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15.05.2022 | 12:39 | Fehlende Niederschläge 

Frühjahrstrockenheit weitet sich aus

Bonn - Die anhaltende Trockenheit in großen Teilen Deutschlands weitet sich aus und bereitet den Landwirten zunehmend Sorgen.

Frühjahrstrockenheit
Niedersachsens Felder benötigen dringend Regen- Bauernverband in Frankreich warnt vor „dramatischen Ertragseinbußen“. (c) proplanta

Laut dem Bodenfeuchteviewer des Deutschen Wetterdienstes (DWD) leiden die Böden bis in 10 cm Tiefe bundesweit - bis auf den Norden Schleswig-Holsteins beziehungsweise Süden Baden-Württembergs sowie Südosten Bayerns -unter Trockenstress, teilweise sogar extrem.

Selbst in einer Tiefe bis in 30 cm zeigt der Bodenfeuchteviewer leichten Trockenheit an. Für Niedersachsen berichtete das dortige Landvolk von durchweg zu trockenen Äckern zwischen Ems und Elbe. „Die Schilderungen unserer Mitglieder im Pflanzenausschuss belegen eindeutig, dass mancherorts zwar noch etwas Feuchte im Boden ist, aber nicht tiefgründig“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses im Landvolk Niedersachsen, Karl-Friedrich Meyer am Montag (9.5.).

Er befürchtet starke Ertragsminderungen, sollte nicht bald Regen in ergiebiger Menge fallen. Neben dem Wassermangel leiden die Kulturen laut Meyer derzeit auch unter zu niedrigen Temperaturen. Deutlich zu trocken ist es zudem in Deutschlands Wäldern. In vielen Forstgebieten, vor allem im Osten des Landes, beträgt die Warnstufe laut dem DWD-Waldbrandgefahrenindex Stufe 3 und 4, teilweise sogar die höchste Warnstufe 5.

Derweil mahnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einem Standpunkt einen sorgsameren Umgang mit Wasserressourcen angesichts einer zunehmenden Wasserknappheit an. Auch die Bewässerung in der Landwirtschaft könne nicht beliebig ausgeweitet werden und müsse beispielsweise mit standortgerechten Fruchtfolgen angepasst werden.

Landwirte befürchten Unterversorgung

Laut Landvolkverband beurteilen die Landwirte den Raps von „sehr gut“ bis „befriedigend“. Die Gerste und der Winterweizen stünden bislang gut da. Jedoch zeichne sich ab, dass die Frühjahrstrockenheit ihren Tribut fordere. So habe sich im Süden Niedersachsens der Winterweizen schwer getan, und es seien sehr heterogene Triebe erkennbar, berichtete der Landesbauernverband.

In Regionen mit Feldberegnung wie der Lüneburger Heide liefen seit 14 Tagen die ersten Beregnungsintervalle. Wo dies möglich sei, stehe das Getreide gut da, ansonsten leide es. „Erste Gerstenfelder schieben bereits die Ähren. Ohne Beregnung haben die Nährstoffe keine Chance, an die Pflanze zu kommen. Aufgrund der beschränkten Wassermenge wird sehr mit Bedacht beregnet“, erklärte Meyer.

Im Bereich Uelzen würden derzeit noch die letzten Kartoffeln gepflanzt. Nahezu komplett abgeschlossen ist laut Landesbauernverband die Maisaussaat. Die Zuckerrüben seien trotz der vielen Nächte mit Frost relativ gut aus der Erde gekommen. Der erste Schnitt auf dem Grünland verzögere sich ebenfalls mangels Regen.

Der Landvolkverband wies darauf hin, dass alle Landwirte aufgrund der hohen Preise für Dünger diesen „mit angezogener Handbremse“ ausbringen würden. Der Ausschuss Pflanze zeigte sich überzeugt, dass die Gerste das noch zu spüren bekommen werde. Befürchtet wird eine große Unterversorgung der Pflanzen mit Nährstoffen. Die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Betriebsmitteln seien „die Kernpunkte“, mit denen die Landwirte in diesem Erntejahr zu kämpfen hätten.

Steigende Lebensmittelpreise

Auch in Frankreich wird die landesweite Trockenheit für die Landwirtschaft immer mehr zu einem Problem. Der französische Bauernverband (FNSEA) warnte am Montag vergangener Woche ebenfalls davor, dass der fehlende Regen landesweit das Wachstum des Getreides und insbesondere des Weizens bedrohe. Verbandspräsidentin Christiane Lambert befürchtet „dramatische Ertragseinbußen“.

Die Lebensmittelpreise könnten im Fall einer schlechten Ernte weiter steigen. „Mit jedem Tag, der vergeht, sehen wir, dass die Böden rissig werden“, erklärte Lambert gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Selbst im Norden des Landes werde die Lage immer angespannter.

Mit einem blauen Auge davonkommen werden nach Einschätzung der FNSEA-Präsidentin allenfalls Landwirte, die Möglichkeiten zur Feldbewässerung haben. Der französische Bauernverband veranschlagt die zu erwartenden Ertragseinbußen auf bis zu 40 %, sollte die Trockenheit noch mehrere Wochen anhalten.

Dänemark ist ebenfalls betroffen

Der staatliche Wetterdienst (Météo France) betonte am vergangenen Mittwoch, dass Frankreich derzeit eine frühzeitige „bemerkenswerte Hitzeperiode mit hochsommerlichen Temperaturen“ erlebe. Die Meteorologen gehen davon aus, dass sich die heißen Tage in dieser Woche fortsetzen werden.

In zwei Dritteln des Landes gebe es bereits trockene bis sehr trockene Böden. So trocken wie jetzt ist es normalerweise nur alle zehn beziehungsweise andernorts alle 25 Jahre. Auch in Dänemark schlagen Fachleute Alarm, nachdem nennenswerte Niederschläge in weiten Teilen des Landes ausgeblieben sind.

Der amtlich erhobene zehnstufige Dürreindex ist deshalb landesweit schon in der vorvergangenen Woche auf 9,7 Punkte gestiegen. Das ist der zweithöchste Wert, der jemals um diese Zeit gemessen wurde. Sollte Regen auch in den nächsten zwei Wochen ausbleiben, werden laut Praktikern spürbare Ertragsschäden in der Fläche nicht ausbleiben.

Geringere Getreideerträge

Unterdessen legte der große spanische Bauernverband COAG eine Studie zu den Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft auf der iberischen Halbinsel vor. In der Analyse prognostiziert der Verband erhebliche Ertragsrückgänge und Minderungen der Produktqualität, vor allem in den Anbaugebieten im Süden des Landes.

Bei einer globalen Erwärmung um 1,5° C sei davon auszugehen, dass sich die Weizenerträge in Spanien um insgesamt 8 % verkleinerten. Daneben gingen mehr als ein Zehntel der Flächen, die in Spanien am besten für Qualitätsweine geeignet seien, sowie 80 % der Flächen für Olivensorten in Andalusien verloren. Bei einem Anstieg um 2° C befürchtet der Berufsstand „sehr schwerwiegende“ Schäden.

Dann könnten die Getreideerträge regional um mehr als 15 % schrumpfen. Die Anbaufläche für hochwertigen Wein könnte sich landesweit sogar um 20 % eingeschränkt werden. Auf Basis der Analyseergebnisse forderte COAG mehr Engagement im Klimaschutz. Anpassungsmaßnahmen allein reichten nicht aus, die Landwirtschaft zu schützen.

Immer mehr Dürren

Laut dem neuen Klimabericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) liegt die Wahrscheinlichkeit bei 93 %, dass in mindestens einem der nächsten fünf Jahre die globale Durchschnittstemperatur vorübergehend um 1,5° C über dem vorindustriellen Niveau liegen und 2016 als das wärmste Jahr in der Geschichte von der Spitze verdrängen wird.

Laut WMO-Generalsekretär Prof. Petteri Taalas zeigt die Studie, „dass wir dem unteren Ziel des Pariser Klimaabkommens vorübergehend messbar näher kommen. Die Zahl von 1,5° C ist keine zufällige Statistik. Sie ist vielmehr ein Indikator für den Punkt, an dem die Klimaauswirkungen für die Menschen und den gesamten Planeten zunehmend schädlich werden.“ Wie dem auf der 15. Weltbodenkonferenz in Abidjan vorgelegten Dürrebericht der Vereinten Nationen (UN) zu entnehmen ist, hat seit dem Jahr 2000 die Anzahl und Dauer von Dürren um 29 % zugenommen.

Am Schweideweg

Laut dem Bericht des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) steht die Menschheit „am Scheideweg“. Wenn nicht schneller gehandelt werde, seien bis 2030 schätzungsweise 700 Millionen Menschen von Dürre bedroht; im Jahr 2050 könnten mehr als drei Viertel der Weltbevölkerung betroffen sein.

Neben der „Wiederherstellung der Böden“ seien nachhaltige und effiziente landwirtschaftliche Bewirtschaftungstechniken, die mehr Nahrungsmittel auf weniger Fläche und mit weniger Wasser erzeugten, ebenfalls erforderlich. Der Umgang mit Lebens- und mit Futtermitteln müsse ebenso verändert werden wie eine stärkere pflanzliche Ernährung und eine Verringerung der tierischen Ernährungsweise.
AgE
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