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17.01.2011 | 07:52 | Wein-Projekt in Frankreich 

Gentechnikversuch: Von der Information zur Interaktion

Darmstadt/Aachen - Am Institut National de Recherche Agronomique im Elsass wurde in den letzten Jahren eine neue Form der Öffentlichkeitsbeteiligung erprobt.

Rebstöcke
Ein Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Weinreben wurde über sechs Jahre hinweg von einem Local Monitoring Committee begleitet, das die Fragestellungen für die biologische Sicherheitsforschung mitentwickelte. Die Zerstörung des Freisetzungsversuches 2010 beendete das Projekt. In dem Online-Journal PLosBiology erschien Ende 2010 der Abschlussbericht.

Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung beim Einsatz neuer Technologien beschränkten sich in der Vergangenheit zumeist auf die reine Information oder Anhörung. Neuere Verfahren setzen stärker auf die aktive Mitwirkung von Bürgern und Interessenvertretern. Ein solches Verfahren wurde von 2003 bis 2010 am Institut National de Recherche Agronomique (INRA) in Colmar erprobt.

Der Anlass war ein Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Weinreben, die gegen das weltweit verbreitete Grapevine fanleaf virus (GFLV) resistent sind. GFLV ist eines von mehreren Viren, die die Reisigkrankheit verursachen. Es wird durch bodenbewohnende Nematoden übertragen. Normalerweise müssen die betroffenen Pflanzen vollständig entfernt und der Boden mit nematiziden Substanzen behandelt werden, wobei letztere in vielen Ländern verboten sind. Die transgenen Weinreben produzieren ein Hüllprotein des GFLV-Virus und sind dadurch vor der Infektion durch die „echten“ Viren weitgehend geschützt. Da die Übertragung des Virus über den Boden erfolgt, werden nur die Wurzelstöcke gentechnisch verändert, während die aufgepfropften Edelreiser kein Transgen tragen. Für den Freisetzungsversuch wurde Boden von zwei befallenen Weinbergen auf das INRA-Gelände verbracht.

Das Local Monitoring Committee (LMC), das vor Beginn der Freisetzung einberufen wurde, hatte keine festgelegte Zusammensetzung, sondern die Mitarbeit stand jedem Interessierten offen und konnte jederzeit beendet werden. Die Mitglieder waren Vertreter von Weinerzeugern, Verbraucherverbänden, Umwelt- und Naturschutzverbänden, Repräsentanten des Stadtrates, des Regionalparlaments und der regionalen Umweltbehörde sowie ein unabhängiger Weinbauer und ein Nachbar des Versuchsgeländes. Trotz des erheblichen zeitlichen Aufwandes für die Mitglieder blieb die Zusammensetzung des Komitees über sechs Jahre hinweg unverändert.

Die Versuche zur biologischen Sicherheitsforschung an den gentechnisch veränderten Rebstöcken wurden zunächst von Wissenschaftlern des INRA geplant und dann im LMC diskutiert und verändert. So wurden nach den Diskussionen im LMC Edelreiser einer Rebsorte ausgewählt, die im Elsass sonst nicht angebaut wird und die sich äußerlich deutlich von den elsässischen Rebsorten unterscheidet. Die Edelreiser waren zwar nicht gentechnisch verändert, trotzdem sollte auf diese Weise verhindert werden, dass in der Bevölkerung Befürchtungen bezüglich einer Auskreuzung des Transgens auf die einheimischen Rebsorten aufkommen. Auf Betreiben des LMC wurde auch eine Membran unter der Versuchsfläche eingezogen, um den Versuch zu isolieren. Damit sollte eine unkontrollierte Ausbreitung der GFLV-infizierten Nematoden verhindert werden. Die Membran wurde aber auch deshalb eingezogen, weil im LMC Befürchtungen geäußert wurden, es könne zu einem horizontalen Gentransfer zwischen den transgenen Wurzelstöcken und den Nematoden kommen. Die Wissenschaftler des INRA sahen diese Befürchtungen allerdings als unbegründet an.

Das LMC initiierte auch zusätzliche Forschungsarbeiten, etwa zu der Frage, ob es zu einem Austausch von Erbsubstanz zwischen dem transgenen Wurzelstock einerseits und der Bodenmikroflora oder dem nicht-transgenen Edelreis andererseits kommen kann. Darüber hinaus entwickelte das LMC ein Forschungsprogramm zur konventionellen Kontrolle des GFLV Virus.

Nach der teilweisen Zerstörung des Freisetzungsversuches im September 2009 erhielt das LMC breiten Zuspruch von verschiedensten Organisationen und Parteien, auch von solchen, die dem Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft ablehnend gegenüberstehen. Da die Wurzelstöcke unversehrt geblieben waren, wurde die Forschung wieder aufgenommen. Im August 2010 wurde der Feldversuch jedoch so vollständig zerstört, dass die Forschungsarbeiten eingestellt werden mussten.

Quelle: www.bioSicherheit.de
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