarnung Deutschland
15-Tage-Temperaturtrend

Agrarwetter Österreich
Agrarwetter Schweiz
Agrarwetter Frankreich
Météo Agricole France
Agrarwetter Italien
Meteo Agricolo Italia

Profiwetter Deutschland
Profiwetter Österreich
Profiwetter Schweiz
Profiwetter Frankreich
Météo Professionnel France
Profiwetter Italien
Meteo Professionale Italia

Agrarwetter.net

Agrar-Branchenbuch
Alle Rubriken
Produktverzeichnis
Firmenverzeichnis

Behörden
Bildungseinrichtungen
Organisationen
Bio-Handel
Fruchthandel
Direktvermarkter
Innenwirtschaft
Landhandel
Landtechnik
Lohnunternehmen
Pflanzenproduktion
Tierproduktion
Verarbeitung
Beratung
Energie
Hofurlaub
Veranstaltungen
Garten- und Landschaftsbau
Maps
Bodenpreise
GVO

Agrarforum

Veranstaltungen
Messen Ausstellungen
Tagungen Kongresse
Workshops Seminare Vorträge
Info-Veranstaltungen
Feldtage
Auktionen
Feste
Wettbewerbe
Traktor-Pulling

Infothek

Lexikon: 
Landwirtschaft Unkräuter

Wörterbuch: 
Landwirtschaft Landtechnik Pflanzenkrankheiten Pflanzenschädlinge Unkräuter Nutztiere Tiergesundheit

Pflanze: 
Mais Weizen Gerste Roggen Reis Raps Sonnenblume Sojabohne Baumwolle Zuckerrübe Kartoffel Wein Tabak

Tiere: 
Rind Schwein Schaf Ziege Geflügel


Ratgeber

Umfrage

Mediathek
Fotos
Videos
Pflanzenbauberater
PSM-Suche
Pflanzenschutzmittel
Neuzulassungen
Ablauffristen
Aufbrauchfristen
Abgelaufene Mittel
Zulassungsverlängerungen
Auflagen

PSM-Empfehlungen
Herbizide
Fungizide
Insektizide Getreide
Wachstumsregler Getreide

Sorten-Suche
Neue Sorten
Pflanzenzüchter

Regionale Empfehlungen

Garten-Ratgeber
Für angemeldete User
Stellenanzeige schalten
Kleinanzeige schalten
Eintrag ins Branchenbuch
Online-Landvermessung
Wetter-Profile anlegen
Projekte in Maps anlegen
Newsletter-Profil anlegen
Zugang Unkraut-Lexikon
Zugang Premium-News
E-Markttelegramm abonnieren

zur Anmeldung
Service
Bannerschaltungen
Newsticker
Agrarfotos
PR-Meldungen
Agrarmarkt-Informationen
Agrarmarkt-Widget
Wetterfenster für Homepage

Info + Preise

Kontakt