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19.09.2022 | 00:02 | Erneuerbare Energien 

Alternativen für Biogaserzeugung gesucht: Hirse und Silphie im Blick

Bad Hersfeld - Die Gasknappheit durch den Ukraine-Krieg bereitet vielen Menschen Sorgen und rückt erneuerbare Energien weiter in den Fokus.

Biogaserzeugung
Monokulturen und Konkurrenz zwischen «Teller und Tank» - der Anbau von Mais und Raps für die Erzeugung von Biogas und Biodiesel hat seit langem mit Kritik zu kämpfen. In Hessen wird derzeit mit zwei neueren Kandidaten experimentiert, die zukünftig eine wachsende Rolle spielen könnten. (c) proplanta

Dazu gehört auch Biogas, das bisher in den Anlagen vor allem aus Maissilage, Gülle und Mist hergestellt und zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Doch künftig könnten auch andere Energiepflanzen an Bedeutung gewinnen: Seit einiger Zeit baut der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) auf Demonstrationsflächen in Bad Hersfeld Hirse und die aus Nordamerika stammende Durchwachsene Silphie an. Diese bis zu drei Meter hohe, gelb blühende Pflanze kommt nicht nur auf eine ordentliche Energieausbeute, sondern könnte auch einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten.

Noch ist die Anbaufläche für beide Pflanzen in Hessen gering. 73 Hektar waren es laut Statistischem Landesamt im vergangenen Jahr bei der Durchwachsenen Silphie, und die Anbaufläche für Hirse war nach LLH-Angaben zuletzt noch so klein, dass sie von den Statistikern gar nicht als Einzelwert erfasst wurde. Zu Demonstrationszwecken baut der LLH derzeit auf einem Hektar Ackerfläche Hirse an.

Bei der Energieausbeute schneiden die beiden Energiepflanzen nach Angaben der Experten ein wenig schlechter ab als der Mais. So lässt sich laut LLH aus einem Hektar Mais der jährliche Strombedarf von etwa fünf und der Wärmebedarf von circa zwei Haushalten decken - etwas darunter liegt die Hirse mit Strom für etwa vier und Wärme für zwei Haushalten und die Silphie mit einer Stromausbeute für etwa drei und Wärmeausbeute für etwa einen Haushalt.

Doch auch andere Kriterien haben die Experten im Blick: So ist die Durchwachsene Silphie eine mehrjährige Pflanze, die tiefe Wurzeln entwickelt und damit besser gegen Trockenheit gewappnet ist als beispielsweise der Mais. Auch kann sie nach einmaliger Pflanzung mindestens 15 Jahre geerntet werden - und ab dem dritten Jahr sind nach Angaben des LLH keine Pflanzenschutzmittel mehr notwendig.

Dann reiche auch eine überwiegende Düngung mit Gülle und Mist. Hinzu komme die lange Blütezeit von Juni bis September, die sehr insektenfreundlich sei. Außerdem müssten kaum Wildschäden bei der Silphie befürchtet werden, weil die Pflanze keine Nahrungsquelle für Wildtiere darstellt - anders als der Mais, der beispielsweise Wildschweine anzieht.

«Mit der Durchwachsenen Silphie suchen wir nach Lösungen für die Herausforderungen wie reduzierten Mineraldüngereinsatz, Förderung der Biodiversität und Anpassung an den Klimawandel. Die Arbeitsergebnisse des LLH können zu einem flächendeckenden Einsatz beitragen», erklärte LLH-Direktor Andreas Sandhäger. «Bei unserer Energieversorgung bietet Biogas das Potenzial, Energiespitzen schnell bedienen zu können. Als speicherbare Energie leistet es im Sinne des Energiemixes somit einen nachhaltigen und wichtigen Beitrag zur regionalen Energieversorgung.»

Aber es gibt auch Hemmnisse, erklärt der LLH: So sind die Anlagekosten bei der Durchwachsenen Silphie mit etwa 2.000 Euro pro Hektar im Vergleich zu anderen Kulturen sehr hoch, und im ersten Anbaujahr sei keine Ernte der Pflanze möglich, so dass in der Regel eine Zweitfrucht mit ausgesät werde. Bei der Hirse kämen Ertragseinbußen bei Trockenheit wie in diesem Sommer hinzu. Mit den bisherigen Ergebnissen und Erträgen bei der Durchwachsenen Silphie ist der Landesbetrieb Landwirtschaft sehr zufrieden.

Aus Sicht des Hessischen Bauernverbands kommen sowohl Hirse als auch Silphie für einen Anbau als Energiepflanzen in Betracht, die sogenannte Sorghumhirse beispielsweise laufe in der Biogasanlage in Wölfersheim im Wetteraukreis auch bereits mit, erklärte eine Verbandssprecherin und ergänzte mit Blick auf beide Pflanzen: «Sie sind nur noch nicht Standard, da sie unter den hiesigen Bedingungen nicht so bekannt sind und züchterisch wenig gemacht wurde», deshalb berge der Anbau gewisse Risiken. So sei etwa die Hirse recht kälteempfindlich, so dass Spätfröste ein Problem werden könnten. «Die Landwirte sind trotzdem sehr interessiert und wollen die Biodiversität fördern sowie an den Klimawandel angepasste Züchtungen anbauen.»

Grundsätzlich gelte, dass sich der Anbau wirtschaftlich lohnen, und auch praktikabel sein müsse, sagte Florian Dangel, der beim Hessischen Bauernverband für das Thema erneuerbare Energien zuständig ist. So gelte die Silphie beispielsweise als aufwendig in der Nach- und Vorbereitung der Flächen für die nächste Frucht. Deshalb setze man auf die Arbeit des LLH und anderer Organisationen, dank deren Wissen und Arbeit der Anbau künftig attraktiver für die Praxis werden könne.
dpa/lhe
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